Obwohl rund jeder zehnte Flüchtling in der Schweiz gemäss einer Studie des Staatssekretariats für Wirtschaft von 2012 über einen Mittelschul- oder Hochschulabschluss verfügt, fehlte es an Schweizer Unis lange an entsprechenden Angeboten. Während die Uni Basel bereits im Frühlingssemester ein Pilotprojekt namens "Offener Hörsaal" durchgeführt hat, stösst nun die Idee eines Schnuppersemesters auch an der ETH in Zürich auf offene Ohren. 

Im kommenden Herbstsemester bietet die Eidgenössische Technische Hochschule 40 Flüchtlingen oder Asylsuchenden Platz, um als Hörer oder Hörerinnen an den Vorlesungen teilzunehmen. Ziel ist es, den Interessierten das ETH-Leben näherzubringen. Dabei wolle man auch aufzeigen, wie anspruchsvoll das Studium sei, sagt Kay Schaller, Präsident des Verbands der Studierenden an der ETH (VSETH), gegenüber dem "Regionaljournal Zürich Schaffhausen". Wer danach immer noch Interesse an einem Studium habe, sei am richtigen Ort und genau solche Personen wolle man schlussendlich fördern.

Interesse von beiden Seiten

Einzig das Absolvieren von Prüfungen fällt weg, nichtsdestotrotz stellt das Schnuppersemester hohe Anforderungen an Interessierte: So müssen die Flüchtlinge oder Asylsuchenden über Deutsch- wie auch Englischkenntnise verfügen und in ihrer Heimat ein Studium in naturwissenschaftlichem oder technischem Bereich zumindest begonnen haben.

Bis jetzt haben sich 46 Interessierte beworben, aus welchen 40 ausgewählt werden. Diesen wird auch ein Mentor zur Verfügung gestellt, welcher die Schnuppernden im Studienalltag begleitet. Die Idee, Flüchtlingen ein Schnuppersemester zu ermöglichen, stösst auf Seiten der Studierenden ebenfalls auf grosses Interesse. Bereits über 100 Studenten haben sich für eine Mentorenstelle beworben. 

Auch die Universität Zürich plant, ein ähnliches Projekt durchzuführen: Rund 20 Plätze wollen sie im Herbstsemester zur Verfügung stellen, wie der "Tagesanzeiger" berichtet. Der Verband der Studierenden (VSUZH) wähle die Kandidaten aus und werde sie während des Semesters begleiten.