Zürich

33. Taktlos Festival in der Roten Fabrik fokussiert auf Wiener Szene

"wie immer waghalsige Musik zwischen den Genres und abseits des Mainstreams" gibt es am "taktlos-Festival" in der Roten Fabrik.

"wie immer waghalsige Musik zwischen den Genres und abseits des Mainstreams" gibt es am "taktlos-Festival" in der Roten Fabrik.

Das Zürcher Taktlos Festival blickt vom 19. bis 21. Mai nach Osteuropa. Einen Programmschwerpunkt bildet die junge Wiener Szene.

Jelena Poprzan singt in einer Fantasiesprache, um ihre vertrackte aktuelle Lebenssituation auszudrücken. Die junge Bratschistin und Sängerin aus Serbien lebt in Wien, wo musikalisch gesehen zwar eine würzig-lebendige Szene brodelt, Immigranten aber nicht allseits beliebt sind. Poprzan hat sich mit drei Kolleginnen aus Bosnien, Bulgarien und Wien zum Quartett Madame Baheux zusammengetan, um allen, die es hören wollen, den bunt-wienerischen Marsch zu geigen.

Aus Wien, wo der Nahe Osten Europas auf den etwas Ferneren zwischen Balkan, Karpaten und Schwarzmeerküste stösst, kommt derzeit viel aufmüpfige Musik, die bestens ans Taktlos Festival passt. Deren stilistische wie kulturelle Aufbrüche nämlich bringt Unerhörtes zum klingen, was auch das Trio Blueblut um die Thereminspielerin Pamela Kurstin Stickney oder das multiple Sextett der slowenischen Stimmperformerin Maja Osojnik beweist.

Protestsongs und stilistische Bogenschläge

Osojniks ausladende Komposition "All.The.Terms.We.Are" steht für einen weiteren Schwerpunkt des diesjährigen Taktlos Festivals: Politik und Protest. Wie Poprzan besingt Osojnik die schwierigen Sozialgefüge in Europas Osten, allerdings in klaren Worten. Bei den Working Class Heroes Bertolt Brecht, John Lennon und Tom Waits bedient sich das norwegische Quartett Poing mit ihrem Programm "Kapital & Moral".

Um reine Musik geht es den anderen drei Formationen aus den USA und der Schweiz. Holzbläser Ken Vandermark lotet im Duo mit Trompeter Nate Wooley Klangtraditionen zwischen Blues, Soul und Jazz aus, wobei der Bogenschlag ins quirlige Jetzt führt.

Zwischen Gestern, Heute und Morgen siedeln sich auch The Tiptons an. Das Frauen-Saxofon-Quartett aus Seattle wagt Grabensprünge in Europas Osten und tut sich hierfür mit dem Wiener Drummer Robert Kainar zusammen.

Piano mal drei

Als einer von drei sehr unterschiedlich agierenden Pianisten steht der Romand Colin Vallon (35) für die junge Musikergeneration, die den Jazzkanon genauso verarbeitet wie die Pop-Tradition. Vallon spielt mit seinem neuen, top-besetzten Quartett: Trompeter Matthieu Michel aus Fribourg, Gitarrist Flo Götte aus Zürich und Drummer Domi Chansorn aus Bern.

Auch Ephrem Lüchinger pendelt zwischen Pop und Jazz. Doch der 41-jährige Zürcher zieht sich oft auch zu Tüfteleien zurück. Für Taktlos spielt er sein Programm "Are You Prepared" allein auf zwei Pianos, von denen eines eben präpariert ist.

Matthew Shipp, der das Festival eröffnet, ist eine der wichtigen Stimmen der Black Music in den USA. Der 55-jährige Pianist zählt zur New Yorker Avantgarde, spielte aber auch mit Hip-Hop-Star DJ Spooky. In Zürich macht er sich solo auf Spurensuche zwischen Vergangenheit und aktueller Befindlichkeit.

Das Taktlos Festival fand 1984 erstmals statt als Forum für improvisierte Musik zwischen Jazz, Rock und Neuer Musik. Anfänglich fand es auch in Bern und Basel statt. Taktlos Bern verschrieb sich bald der elektronischen Musik und spaltete sich ab. Taktlos Basel fand 2004 letztmals statt.

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