Hochseilakt am Züri Fäscht
«Abschalten, laufen, konzentrieren» – so balanciert Alfons Bügler

Alfons Bügler balanciert am Züri Fäscht auf einem Seil in 55 Meter Höhe über die Limmat. Es wird sein letzter Auftritt sein. Der 58-Jährige übergibt an seine Söhne Rambo und Franz.

Matthias Scharrer
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Alfons Bügler, Hochseilartist, am Start im Kirchturm St. Peter.steffen schmidt/keystone

Alfons Bügler, Hochseilartist, am Start im Kirchturm St. Peter.steffen schmidt/keystone

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Es ist eng im Glockenzimmer hoch oben im Turm von St. Peter, noch enger als sonst. Zwischen den riesigen Glocken ist das Drahtseil vertäut, das in luftiger Höhe über die Limmat zum Grossmünster führt. Am Fenster kauert Alfons Bügler: wache Augen, drahtiger Körperbau, Goldkettchen am Hals, Schnauz. Der gebürtige Sissacher, der in Deutschland lebt, ist seit über 50 Jahren Hochseilartist. «Meinen ersten Auftritt hatte ich mit fünf oder sechs Jahren», sagt er. Tausende Engagements von Europa bis Australien folgten. Der Balanceakt zwischen den Kirchtürmen am Züri Fäscht werde sein letzter Auftritt sein: «Ich bin 58. Jetzt übergibt man der jüngeren Generation.» Gemeint sind seine beiden Söhne Rambo und Franz, die sechste Generation der Artistenfamilie. Einem von beiden werde er beim Abschiedslauf auf dem Seil über der Limmat begegnen. Welchem, sei noch offen.

Einen Testlauf hat Bügler schon hinter sich. «Das erste Mal ist immer heikel», sagt er. Vorher wisse man nicht, ob das Seil stramm genug gespannt sei. Damit es nicht zu sehr ins Schwingen kommt, ist es seitwärts mit mehreren Nebenseilen, an denen 30-Kilo-Gewichte hängen, am Limmatufer fixiert. Die Hauptlast tragen die Kirchtürme. Die Glocke läutet. «Auch darauf muss man gefasst sein», sagt Bügler. Die grössten Gefahren seien Windböen und Platzregen mit Hagel. Ganz abgestürzt sei er noch nie; aber umgefallen, sodass er sich mit den Händen am Seil halten und wieder hochziehen musste, das schon.

«Nervös darf man nicht werden. Man muss sich einfach konzentrieren», sagt Bügler. «Abschalten, laufen, konzentrieren.» Von der Route St. Peter – Grossmünster zeigt er sich angetan: «Ein super Lauf mit schöner Kulisse. Zum Aufhören.»

Die Hochseilakte am Züri Fäscht finden am Freitag um 19.15 und 24 Uhr, am Samstag um 16.45, 19 und 24 Uhr und am Sonntag um 15.45., 19 und 22 Uhr statt.