Fluglärm
5080 mehr vom fluglärmgeplagte Personen trotz weniger Flügen

Trotz weniger Flugbewegungen ist die Zahl der fluglärmgeplagten Menschen um den Flughafen Zürich auch 2012 gestiegen. Gemäss Zürcher Fluglärm-Index (ZFI) beträgt sie neu 58'784 Personen.

Merken
Drucken
Teilen
Der Zürcher Regierungsrat Ernst Stocker, links, und Mark Dennler, Abteilungsleiter Flughafen_Luftverkehr, Amt für Verkehr

Der Zürcher Regierungsrat Ernst Stocker, links, und Mark Dennler, Abteilungsleiter Flughafen_Luftverkehr, Amt für Verkehr

Keystone

Grund für den Anstieg sind mehr Flüge zur Nachtzeit und veränderte Flugrouten.

Gegenüber dem Vorjahr nahm die Zahl der fluglärmgeplagten Personen um 5080 zu, was einem Anstieg von 9 Prozent entspricht, wie Regierungsrat Ernst Stocker (SVP) am Donnerstag bei der Vorstellung des sechsten ZFI-Berichts vor den Medien in Zürich sagte.

Und dies obwohl die Flugbewegungen am Flughafen Zürich um 3,2 Prozent auf 270'000 zurückgegangen sind. Stocker bezeichnete die Entwicklung als «unbefriedigend».

Vor allem die Zahl der in der Nacht im Schlaft stark gestörten Personen stieg deutlich an und zwar um 28 Prozent. Unverändert blieb die Zahl der tagsüber vom Fluglärm stark belästigten Personen. Fast 97 Prozent der tagsüber stark belästigten Personen und rund 89 Prozent der während der Nacht stark gestörten Personen wohnen im Kanton Zürich.

Mehr Flugzeuge nach 22 Uhr

Einer der Hauptgründe für den Anstieg des ZFI-Wertes war die Zunahme der Flugbewegungen zwischen 22 Uhr und 23 Uhr respektive 23.30 Uhr bei Verspätungsabbau. Weiter wirkte sich die Einführung der sogenannten Flight-Level-80-Regel aus. Damit dürfen Flugzeuge in der Nacht die ihnen zugeteilte Route erst verlassen, wenn sie eine Höhe von 8000 Fuss (2500 Meter über dem Meer) erreichen.

Um nicht in Konflikt mit anfliegenden Flugzeugen zu gelangen, müssen startende Flugzeuge nach Westen abdrehen und in einer weiten Linkskurve südlich am Flughafen vorbei nach Osten geführt werden. Dabei überfliegen sie sehr dicht besiedelte Gebiete wie etwa das Limmattal, Teile der Stadt Zürich und das Glattal.

Nur noch marginal wirkte sich das Bevölkerungswachstum in der Flughafenregion auf den ZFI aus, obwohl dieses immer noch über dem kantonalen Durchschnitt liegt.

Leisere Flugzeuge und Schallschutz

Handlungsbedarf zur Senkung des ZFI-Monitoringwerts sei nach wie vor gegeben, sagte Volkswirtschaftsdirektor Stocker weiter. Er sei überzeugt, dass die eingeleiteten Massnahmen greifen würden, aber erst mittel- bis langfristig. Für nächstes Jahr erhofft sich Stocker «allenfalls eine Stabilisierung».

Auf Antrag des Kantons Zürich soll im SIL-Objektblatt die FL-80-Regel gelockert werden. Zur Staffelung von kreuzenden Flugzeugen soll die Flughöhe auf 5000 Fuss gesenkt werden. Bis diese Änderung in Kraft tritt, wird es aber je nach Rechtsmittel mindestens noch fünf Jahre dauern.

Wichtigste Massnahme zur Senkung des ZFI ist gemäss Kanton Zürich die Erneuerung der Kurzstreckenflotte der Fluggesellschaft Swiss. Ab 2015 ersetzt die Swiss die Jumbolinos mit den leiseren Maschinen der «CSeries» von Bombardier. Ab 2016 wird dann auch ein Teil der Langstreckenflugzeuge ersetzt.

Eine weitere wichtige Massnahme ist das kantonale Förderprogramm «Wohnqualität Flughafenregion», das im März 2012 startete. Das Programm unterstützt lärmgeplagte Hauseigentümer mit Beiträgen an Schallschutz und Beratungsdienstleistungen.

Die Zürcher Stimmberechtigten hatten dem ZFI im November 2007 zugestimmt. Ermittelt wird der ZFI mittels einer mathematischen Formel. Dabei werden die Bevölkerungszahl, die Zahl der Flugbewegungen, der Flottenmix, die Dauer der Nachtsperre sowie die An- und Abflugrouten berücksichtigt.

Der Regierungsrat legte den Richtwert bei maximal 47'000 fluglärmgeplagten Personen fest. Dieser Richtwert wurde bisher nur 2009 eingehalten.