Glaube
Acht neue muslimische Seelsorger sind in Zürich im Einsatz – eine davon im Bundesasylzentrum

Bereits zum zweiten Mal konnten interessierte Frauen und Männer die Ausbildung zur muslimischen Seelsorge absolvieren. Rund 18 Seelsorgerinnen und Seelsorger sind nun im Kanton Zürich unterwegs. Zu ihrem Angebot gehört auch die Asylseelsorge. Diese macht fast ein Drittel des Vereinsbudgets aus.

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Die muslimischen Seelsorger kommen zum Einsatz, wenn Blaulichtorganisationen, Spitäler oder Heime Hilfe anfordern. (Symboldbild)

Die muslimischen Seelsorger kommen zum Einsatz, wenn Blaulichtorganisationen, Spitäler oder Heime Hilfe anfordern. (Symboldbild)

zvg

Vier Frauen und vier Männer haben ihre Zertifikate erhalten, sie sind nun ausgebildete muslimische Seelsorgerinnen und Seelsorger. Die Feier wurde Corona-bedingt mehrere Monate verschoben. Den Lehrgang abgeschlossen haben die Absolventen im April. Sie sind bereits im Einsatz und betreuen die Muslime im Kanton, wenn Blaulichtorganisationen, Spitäler oder Heime Hilfe anfordern.

Es ist der zweite Lehrgang, den der 2017 gegründete Verein Qualitätssicherung der Mus­limischen Seelsorge in öffent­lichen Institutionen (Quams) durchführte. Nun stehen dem Verein 18 ausgebildete Seelsorgerinnen und Seelsorger zur Verfügung. «Die Motivation ist unter den neuen Absolventen und den erfahreneren Seelsorgern hoch – obwohl sie ehrenamtlich arbeiten», sagt Rifa’at Lenzin, Präsidentin des Vereins.

Aber auch die Arbeit der Seelsorger sei von Corona beeinträchtigt worden, wie Lenzin sagt. Während die christlichen Seelsorger in die Strukturen der Spitäler eingebunden sind und damit trotz Schutzkonzepten Zugang zu den Patienten hatten, sei dieser für muslimische Seelsorger erschwert worden. «Es war äusserst frustrierend, weil der Status unserer Seelsorger nicht klar war. Sie waren ja weder Angehörige noch normale Besucher», sagt Lenzin. Deshalb sei die Anzahl Anfragen für seelsorgerische Einsätze im Frühling eingebrochen. Man habe dies durch Telefon- und Internetseelsorge aufzufangen versucht. Seit die Schutzkonzepte gelockert wurden, normalisiere sich die Situation wieder.

Eine Seelsorgerin arbeitet im Bundesasylzentrum

Unter den acht Absolventen, die nun ihre Zertifikate erhalten haben, ist auch eine Seelsorgerin, die im Bundesasylzentrum arbeitet und dafür von Quams bezahlt wird. Die Asylseelsorge startete 2016 als Pilotprojekt des Staatssekretariats für Migration (SEM) und wurde rundum gelobt. Aber das SEM wollte nicht weiter zahlen und riskierte damit, dass das ­Angebot wegfällt. 2018 schritt der Kanton ein und integrierte die beiden im Bundesasylzentrum tätigen Seelsorger in das Portfolio von Quams.

Mit gegen 100'000 Franken beansprucht die Asylseelsorge fast ein Drittel des Vereinsbudgets, wie Rifa’at Lenzin sagt.

Muslimische Finanzierung sei «illusorisch»

Seit 2020 ist die Finanzierung des Vereins neu aufgestellt. Die katholische und die reformierte Landeskirche und die Vereinigung der Islamischen Organisationen Zürich beteiligen sich mit je 25000 Franken pro Jahr. Die kantonale Direktion der Justiz und des Inneren zahlt 150'000 Franken. Damit halbiert sich der bisherige jährliche Beitrag des Kantons. Kompensiert werden die Gelder durch den Nationalen Aktionsplan zur Verhinderung und Bekämpfung von Radikalisierung und gewalttätigem Extremismus.

So ist die Finanzierung der muslimischen Seelsorge bis Ende 2021 gesichert. Danach sollte die muslimische Gemeinschaft das Angebot selber tragen. Dies hält Rifa’at Lenzin aber für illusorisch. Sie hofft weiter auf öffentliche Gelder: «Der Kanton spricht pro Jahr 50 Millionen Franken an die fünf anerkannten Religionsgemeinschaften. Wir hoffen darum darauf, dass die muslimische Seelsorge auch in Zukunft einen vergleichsweise bescheidenen Unterstützungsbeitrag erhält.»

Damit auch die 100000 Musliminnen und Muslime im Kanton Zürich von einer professionellen Seelsorge profitie­ren, hatte sich Regierungsrätin Jacqueline Fehr (SP) für den Aufbau eines solchen Angebots eingesetzt. Nach dem Abbruch des ersten Versuchs 2015 engagierte sich der Kanton erneut. Er gab für die Jahre 2017, 2018 und 2019 insgesamt 650'000 Franken aus. Seit 2020 beteiligt sich der Kanton mit 150'000 Franken pro Jahr. Der Verein Qualitätssicherung der Muslimischen Seelsorge in öffentlichen Institutionen (Quams) wird vom Kanton und von der Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich getragen. Der Verein betreibt eine Geschäftsstelle und organisiert die Ausbildung. Konzipiert hat den Lehrgang das Schweizerische Zentrum für Islam und Gesellschaft der Universität Freiburg. (kme)