Eigentlich wollte Wracktaucher Adelrich Uhr am vergangenen Wochenende zu einem Schleppkahn tauchen, der im 19. Jahrhundert vor Bäch gesunken ist. Zusammen mit einer Gruppe von Hobby-Archäologen will er diesen in mehreren Tauchgängen untersuchen und die Geschichte rund um das Wrack rekonstruieren. Doch die schlechte Sicht machte Uhr auf seinem Tauchgang einen Strich durch die Rechnung: Er fand den Kahn nicht, obwohl er die genauen Koordinaten des Fundorts kennt.

Stattdessen stiess er unweit von der Stelle auf ein anderes Boot. Der Fund in 25 Meter Tiefe versetzte den erfahrenen Taucher ins Staunen – nicht zuletzt deshalb, weil das Schiffchen auf Anhieb seine ganze Geschichte preisgab: «Pfupfer» heisst das Wrack, der Name ist noch immer deutlich an der Bootswand zu lesen. Eine Plakette verrät zudem, wem es gehörte: einem Walter Meyer, Mitglied des Zürcher Yacht Clubs. Der Verein wurde 1902 gegründet und ist am General-Guisan-Quai in Zürich beheimatet.

In der Klubchronik ist das Schicksal von «Pfupfer» genau dokumentiert: Das Boot war am 9. Juli 1933 auf der Rückreise vom Sommerfest, das der Klub auch heute noch regelmässig in Bäch feiert. Das leere Motorschiffchen befand sich zusammen mit rund 20 anderen Booten im Schlepptau eines Ledischiffs. Einiges geladen hatten möglicherweise auch die Passagiere. Dies ist zwar nicht verbrieft, könnte aber erklären, weshalb die Feiernden (auch) den kleinen «Pfupfer» volllaufen liessen – ungewollt natürlich, da sie nicht bemerkten, wie die Wellen ins unbemannte Boot schwappten. Die Schiffskarawane wurde nämlich von einem schweren «Blascht», einem Gewitter also, überrascht, wie es in der Chronik heisst. Tatsächlich fegte am besagten Tag ein Sturm über den Zürichsee. So berichtete damals die «Zürichsee-Zeitung» tags darauf: «Gestern Sonntagabend zirka 16½ Uhr entlud sich am oberen linken Zürichseeufer über dem Gebiet von Schindellegi, Feusisberg, Wollerau, Wylen, Leutschen und Bäch ein furchtbares Sturmgewitter mit Wasserschaden.»

Wasserschaden erlitt auch «Pfupfer». In der Klubchronik steht: «Während alle Aufmerksamkeit auf den jeweiligen Vordermann, auf Trossen, Ruder und Ledi gerichtet war, schlug Pfupfer unbemerkt und langsam voll, bis die Trosse brach und das Schiff bald in den Fluten versank.» Die gerissene Trosse, also das Tau, ist laut Adelrich Uhr noch heute auf dem Seegrund sichtbar.

Randvoll wie der untergehende «Pfupfer» waren die Passagiere des Ledischiffs – so sie denn tatsächlich getrunken hatten – glücklicherweise nicht. Sie schafften es, den restlichen Schiffstross in Sicherheit zu bringen. «Pfupfer» ging den Mitgliedern des Zürcher Yacht Clubs aber offenbar nicht mehr aus dem Kopf. Sie tauften diverse Nachfolgeboote auf denselben Namen. Das aktuellste Modell heisst «Pfupfer Hanse». Wie lebhaft die Erinnerung an seinen Namensgeber heute noch ist, bleibt unklar. Beim Zürcher Yacht Club war niemand erreichbar, der die freudige Botschaft über die zufällige Entdeckung des «Pfupfers» entgegennehmen konnte.