Die Badekultur war schon länger im Umbruch, als sich die Stadt Zürich 1938 nach mehreren gescheiterten Projekten durchrang, ihr erstes Hallenbad zu bauen. Bei den Bädern des 19. Jahrhunderts stand noch der Hygieneaspekt im Vordergrund. Badezimmer in Wohnungen gab es selten. Bezeichnenderweise wurde das erste Hallenbad der Schweiz, das 1864 in Winterthur eröffnete, «Bad- und Waschanstalt» genannt.


Doch zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewannen andere Aspekte an Bedeutung: Sonnenlicht, frische Luft und Sport sollten die Gesundheit fördern. Die Stadt baute dafür neue Bäder. Nicht im Stadtzentrum, sondern an den Rändern; dort, wo Zürich wuchs.

1938 stimmten die Stimmberechtigten gleich zwei Projekten zu: In Oerlikon sollte das Freibad Allenmoos entstehen – und zwischen Schanzengraben und Sihl das «Zürcher Hallenschwimmbad», wie das heutige Hallenbad City bei der Eröffnung 1941 hiess.


75 Jahre später klingen die Worte aus der damaligen Eröffnungsschrift arg vom völkischen Geist jener Zeit durchzogen: «Ein Volksbad zur Förderung der Volksgesundheit» sollte das Hallenbad sein. Und eine «Stätte der Körperkultur».

Die Pläne dazu hatte der damalige Stadtbaumeister Hermann Herter gezeichnet. «Er verschrieb sich dem Credo des neuen Bauens», wie Ursina Fausch, die das Bad kürzlich renovierte, gestern an einer Führung zum Jubiläum sagte. Transparenz, Funktionsbetonung und Begeisterung für Technik prägten den Bau, der damals 3,8 Millionen Franken kostete.


Für Transparenz sorgen die riesigen Fenster, die sich vom Boden bis zur Decke erstrecken und in der Anfangszeit noch bis zur Hälfte hochkurbeln liessen; Auch das gefaltete Glasdach brachte viel Tageslicht in die Halle. Die Funktion des Bades betont das schnörkellose Äussere des Baus.

Und die Begeisterung für Technik kommt darin zum Ausdruck, dass sich vom Schanzengrabenweg aus durch die Kellerfenster Einblick in die Heiz- und Wasserreinigungsanlagen im Baduntergrund bietet. Dort befindet sich übrigens auch ein Reservoir, in der das Wasser aus der hauseigenen Quelle gesammelt wird.


Badehosen mussten Po bedecken


Vom Geist der Eröffnungszeit zeugen auch die damaligen Hausregeln: Die Frauen mussten züchtige Badekostüme tragen. Und die Badekleider der Männer mussten den Po vollständig bedecken, wie Martin Walker, Autor eines neuen Zürcher Badeführers, an einer weiteren Jubiläumsführung gestern erzählte. Durchsichtige Bademode war verboten. Und die Badezeit pro Eintritt auf zwei Stunden beschränkt.


Das Bad verfügte als erstes in der Schweiz über ein 50-Meter-Becken. Mit seinen Sprungtürmen und Tribünen eignete es sich für diverse sportliche Wettkämpfe. Ein Fenster zum Bassin ermöglichte es Kampfrichtern, vom Bad-Untergrund aus Stilnoten für die Bewegungen von Wasserspringern unter Wasser zu vergeben.


Seinen heutigen Namen «Hallenbad City» erhielt das Bad, als 1973 in mit dem Hallenbad Altstetten und dem Bungertwies am Zürichberg weitere Hallenbäder in Zürich eröffneten. Ende der 1970er-Jahre verunstaltete eine Renovation das City-Bad: Lüftungsrohre versperrten fortan den Blick zum Himmel durch das Glasdach. Den Grund dafür verriet der für die damalige Renovation zuständige Architekt Werner Dubach am Rande der gestrigen Architektur-Führung: Ein Teil des Untergeschosses war damals anderweitig vergeben, sodass dort kein Platz für die neue Lüftung blieb.


Das änderte sich mit der 2013 unter Ursina Fauschs Federführung abgeschlossenen Renovation: Sie entfernte die Einbauten von 1978 wieder, «glücklicherweise», wie es Dubach gestern am Rande der Führung entfuhr. Nun schwimmt man im City-Hallenbad wieder regelrecht ins Licht, das von oben und seitlich einfällt.