Zürich

41-jährige Frau aus Bangladesch wurde in ihrer Wohnung ermordet – war Rache das Mordmotiv?

Am kommenden Mittwoch muss sich der heute 62-jährige Koch, vor dem Bezirksgericht Zürich, für den Tod seiner Frau, im Oktober 2009, verantwortlich machen müssen. (Symbolbild)

Am kommenden Mittwoch muss sich der heute 62-jährige Koch, vor dem Bezirksgericht Zürich, für den Tod seiner Frau, im Oktober 2009, verantwortlich machen müssen. (Symbolbild)

Neun Jahre sind vergangen, seit eine Frau aus Bangladesch in Zürich Oerlikon auf offener Strasse mit drei Kopfschüssen quasi hingerichtet wurde. Nun steht ihr Ehemann wegen Mordes vor Gericht.

Vor knapp neun Jahren – am 19. Oktober 2009 – wurde eine 41-jährige Frau aus Bangladesch morgens um 5.30 Uhr in Zürich Oerlikon unweit ihrer Wohnung ermordet. Sie war unterwegs zur Arbeit im Navyboot-Geschäft im Zürcher Flughafen. Der Täter schoss der Frau aus nächster Nähe drei Mal in den Kopf, zudem in den Bauch und in den Oberschenkel. Bis heute ist niemand für die Tat verurteilt worden.

Am kommenden Mittwoch steht nun der Ehemann der Ermordeten, als Beschuldigter vor dem Zürcher Bezirksgericht. Der heute 62-jährige Koch stand von allem Anfang an unter Verdacht. Unmittelbar am Tag der Tat war er in Untersuchungshaft genommen worden.

Ehe war nicht glücklich

Da es an klaren Beweisen offenbar fehlte, wurde er gut sieben Monate später wieder freigelassen. Von September 2015 bis Ende April 2016 sass der Mann dann erneut in Untersuchungshaft. Der Beschuldigte hat den Mord stets bestritten. Nun scheint die Staatsanwaltschaft über genügend Indizien oder Beweise zu verfügen und es kommt zum Prozess.

Schon bald nach der Tat bekam das Bild vom glücklichen Ehepaar Risse. Die Ermordete und ihr Ehemann stammten beide aus Bangladesch. Die Ehe war arrangiert. Das Paar heiratete 1996 und hatte zwei gemeinsame Kinder. Diese waren zum Zeitpunkt der Tat sechseinhalb und zwölf Jahre alt.

Seit etwa Oktober 2006 unterhielt die Frau eine aussereheliche Beziehung. Laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft kam der Koch seiner Frau auf die Schliche. Er beschimpfte seinen Nebenbuhler am Telefon und suchte diesen auch an seinem Wohnort auf. Dort drohte er dem Geliebten seiner Frau und forderte diesen auf, die Beziehung abzubrechen. Ohne Erfolg.

Der Anklageschrift ist zu entnehmen, dass sich der gehörnte Ehemann in einer Bar im Zürcher Langstrassenquartier eine «nicht näher bekannte Schusswaffe samt Munition» besorgte. Es ist also nicht klar, ob diese Waffe mit der Tatwaffe, einer Browning des Fabrikats Geco, Kaliber 7,65 Millimeter, identisch ist.

Besonders skrupellos

Die Staatsanwaltschaft ist sich sicher: Der Ehemann ist des Mordes an seiner Frau schuldig. Voraussetzung dafür ist, dass der Täter besonders skrupellos handelt. Dies habe der Beschuldigte getan, weil er seine Frau aus Rache umbrachte. Laut Staatsanwaltschaft plante er die Tötung, weil seine Frau auf der ausserehelichen Beziehung beharrte und sich von ihm trennen wollte.

Völlig gewissenlos und aus blankem Egoismus habe er die Mutter der beiden gemeinsamen Kinder getötet. Er habe seine Ehefrau unerbittlich auf perfide und hinterhältige Art und Weise auf offener Strasse brutal hingerichtet. Die Anträge zum Strafmass wird die Staatsanwältin direkt an der Verhandlung stellen. Der amtliche Verteidiger fordert einen Freispruch, wie er auf Anfrage sagte.

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