Zürich
Abzock-Vermieter werden vermehrt von der Stadt kontrolliert

Wohnungen mit Schimmel, ohne warmes Wasser oder mit kaputter Heizung - in den letzten Monaten wurden mehrere Fälle von Vermietern der Stadt Zürich bekannt, welche die Notlage von Sozialhilfebezügern ausnutzen.

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In traurigem Zustand: An der Dörflistrasse in Oerlikon bringt die AOZ Flüchtlinge unter – in überfüllten Wohnungen.

In traurigem Zustand: An der Dörflistrasse in Oerlikon bringt die AOZ Flüchtlinge unter – in überfüllten Wohnungen.

Rafaela Roth

Ihnen werden heruntergekommene und eigentlich unbewohnbare Objekte vermietet. Dies zum höchst möglichen Mietpreis, welcher das Sozialamt genehmigt.

Besonders Asylbewerber sind in solchen verlotterten Liegenschaften untergebracht. Die Mieter wehren sich meistens nicht, sei es aus Angst vor Konsequenzen oder Unkenntnis ihrer rechtlichen Möglichkeiten.

Nun will die Stadt Zürich vermehrt gegen diesen Missbrauch vorgehen, wie das Regionaljournal des SRF berichtet. Das Sozialdepartement will die betreffenden Wohnungen besser kontrollieren.

Keine Strafanzeige

Auf eine Strafanzeige gegen Wucher wird verzichtet, da diese vor Gericht schlechte Chancen haben. Deshalb will die Stadt mietrechtlich gegen den Gammel-Vermieter vorgehen. Vertreter von verschiedenen Departementen werden dazu als Gruppe unangemeldet in den betreffenden Liegenschaften vorbeigehen und diese auf schimmelnde Wände, Ungeziefer und nichtfunktionierende Installationen überprüfen.

Die Mietpreise setzt der Mieter auf die Maximalgrenze an, die von der Sozialhilfe übernommen wird.
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Schamlose Vermieter nutzen in der Stadt Zürich die Not von Flüchtlingen aus, um Kleinstwohnungen zu Wucherpreisen an den Mann zu bringen. Die Stadt ist dagegen machtlos.
Ein 12 Quadratmeter grosses Zimmer für vier Kinder.
Der letzte Anstrich ist Jahrzehnte her.
Dieses heruntergekommene Haus an der Bucheggstrasse vermietet Besitzer Urs Tschenett an Flüchtlinge, Asylanten und vorläufig Aufgenommene.
Zwischen die alten Häuser hat der Besitzer einen Neubau gequetscht. Die Fenster in den alten wurden kurzum zugemauert.
Aus Platznot lagern die Menschen vor dem Haus ihr Hab und Gut.
Der Ausbauzustand im Neubau ist minimal.
Ein Zimmer für zwei Personen in einer 5-Zimmer-Wohnung. Küche und Toilette werden geteilt. Kostenpunkt dieses Zimmers: 1400 Franken.
Auch um den Garten kümmert sich niemand.
Um die Instandhaltung kümmert sich der Vermieter kaum.
1400 Franken ist der Maximalmietzins, den die Sozialhilfe für zwei Personen übernimmt.
Toiletten und Küchen werden von mehreren Familien geteilt.
Die Wände sind verschmiert, in den Ecken schimmelt es.
Um die Elektrizität kümmern sich die Bewohner weitgehend selbst.
Diese Küche teilen sich acht Personen.
Keller hat hier niemand. Sie wurden zu Wohnungen umfunktioniert.

Die Mietpreise setzt der Mieter auf die Maximalgrenze an, die von der Sozialhilfe übernommen wird.

watson/Rafaela Roth

Zu einer solchen kontrollierenden Gruppe gehören Polizeivertreter, Mitglieder der Feuerpolizei, der Schädlingsbekämpfung und des stadtärztlichen Dienstes. Ferner werden auch Personen des Sozialdepartements und der Flüchtlingsorganisation AOZ dabei sein.

Nach einer solchen Kontrolle präsentiert jede Behörde eine Liste an Mängel, welche sie beim Vermieter einfordert. Bezüglich des Erfolgs hat Michael Rüegg vom Sozialdepartement gemischte Erfahrungen gemacht: Während einige Mieter bereits Verbesserungen angebracht hätten, blieben andere noch unbeeindruckt ob den Grosskontrollen.