Der Einsiedler Abt Martin Werlen hat an der Bundesfeier in der Stadt Zürich mit einem ungewohnten Auftritt das Ansprachen-Thema «Miteinander» inszeniert: Er trat zusammen mit zwei Jugendlichen auf. An Stelle der Rede eines Einzelnen legten die drei im Gespräch ihre Gedanken dar.

Nicht patriotisch-theoretisch

An der Stadtzürcher Bundesfeier kommen traditionsgemäss vor dem Hauptredner oder der Hauptrednerin zwei Jugendliche als Vorredner zu Wort. Diesen Brauch wandelte Werlen ab: Gymnasiastin Paula Stocker und Banklehrling Jan Lobsiger traten gemeinsam mit ihm als gleichwertige Redner auf.

Sie sprachen zum Thema Miteinander - gerade in einer Willensnation wie der Schweiz unerlässlich. Die Drei verstiegen sich nicht zu patriotisch-theoretischen Ausführungen.

Sie schilderten, wie sie sich kennenlernten und den gemeinsamen Auftritt vorbereiteten - wie sie konkret «das Miteinander wagten», statt nur darüber zu sprechen.
Miteinander könne man «etwas Grossartiges machen», sagte Werlen.

Gerade die verschiedenen Sprachen und Kulturen in der Schweiz stellten eine Herausforderung dar, seien aber auch eine Bereicherung.

Aus dem Miteinander könne «etwas entstehen, das wir alleine nie zustände brächten», erklärte Werlen. Laut Lobsiger ist es «ein Erfolgsprinzip der Schweiz». Gehe man «mit Wohlwollen und Respekt» aufeinander zu, so könne man viel voneinander lernen, sagte Stocker.

Die Schneeflocke als Beispiel

Als Bild dafür, wie bedeutend und effektiv es sein kann, zusammenzuhalten und sich gegenseitig zu helfen, wählten die Drei jenes der Schneeflocke: «Schneeflocken sind eines der zartesten Dinge der Natur. Aber sieh nur, was sie bewirken, wenn sie zusammenhalten».

Verantwortung übernehmen

Miteinander sein, miteinander arbeiten und leben sei durchaus nicht immer einfach. In besonderen wie in alltäglichen Situationen sei es aber wichtig, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen - sei es beim gemeinsamen Lernen, sei es beim Lösen eines Problems, sei es in Beruf, Privatleben oder Kirche.

Eine Alternative dazu gebe es kaum: «Wenn wir das Miteinander nicht wagen, machen wir uns selbst und andern anderen das Leben schwer», sagte Werlen. (SDA)