Giardina

Ab in den digitalen Garten und zurück zur Natur

An der Giardina wird Natur zur Inszenierung. Ein Rundgang durch die Zürcher Gartenbaumesse am Vortag der Eröffnung.

Wasser plätschert in Pools und Streichmusik aus Lautsprechern, Bäume blühen im Scheinwerferlicht: Die Gartenmesse Giardina ist wieder da. Sie verwandelt die Zürcher Messehallen ab heute bis Sonntag in ein 30 000 Quadratmeter grosses Indoor-Biotop für Gärtner und Balkonisten. Gartenmöbel und -skulpturen sind zu sehen, Teiche, Brunnen und natürlich Pflanzen auf vier Etagen. Wobei: Was heisst schon natürlich? Natur wird hier zur Inszenierung, der Garten zum Design-Objekt. Und: Smart wird der Garten jetzt auch.

Der digitale Garten

Davon ist Raphael Erl von der Gruppe The Visionaries überzeugt, der 18 Schweizer Firmen vom Gartenbauer bis zum IT-Unternehmen angehören. Erl präsentiert beim Medienrundgang am Vortag der Giardina-Eröffnung den digitalen Garten. Dessen Möbel stammen aus 3-D-Druckern, was Formen ermöglicht, die früher höchstens denkbar waren. Und: Der Garten wird über ein einziges Display gesteuert: die Beleuchtung, die Bewässerung, die Alarmanlage, die Videoüberwachung. Die digitale Steuerung ruft jeweils auch die aktuellen Wetterprognosen online ab und stellt die Bewässerung entsprechend ein. Das Vogelzwitschern aus den Lautsprechern ist ebenfalls digital gesteuert, wie Erl auf Anfrage bestätigt.

Wollen die Kunden das? Das sei nicht der Punkt, sagt Erl. Wichtiger sei es, aufzuzeigen, was heute und künftig möglich ist. Die Gartenbaubranche dürfe nicht stehen bleiben. «Wasser und Energie kann jetzt zielgerichtet eingesetzt werden – nicht mehr nach dem Giesskannenprinzip», so Erl weiter.

Eine ganz andere Vision verfolgt Peter Richard. Er stellt bereits zum 20. Mal an der Giardina aus. «Wir sind das Kontrastprogramm zu den hochtechnisierten Gärten», sagt er. Sein Zielpublikum seien Leute, die sich in die Natur zurückziehen wollen. Richards Schaugarten an der Giardina ist ein Teich mit Sumpfgräsern, durch den ein Holzsteg zu einer Holzplattform mit Sitzkissen und Matraze führt. Bequem soll es schon sein, das Zurück zur Natur. Entsprechend sind auch die Kräuterbeete hinter der Holzplattform als Hochbeete angelegt, sodass man sich nicht bücken muss.

Neben den grossen Schaugärten bietet die Giardina auch Tipps und Inspirationen für kleinere Formate. So ist die Halle 4 Balkongärten und Kleinterrassen gewidmet. Fachfrau Kathrin Stengele rät dazu, bei der Balkongestaltung nur wenige Gefässe zu verwenden und auf standortgerechte Bepflanzung zu achten. Auch das Bodenmaterial und eventuell eine Outdoortapete trage zur Atmosphäre auf dem Balkon bei.

Verdichtung verkleinert Gärten

Das Geschäft mit der inszenierten Natur läuft offenbar: Schweizweit gibt es 4200 Garten- und Landschaftsbaubetriebe. «Und jährlich kommen rund 50 hinzu», sagt Carlo Vercelli, Geschäftsführer des Gärtnerverbands Jardin Suisse. Die Branche setze in der Schweiz pro Jahr 3,6 Milliarden Franken um, wobei auch die öffentliche Hand ein wichtiger Auftraggeber sei. Bei Privaten sei aufgrund der baulichen Verdichtung ein Trend zu kleineren Gärten feststellbar.

Auch der Giardina geht es – im Gegensatz zu eingegangenen Messen wie der Züspa und der Muba – vergleichsweise gut, wie Ausstellungsleiter Christoph Kamber sagt. Letztes Jahr lockte die grösste Indoor-Gartenmesse Europas 67 000 Besucherinnen und Besucher nach Zürich-Oerlikon; auch dieses Jahr sei die Ausstellungsfläche voll belegt. «Natur muss man live erleben», erklärt Kamber den Erfolg.

Giardina, 13.-17. März, Messe Zürich, Wallisellenstr. 49, Mi/Do 9-20 Uhr, Fr bis 22 Uhr, Sa/So 9 bis 18 Uhr.

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