Abstimmung
Autobahntunnel unter dem Hauptbahnhof kann zum Velotunnel werden

Am 13. Juni entscheidet das Stadtzürcher Stimmvolk über die Umnutzung des bislang ungenutzten Tunnels unter dem Hauptbahnhof. Bei einem Ja stände er ab Ende 2024 für Zweiräder mit und ohne Elektromotor zur Verfügung.

Matthias Scharrer
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Im Rohbau wurde der Tunnel unter dem Hauptbahnhof ab den 1980er-Jahren erstellt.

Im Rohbau wurde der Tunnel unter dem Hauptbahnhof ab den 1980er-Jahren erstellt.

Sandra Ardizzone

Unter dem Hauptbahnhof Zürich liegt seit Jahrzehnten eine Verkehrsverbindung brach: Es geht um den Tunnel, der einst gebaut wurde, um eine Autobahnverbindung mitten durch die Stadt zu schaffen. Doch die Pläne wurden nie verwirklicht. Jetzt soll daraus ein Velotunnel werden, der die Stadtkreise 4 und 5 verbindet. Am 13. Juni entscheidet das Stadtzürcher Stimmvolk darüber.

Zur Abstimmung kommt ein Kredit von 27,65 Millionen Franken für den Umbau des Tunnels. Darin enthalten sind 8,8 Millionen Rückbaukosten, falls der Kanton dereinst auf die Autobahnpläne zurückkommt. «Wir glauben aber, dass wir die 8,8 Millionen nie brauchen werden», sagte Stadtrat Richard Wolff (AL) am Dienstag vor den Medien. Mit dem Kanton vereinbart sei eine verlängerbare Umnutzung für 20 Jahre ab 2024.

Geplant sind auch 860 Gratis-Veloabstellplätze

Ergänzend zum Velotunnel plant die Stadt im bisher ungenutzten Autobahntunnel rund 860 Veloabstellplätze. Sie sollen für die Benutzerinnen und Benutzer gratis sein. Von ihnen aus hätten sie unterirdischen Zugang zu den Bahngleisen. Ausserdem ist eine Velorampe zur Konradstrasse hin vorgesehen, nebst den beiden Hauptrampen bei der Sihlpost und beim Sihlquai.

Für die Veloabstellplätze, den Zugang zu den Bahngleisen und die Rampe zur Konradstrasse hat der Stadtrat 16,3 Millionen aus dem vom Volk bereits gutgeheissenen Velokredit eingeplant. Die Velostation ist auch im Agglomerationsprogramm des Bundes enthalten. Der Bund hat dafür laut Wolff 4,6 Millionen Franken zugesichert.

So soll der neue Velotunnel ab Ende 2024 aussehen.

So soll der neue Velotunnel ab Ende 2024 aussehen.

Visualisierung zvg

Der 200 Meter lange Velotunnel wäre rund um die Uhr geöffnet und beleuchtet, das Fahrtempo auf 20 Stundenkilometer begrenzt. Eine Videoüberwachung sei nicht geplant, könnte aber später noch hinzukommen. «Wir gehen davon aus, dass man im Velotunnel zu jeder Tages- und Nachtzeit Leute antrifft, ähnlich wie in der Langstrassenunterführung», erklärte Wolff.

Auch die Frequentierung veranschlagt er mit 8500 Fahrten pro Tag ähnlich wie bei der Langstrassenunterführung, wobei auch E-Bikes, E-Mofas und Trottinette zugelassen wären. Politisch ist das Projekt Velotunnel weitgehend unumstritten: Das Stadtparlament stimmte ihm mit 98:13 Stimmen zu. Einzig die SVP war dagegen. Sie sieht darin eine «Zweckentfremdung für einen Fantasiepreis».

Stadtrat Richard Wolff studiert ein Modell der Stadt Zürich anlässlich der Medienkonferenz zum geplanten Velotunnel unter dem Hauptbahnhof.

Stadtrat Richard Wolff studiert ein Modell der Stadt Zürich anlässlich der Medienkonferenz zum geplanten Velotunnel unter dem Hauptbahnhof.

Keystone