Für diesen Künstler ist es gang und gäbe, dass er für seine Bilder angeklagt wird. Harald Naegeli malt mit der Spraydose, seine Leinwand ist die Hauswand. Vor 40 Jahren hat er zum ersten Mal seine langgliedrigen Figuren an Stadtzürcher Wände gesprayt. Die Antwort darauf waren hunderte Anzeigen wegen Sachbeschädigung. 1979 wurde er beim Sprayen verhaftet.

Während er in der Schweiz angeklagt wurde, floh er nach Deutschland und malte dort seine Graffitis. Aus dem "Sprayer von Zürich" wurde ein international bekannter Künstler. Als er sich 1984 beim Grenzübergang Lörrach freiwillig von der Schweizer Polizei in Gewahrsam nehmen liess, begleitete ihn der deutsche Künstler Joseph Beuys.

In den vergangenen Jahren tauchten immer wieder neue Graffitis Naegelis in Zürich auf. Vergangenen Mai war er im öffentlichen Gespräch, als er anbot, in den Grossmünstertürmen einen "Totentanz der Fische" zu sprayen.

Nun muss sich der 77-Jährige vor dem Bezirksgericht verantworten für Arbeiten aus den Jahren 2012/2013. Die Staatsanwaltschaft legt ihm zur Last, er habe mit seinen Graffitis willentlich fremde Objekte verunstaltet.

25 Wandbilder listet die Anklageschrift auf, etwa bei der Quaibrücke, beim Treppenaufgang zum Grossmünster, an der Ufermauer bei der Rathausbrücke, bei der Kornhausbrücke, am Gebäude der Kantonsverwaltung am Walcheplatz - der Sachschaden beläuft sich laut Staatsanwaltschaft auf rund 9200 Franken.

Für die Sachbeschädigungen verlangt der Staatsanwalt eine Busse von 10'000 Franken sowie eine Geldstrafe von 189'000 Franken. Es ist nicht das erste Mal, dass Naegeli hohen Geldstrafen gegenübersteht: 1981 hatte ihn das Bezirksgericht Zürich laut einem Bericht von "Spiegel Online" zu einer Geldstrafe von über 100'000 Franken verurteilt, weil er die Einwohner von Zürich über Jahre verunsichert habe.