Die Schweiz könne die Staatengemeinschaft aber auch nicht ignorieren, findet Ackermann. Eine Verklärung der Schweiz als abgeschottete Idylle hält der Ex-Manager, der die Deutsche Bank führte und den Versicherungskonzern Zurich präsidierte, für falsch: "Der absolute, an der Grenze halt machende Souveränitätsanspruch ist etwas weltfremd", sagte der frühere Schweizer Top-Banker am Donnerstag während eines Referats an der Universität Zürich.

Europa sei nicht starr, die EU sei nicht auf dem Weg zum Superstaat und in den europäischen Instanzen kämen auch neue Köpfe ins Spiel. Ackermann glaubt, dass die bilateralen Verträge zwischen der Schweiz und der EU neu ausgestaltet werden können. Ein Ende der Bilateralen Verträge wäre ein Preisgabe von bisher Erreichtem, von dem die Schweiz auch profitiere.

Am Prinzip der Personenfreizügigkeit werde Europa zwar festhalten; Ackermann kann sich aber vorstellen, dass es künftig Schutzklauseln für Länder oder Gebiete mit besonders grosser Zuwanderung geben werde, auch in den Ländern der EU.

Souveränitätsansprüche, die aufeinanderprallten, würden letztlich zum Faustrecht führen. Diese zeige der "unbefriedigende" Ausgang des Steuerstreits mit den USA.

Die heftigen Reaktionen in Europa und in der Schweiz nach dem Abstimmungs-Ja am 9. Februar hält er aber auch für übertrieben: Die EU habe die Schrauben angezogen, und die Steuerverhandlungen mit anderen Ländern würden schwieriger. Viel davon sei aber auch Säbelrasseln.

Die EU hält Ackermann trotz der Euro-Krise für eine Erfolgsgeschichte: Die Aufgabenteilung zwischen der EU und ihren Mitgliedstaaten sei wegweisend. In der EU setzten demokratisch legitimierte Institutionen die Regeln: Für den Erfolg Europas in der Welt sei ein geeingte Europa ist wichtiger denn je.