Rettungsaktion
62 Meter abseilen: Spektakuläre Rettung vom Zürcher Grossmünster

Eine spektakuäre Rettung ist am Montagvormittag vom imposanten Karlsturm am Zürcher Grossmünster durchgeführt worden. Minuten zuvor war vom benachbarten Bullingerturm eine Person abgeseilt worden. Das Ganze war eine Übung der Zürcher Höhenretter.

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62 Meter abseilen: Spektakuläre Rettung vom Zürcher Grossmünster

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Sie kommen zum Einsatz bei Rettungen aus grossen Höhen, aber auch aus tiefen, engen Schächten und dergleichen. In der Kuppel des Bullingerturms beim Zwingliplatz öffnet sich eine Luke. Ein Mann in leuchtend rotem Overall steigt heraus, ein zweiter folgt.

Abseilen aus 62 Metern Höhe

Sie klettern ganz nach oben, wo in 62 Metern Höhe der Turmaufsatz golden in der Sonne blitzt. Dort müssen sie einen Patienten bergen. Dieser hatte eine Fahne am Mast befestigen wollen und erlitt einen Schwächeanfall, so die Annahme.

Nun wird er mit Kletter-«Gstältli» und Bergseil am einen Retter festgemacht. Der andere sichert die beiden. Langsam werden sie über die Kuppel abgeseilt. Auf der rund 12 Meter tiefer gelegenen Besucherplattform ist die Reise nicht zu Ende. Weiter geht es über das Geländer der Plattform hinaus und dann zügig hinunter bis auf die Erde.

Medizinische Kenntnisse

Dort wird der «Patient» - selbst ein Höhenretter - hingesetzt und an die Turmwand gelehnt. Hinlegen könnte tödlich sein, erklärt Übungsleiter Hans Kälin. Nach der langen Zeit im «Gstältli» bestehe die Gefahr eines Hängetraumas. Würde der Mann hingelegt, könnte ihm das Blut in den Kopf schiessen.

Die Höhenretter müssen sich auch medizinisch auskennen. Kälin: «Wir ersetzen die Rettungssanitäter, bis diese zum Patienten gelangen können.» In Zürich gibt es zwölf Höhenretter bei Schutz & Rettung: Feuerwehrleute mit einer spezielle Zusatzausbildung, wie Hans-Peter Schmid, Abteilungsleiter Berufsfeuerwehr, erklärt. Seit 2009 ist die Gruppe zertifiziert. Dies bedeutet laut Schmid unter anderem, dass jedes Mitglied 80 Stunden Spezialausbildung nachweisen muss - pro Jahr.

Einzigen zertifizierten Höhenretter der Schweiz

Die Zürcher sind zwar die einzigen zertifizierten Höhenretter der Schweiz. Entsprechende Spezialeinheiten gibt es aber auch etwa in Bern, Basel, Genf und Lausanne. Laut Übungsleiter Kälin sind sie «am Aufkommen». Als die Zürcher Gruppe vor Jahren «ganz klein», so Kälin, begann, musste sie gegen Widerstände kämpfen. Inzwischen habe man ihre Notwendigkeit bewiesen.

Die Höhenretter kommen zum Einsatz bei Rettungen aus grossen Höhen und Tiefen. So etwa, wenn ein Kranführer oder ein Bauarbeiter auf einem Gerüst Probleme hat. Auch beim Primetower-Kran wurde schon geübt. Aber auch Rettungen aus engen Schächten und dergleichen gehören zu ihren Aufgaben.

Drei Tage üben

Inzwischen tut sich auf dem zweiten Grossmünster-Turm, dem limmatseitigen Karlsturm, etwas. Auf der Besucherplattform schiebt sich eine orange Rettungswanne über die Balustrade. Eskortiert und von zwei Rettern wird sie Zentimeter für Zentimeter in die Tiefe abgeseilt. Die Retter müssen im Interesse des «Patienten» darauf achten, dass die Wanne nicht an Mauervorsprüngen und Fensterbänken anstösst.

Am Nachmittag werden die beiden Übungen wiederholt, die Gruppen tauschen dann die Rollen, wie Übungsleiter Kälin sagt. An den kommenden zwei Tagen trainieren die Höhenretter weiter. Am Dienstag geht es ins Üetliberggebiet. Woher am Mittwoch der «Alarm» kommt, kann Kälin noch nicht sagen.

Es ist die erste derartige Übung am Grossmünster. Den Anstoss gab ein realer Notfall im Sommer 2010: Damals erlitt ein Besucher oben im Turm einen Oberschenkelbruch. Eine Bergung via die enge Treppe kam nicht in Frage. Weil gutes Wetter war, konnte schliesslich ein Rega-Helikopter den Verletzten ausfliegen.