In letzter Sekunde haben die ZSC Lions am Dienstagabend die Schweizer Eishockey-Meisterschaft gewonnen. Doch bis ihr Stadionproblem gelöst ist, werden Jahre vergehen.

Immerhin: Das Projekt einer neuer Sportarena, die sowohl den ZSC-Eishockeyanern als auch den Volleyball-Cracks von Voléro Zürich als Spielstätte dienen soll, kommt voran. Rund 70 Architektenteams haben sich für den geplanten Neubau in Zürich Altstetten beworben, wie Urs Spinner, Sprecher des Stadtzürcher Hochbaudepartements, gestern auf Anfrage sagte.

Die Bewerbungsfrist für das Anfang Februar lancierte Projekt ist Mitte März abgelaufen. Aus den Bewerbern werden nun zwölf Teams für den Architekturwettbewerb ausgesucht. «Noch vor den Sommerferien werden die Klubs darüber informieren», so Spinner.

Drei mögliche Hindernisse

Im Januar 2013 soll das Siegerprojekt bekannt gegeben werden. Baubeginn wäre gemäss dem Zeitplan der Stadt Zürich und der beiden Sportvereine frühestens Ende 2015, Eröffnung 2017. Drei Faktoren könnten diesen Plan aber verzögern.

Erstens ist eine Umzonung des vorgesehenen Standorts nötig. Heute befinden sich dort Schrebergärten, das Areal gilt als Erholungszone. Künftig wäre es laut Spinner «wahrscheinlich» eine Zone öffentlicher Bauten. Die entsprechende Änderung im Entwurf für den neuen kantonalen Richtplan habe der Regierungsrat vorgenommen. Bis der Kantonsrat über den Richtplan entscheidet, dürfte laut Spinner ein Jahr vergehen.

Darüber hinaus werde die Stadt einen Gestaltungsplan vorlegen. Dieser muss vom Zürcher Stadtparlament sowie vom Kanton genehmigt werden, bevor er in Kraft tritt. Der Zürcher Gemeinderat wird gleich mehrmals über das Projekt entscheiden: zum einen über den Gestaltungsplan sowie die Umzonung, zum anderen über die Finanzierung. Wann dies geschehen könnte, ist laut Gemeinderatspräsident Joe Manser (SP) noch offen. Grund: Der entsprechende Geschäftsantrag des Stadtrats stehe noch aus.

193 Millionen für die Sportarena

Die Finanzierung ist der zweite Knackpunkt. Schon nach der Projektlancierung Anfang Februar rief das geplante Finanzierungsmodell massive Kritik hervor. Der Stadtrat will das auf 193 Millionen Franken veranschlagte Projekt mit einem Darlehen von maximal 149 Millionen Franken unterstützen.

Die ZSC Lions und Voléro Zürich sollten 44 Millionen Eigenkapital beisteuern. Parteienvertreter von der CVP über SP, Grüne, Grünliberale bis hin zur FDP kündigten an, das Finanzierungsmodell genau unter die Lupe zu nehmen. Ein Behördenreferendum, mit dem die Parteien eine Volksabstimmung erzwingen können, scheint daher wahrscheinlich.

Und dann sind da noch die Schrebergärtner. 120 Familiengärten müssten dem Projekt an den Bahngleisen nahe beim Bahnhof Altstetten weichen. Zwar bietet die Stadt, der das Land gehört, den Betroffenen Ersatz auf dem Dunkelhölzli-Areal an, ebenfalls in Zürich Altstetten.

Deren Begeisterung hält sich aber in Grenzen: «Die wenigsten würden das Angebot annehmen», vermutet Walter Zbinden, Arealchef des Familiengartenvereins Altstetten-Albisrieden (FGVAA). «Wir können doch nicht die Kulturen und die Häuser zügeln.»

Petition gegen Standort erfolglos

Um seinem Widerstand Nachdruck zu verleihen, sammelte der FGVAA 2010 innert neun Wochen über 15000 Unterschriften für eine Petition. Er forderte den Stadtrat damit auf, einen anderen Standort zu suchen – erfolglos.

«Für einen Verein ist es sehr schwer, sich gegen die Behörden zu wehren», sagt FGVAA-Präsident Markus Peer. Als Pächter seien die Familiengärtner zudem nicht rekursberechtigt. Er habe deshalb das Gespräch mit Gewerbetreibenden aus der Nachbarschaft gesucht, die Rekurs einlegen könnten – bislang ohne verlässliche Zusagen. Man warte zunächst den Entscheid des Gemeinderats ab, so der Tenor.

Für die ZSC Lions heisst es vorerst, mit dem Hallenstadion vorliebnehmen, wo Terminkollisionen immer wieder für Ärger und finanzielle Einbussen sorgen.