Zürich
81 Zürcher Betonklötze gelten neu als denkmalwürdig

Die Stadt Zürich niimmt 81 Bauten und 76 Gärten ins Inventar schützenswerter Bauten auf.. Es sind Gebäude und Gärten, die in den 60er und 70er Jahre erstellt wurden. Die Objekte stehen alle für die Zeit der Hochkonjunktur und des Baubooms.

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Swissôtel in Oerlikon Das Gebäude wurde 1971/72 erbaut. Architekt: Fred A. Widmer.
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Les Ambassadeur an der Bahnhofstrasse Das Geschäftshaus, das auch als Omegahaus bekannt ist, wurde zwischen 1969 und 1971 erbaut. Architekt: Paul Steger.
Irchelpark Die Parkanlage wurde 1973 bis 1978 erbaut. Landschaftsarchitekten: Atelier Stern und Partner.
Badeanlage Katzensee Die Anlage wurde 1965 bis 1966 erbaut. Landschaftsarchitekt: Walter Frischknecht.
Globus-Gebäude an der Bahnhofstrasse Das Geschäftshaus wurde 1962 bis 1967 erbaut. Architekt: Karl Egender.
Diese Häuser und Gärten sind in Zürich neu im Denkmalpflege-Inventar

Swissôtel in Oerlikon Das Gebäude wurde 1971/72 erbaut. Architekt: Fred A. Widmer.

zvg/Stadt Zürich

Sie gelten gemeinhin nicht unbedingt als schön: Bauten, die in den 1960er- und 1970er-Jahren entstanden sind. 81 dieser vielfach als Betonklötze verschrienen Gebäude nimmt die Stadt Zürich nun ins Inventar schützenswerter Bauten auf. Das entspricht gerade mal einem Prozent aller Gebäude, die in diesem Zeitraum in Zürich gebaut wurden.

Sie sind aus Sicht der Stadtzürcher Denkmalpflege und der Gartendenkmalpflege prägende Zeugen jener Zeit der Hochkonjunktur und des Baubooms, als sich die Konsumgesellschaft entfaltete. «Das ist die Quintessenz dieser Bauperiode», sagte Stadtrat André Odermatt gestern während einer Medienfahrt.

Noch nicht unter Denkmalschutz

Automatisch unter Denkmalschutz stehen die Bauten damit laut Odermatt jedoch nicht. Sobald aber an einem von ihnen grössere bauliche Eingriffe oder gar Abrissarbeiten geplant wären, müsste der Stadtrat entscheiden, ob sie unter Denkmalschutz zu stellen seien. Entschädigungen für bauliche Einschränkungen, die ihre Eigentümer danach allenfalls zu gewahren hätten, bezahle die Stadt nur in Ausnahmefällen, erklärte Odermatt weiter.

Zu den neu inventarisierten Zeitzeugen zählen bekannte Gebäude wie das Swissôtel-Hochhaus beim Bahnhof Oerlikon, das Globus-Geschäftshaus nahe der Bahnhofstrasse oder die Hardau-Hochhäuser im Stadtkreis 4. Auch die Grossüberbauung Lochergut, wo einst der Schriftsteller Max Frisch wohnte, findet sich neu auf der Liste der Denkmalpflege; ebenso die ETH Hönggerberg, das Amtshaus am Helvetiaplatz oder die vom Le-Corbusier-Schüler Georges-Pierre Dubois erbaute Wohnsiedlung Unteraffoltern II.

Prägend für Stadtränder

Am Beispiel des Swissôtel erläuterte Projektleiterin Mirjam Brunner, worauf es der Denkmalpflege bei der Auswahl der Objekte ankam. 1970/71 vom Architekten Fred A. Widmer erbaut, habe es den Verstädterungsprozess im 1934 eingemeindeten Stadtteil Oerlikon vorangetrieben. Daher sei es wirtschaftsgeschichtlich und städtebaulich bedeutsam. Traurige Berühmtheit erlangte das damalige Hotel International, als bei einem Brand im 24. Geschoss sechs Menschen ums Leben kamen. Das Grilllokal, in dem das Feuer ausgebrochen war, wurde danach in Konferenzräume umgewandelt.

Auffällig viele der nun inventarisierten Zeitzeugen finden sich an den Rändern der Stadt, wie Stadträtin Ruth Genner betonte: «Hier gab es damals noch Platz zum Bauen.» Entsprechend prägten die Bauten seither die Stadtränder und die Übergänge in die Agglomeration.

«Einige Objekte sind von der sperrigeren Sorte», räumte Genner ein. «Sie führen uns das Selbstbewusstsein der 1960er-Jahre vor Augen.» Durch manche der nun ebenfalls inventarisierten 76 Gartenanlagen aus den 60er- und 70er-Jahren sei aber auch das damals allmählich aufkommende Bewusstsein für Umweltschutz dokumentiert. So wurde etwa die Badeanlage Katzensee ebenfalls ins Inventar aufgenommen.

Die Inventarisierung erfolgte laut Genner auch unter dem Druck des heutigen Baubooms. Dieser mache es nötig, schützenswerte Bauten und Gartenanlagen aus der Zeit des letzten grossen Baubooms vorzumerken - bevor die Bagger wieder auffahren.