Auf dem Stierli-Areal in Zürich Seebach rumort es. Derzeit bietet das ehemalige Areal der Eisenhandelsfirma Stierli auf rund 12'000 Quadratmetern Ateliers, Schreinerwerkstätten, Grafik-Studios und Bootseinstellplätzen ein Zuhause. In der 800 Quadratmeter grossen Halle von «Dosendealer» – dem Verein Farbe für Zürich – lassen Laien, Graffiti-Künstler und Neugierige auf einer 250 Quadratmeter grossen Wand farbige Kunstwerke entstehen.

Damit aber soll Ende 2018 Schluss sein, wie Yassin Tair, Betreiber von «Dosendealer», sagt: «Wie wir von einem der Eigentümer erfahren haben, ist der Abriss des Gebäudes auf Januar oder Februar 2019 geplant. Damit wollen die Eigentümer Besetzungen auf dem Areal verhindern.»

Weil kreativer Freiraum in Zürich knapp ist, bekommt «Dosendealer» nun Hilfe aus dem Zürcher Gemeinderat. Mit einem Postulat fordern Elena Marti (Grüne) und Anjushka Früh (SP) den Stadtrat auf, für das Projekt eine Ersatzliegenschaft bereitzustellen. «Sprayen als Gestaltunsprozess ist ein grosses Bedürfnis bei Jugendlichen. Damit diese nicht unnötig kriminalisiert werden, weil sprayen nach wie vor illegal ist, müssen wir Plattformen, wie jene des Vereins Farben für Zürich sicherstellen», sagt Marti auf Anfrage.

Die Halle im Aussenquartier von Seebach sei als Veranstaltungs- und Begegnungsort wichtig für das Aussenquartier. «Kultur muss auch in die peripheren Gebiete der Stadt getragen werden», ist die Erstunterzeichnerin überzeugt. «Eine Ersatzliegenschaft im gleichen Quartier wäre deshalb wünschenswert.»

Ein Kunstzentrum für Seebach

Dass die Mieter das Stierli-Areal nach mehreren Jahrzehnten der Zwischennutzung nun verlassen müssen, liegt an den Bauplänen der Eigentümerin Stierli Real Estate AG. Die Ausschreibung des Bauvorhabens erfolgte vergangenen August im «Tagblatt der Stadt Zürich». Geplant ist an der Schaffhauserstrasse 468 das «Art Center Art 468», das Galerie-, Event-, Ausstellungs- sowie Kunstlagerräume, Werkstätten, Ateliers, Bar- und Restaurantbetrieb mit Aussenbereich sowie Gewerbeflächen umfassen soll. Insgesamt sind 92 Autoabstellplätze auf dem Areal in Seebach eingeplant.

Der Baurechtsentscheid steht derzeit noch aus. Fausto De Lorenzo, der Basler Kultur- und Unternehmensberater, der das Projekt der Stierli Real Estate AG begleitet, zeigt sich zuversichtlich, dass die Bewilligung bis im Herbst 2018 vorliegt.

Derzeit laufen laut De Lorenzo verschiedene bauliche und planerische Abklärungen, wie beispielsweise die neue Unterschutzstellung des Backsteingebäudes aus dem Jahr 1899. Künftig sollen hier Bar sowie Restaurant, aber auch ein Ausstellungsraum und Künstlerwerkstätten eingerichtet werden. «Neben den offenen Künstlerwerkstätten und der Foyerfunktion für die dahinterliegenden Gebäude soll diese historische Halle dem Publikum zugänglich sein», sagt De Lorenzo.

Für das «Art Center Art 468» sind zudem drei Neubauten auf dem Stierli-Areal vorgesehen. Eines davon soll laut De Lorenzo als halböffentliches Gebäude konzipiert werden. Während in den Räumen im Erdgeschoss Auktionen und Veranstaltungen stattfinden sollen. «Mit ringförmig angeordneten Büros und der mittig liegenden Galerie und Ausstellungsnutzungen wird das Raum-im-Raum-Prinzip angewandt», sagt De Lorenzo. Im Untergeschoss befinden sich dann Parkplätze für Mieter und Besucher.

Es sollen Millionen lagern

Im dritten Gebäude soll ein Kunstlager eingerichtet werden. «Für die ständige oder temporäre Einlagerung der Kunstwerke gibt es eine eigene Anlieferung», sagt De Lorenzo. Dass zwischen den SBB-Gleisen in Seebach bald schon millionenschwere Kunst lagern könnte, sorgte im Frühling medial für Aufmerksamkeit. Auf dem Blog «Inside Paradeplatz» war von einem «Kunstbunker für Superreiche» die Rede und die «NZZ» titelte «Ein Kunsttresor im Seebacher Gleisdreieck». Es wurde von einem sogenannten Zollfreilager mitten in der Stadt Zürich gemunkelt. Also einem Lager für Waren, in diesem Falle teure Kunst, die unverzollt und unversteuert in Seebach zwischenlagert.

Die Eidgenössische Zollverwaltung teilt auf Anfrage mit: «Es ist kein Gesuch für ein Zollfreilager auf diesem Areal eingegangen. Folglich wurde auch kein Gesuch bewilligt.» Im vierten und letzten Gebäude will die Bauherrin die Räume an Galerien und Gewerbe vermieten. Zudem sollen Start-ups Coworking-Spaces zu günstigen Konditionen anmieten können.

Weil das Bewilligungsverfahren für das immense Projekt noch läuft, halten sich die Verantwortlichen hinsichtlich Baustart noch bedeckt. Dennoch ist De Lorenzo zuversichtlich, dass «der Baustart im Verlauf 2019 sein wird». Und weiter: «Die Investitionssumme ist beträchtlich, kann aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht konkret benannt werden.»