Fall Mörgeli

Aeppli gibt Fehler zu, quittiert aber SVP-Forderung nach Rücktritt mit Schweigen

Die Zürcher Regierungsrätin Regine Aeppli (Archiv).

Die Zürcher Regierungsrätin Regine Aeppli (Archiv).

Die Zürcher Bildungsdirektorin Regine Aeppli (SP) hat am Montag im Kantonsparlament ihr Bedauern über den Rücktritt von Uni-Rektor Andreas Fischer ausgedrückt. Die Entlassung der Medizinhistorikerin kommentierte sie aber nicht.

Aeppli nahm zudem erstmals zu den jüngsten Entwicklungen im Fall Mörgeli Stellung. Zur Rücktrittsforderung der SVP sagte sie aber nichts. In der Debatte hatte sie Jürg Trachsel dazu aufgefordert: "Sie soll Verantwortung übernehmen und zurücktreten."

Der Universitätsrat habe an seiner Sitzung vom Samstag "mit Bedauern und grossem Respekt" vom Rücktritt Kenntnis genommen, sagte sie. Mit diesem Schritt habe der Rektor die Verantwortung für die jüngsten Entwicklungen persönlich auf sich genommen. Der Entscheid sei auch Ausdruck der "hohen Ansprüche, die Andreas Fischer an sich stellt".

Regine Aeppli nimmt Stellung zu den jüngsten Wirren um die Uni Zürich im Fall Mörgerli

Regine Aeppli nimmt Stellung zu den jüngsten Wirren um die Uni Zürich im Fall Mörgerli

Wie Aeppli weiter sagte, wird Publizistikprofessor Otfried Jarren die Rektoratsgeschäfte bis Ende Januar ad interim leiten. Der designierte Rektor Michael Hengartner habe sich bereit erklärt, sein Amt bereits am 1. Februar anzutreten.

"Es sind Fehler passiert"

Die Entlassung der Medizinhistorikerin Iris Ritzmann kommentierte die Regierungsrätin nicht. Sie räumte aber ein, dass im Fall Mörgeli Fehler passiert seien.

Das höchste Gut einer Universität sei ihre Reputation. Diese sei ein zerbrechliches Gut und müsse geschützt werden. Über eine Neubeurteilung der Entlassung werde die Universitätsleitung nach Abschluss des laufenden Verfahrens entscheiden.

Reaktionen aus dem Zürcher Kantonsrat auf den Fall Mörgeli

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Vor knapp zwei Wochen hatte die Universität Ritzmann entlassen. Die Universitätsleitung wirft ihr vor, einem Journalisten des "Tages-Anzeigers" vertrauliche Informationen über das Medizinhistorische Institut zugespielt und schwerwiegende Loyalitätsverletzungen begangen zu haben.

Die Entlassung warf hohe politische Wellen. Gross war die Empörung auch in der akademischen Welt. In einem ganzseitigen Zeitungsinserat in der "NZZ" vom Freitag forderten rund 600 Wissenschafter aus dem In- und Ausland, die Titularprofessorin wieder einzustellen und die Missstände am Institut zu untersuchen.

Dieser Forderung ist die Universität inzwischen nachgekommen. Die Hochschulleitung beauftragte den ehemaligen Direktor des Bundesamts für Justiz, Heinrich Koller, die "Umstände der Kündigung" zu überprüfen. Zudem trat der unter Druck geratene Rektor Fischer per sofort von seinem Amt zurück.

Uni braucht externe Beratung

Aepplis äusserte sich am Montag während der Beratungen über den Jahresbericht der Universität. Dessen Genehmigung ist sonst reine Formsache. Gegenstimmen gibt es fast nie. Dass es in diesem Jahr zu Diskussionen kommen würde, war allerdings auch ohne die jüngsten Entwicklungen vorauszusehen.

So stellte die Aufsichtskommission Bildung und Gesundheit des Kantonsrates bereits in einem Bericht vom August fest, dass es der Uni im Zuge der Affäre Mörgeli "nicht immer optimal gelungen sei, korrekt und klar zu informieren". Die Universitätsleitung werde sich deshalb in Zukunft bei schwierigen Fällen extern beraten lassen.

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