Der Gemeinderat sagte mit 69 zu 51 Stimmen Nein zur Initiative, die im November 2014 von einem überparteilichen Komitee eingereicht worden war. Gegen die Initiative, die vom Stadtrat zur Ablehnung empfohlen wurde, sprachen sich die FDP und SVP sowie die Mehrheit der SP-Mitglieder aus. Die SP-Fraktion hatte im Vorfeld Stimmfreigabe beschlossen.

Momentan kann eine Partei oder Gruppierung nur dann in den Gemeinderat einziehen, wenn sie wenigstens in einem Wahlkreis 5 Prozent aller Stimmen bekommt. So sieht es die Gemeindeordnung der Stadt Zürich vor. Die Initianten wollen dieses Quorum ersatzlos aufheben.

Die Gegner der Initiative befürchteten eine Zersplitterung des Parlaments, wenn kleinere Parteien oder Einzelpersonen in den Rat Einzug halten. Die Arbeit mit grösseren Fraktionen sei effizienter. Zudem hätten Kleinstparteien oder Einzelpersonen einen überproportionalen Einfluss auf die Entscheide und die Politik der Stadt.

Die Befürworter sprachen davon, dass jede Stimme zählen soll. Mit der Hürde werde der Wählerwille nicht genau abgebildet, zu viele Stimmen würden nicht berücksichtigt. Gewisse Stimmen seien offenbar nichts wert. Die Zersplitterung des Parlaments fürchteten die Befürworter nicht, denn die sogenannt "Kleinen" könnten sich zu Fraktionen zusammen- oder sich anderen anschliessen.

Die Grüne-Fraktion schlug ausserdem in einem Gegenvorschlag eine Wahlkreisreform vor: Anstelle von neun soll es nur noch drei Wahlkreise geben. Der Änderungsantrag hatte mit 20 Ja- zu 100 Nein-Stimmen jedoch keinen Erfolg.

Quorumsänderung scheiterte bereits an Urne

Die Initiative wurde von EVP, BDP, SD, EDU und der Piratenpartei als Reaktion auf das schlechte Abschneiden bei der Gemeinderatswahl im Frühjahr 2014 lanciert. Damals hätten diese Parteien ohne die Wahlhürde zusammen 7 Sitze erringen können.

Das Quorum wird in der Stadt Zürich bei den Gemeinderatswahlen seit 2006 angewendet. Ausserdem hat sich bei der Wahl des Kantonsrats seit 2007 ein vergleichbares Wahlverfahren etabliert.

Das Stadtzürcher Stimmvolk konnte bereits im Jahr 2011 über eine Korrektur des Verfahrens befinden. Damals lehnte es eine Einzelinitiative, welche die Herabsetzung des Quorums von 5 auf 2 Prozent forderte, mit 64,9 Prozent Nein-Stimmen deutlich ab.