Zürich

30. Mal Fespo: «Jeder soll die Wahl haben, wie er reisen will»

«Ohne intakte Natur leidet der Tourismus, das sehen wir etwa anhand der ­Waldbrände in Australien», sagt Stephan Amstad, der die Reisemesse Fespo leitet.

«Ohne intakte Natur leidet der Tourismus, das sehen wir etwa anhand der ­Waldbrände in Australien», sagt Stephan Amstad, der die Reisemesse Fespo leitet.

Die Ferienmesse Fespo öffnet am Donnerstag zum 30. Mal ihre Türen. Messeleiter Stephan Amstad sagt, wie die Reisebranche auf die Klimaproteste reagiert.

Die Fespo feiert dieses Jahr ihr 30. Jubiläum. Wie präsentiert sie sich im Zeitalter von Greta?

Stephan Amstad: Als Messe sind wir uns natürlich des Klimawandels bewusst. Wir nehmen das Thema auf und haben dies schon vor Greta getan. Wir thematisieren es auch auf der neuen Plattform travelbistro.ch und im gleichnamigen Bistro, das wir für die Besucher in der Messehalle einrichten werden. Dort geht es aber auch um andere aktuelle Themen wie Kulinarisches, Burn-out-Ferien, Langzeitferien und andere Trends. Wichtig ist für uns: Wir müssen als Messe die Experten vor Ort haben, die zu all diesen Themen Auskunft geben können.

Das Reisen muss oft als Klima­sündenbock hinhalten. Wie sehen Sie das?

Das Reisen ist bei weitem nicht der einzige Lebensbereich, der für den Klimawandel mitverantwortlich ist. Tourismus produziert zwar ebenfalls C02, bewirkt aber auch viel Positives in einer Ferienregion. Es werden etwa Kläranlagen gebaut oder Sensibilisierungskampagnen durchgeführt, zum Beispiel, damit sich Feriengäste respektvoll gegenüber der Natur verhalten. In Costa Rica ruft derzeit eine Kampagne dazu auf, keine Selfies mehr mit wilden Tieren zu machen, weil die Nähe zum Menschen für sie Stress bedeutet. Aber nicht nur die Feriendestinationen, auch die Reiseveranstalter machen viel.

Wie haben sie denn auf die Klimaproteste reagiert? Haben sich ihre Angebote verändert?

Es gibt zum Glück Reiseveranstalter, die in Bezug auf Klimafragen schon länger sehr innovativ sind und beispielsweise auf das Gütesiegel Tourcert setzen, das für Nachhaltigkeit steht – nicht nur in Klimafragen, sondern auch bei Themen wie Kinderarbeit und mehr. Ökologie ist für die Branche wichtig. Ohne intakte Natur leidet der Tourismus, das sehen wir etwa anhand der Waldbrände in Australien. Die Entwicklung des nachhaltigen Tourismus wird sich deshalb in den nächsten Jahren sicher noch verstärken.

Wie stark ist die Sorge wegen des Klimawandels bei Kunden und Reisenden spürbar?

Ein Trend ist klar spürbar: Die Leute hinterfragen zunehmend und machen sich mehr Gedanken. Sie sind besser informiert als früher. Es muss sich aber jeder einzelne Mensch selber Gedanken machen, ob und wie er einen Beitrag leisten will. Wir dürfen niemandem Flugscham oder eine Kompensationspflicht für Flüge vorschreiben. Jeder soll die Wahl haben, wie er reisen will. An der Messe sind zum Beispiel Anbieter präsent, die auf Bahnreisen spezialisiert sind als Alternative zum Flugzeug. Sie stossen auf grosses Interesse. Dasselbe gilt für Veranstalter, die Reisen in die Natur anbieten. Die ­Leute suchen solche Angebote. Gleich­zeitig gibt es Menschen, die lieber ihre zehnte Kreuzfahrt machen wollen – auch das möchten wir ihnen er­möglichen.

Gerade Kreuzfahrten sind bei Klimaaktivisten stark in Verruf geraten. Wie gross ist die Nach­- frage danach?

Kreuzfahrten boomen nach wie vor. Sie sind aber umweltbewusster geworden. Die Schiffe verwenden mittlerweile ökologischere Treibstoffe und die Anreise zum Hafen erfolgt nun oft per Bus statt mit dem Flugzeug.

Welche Bereiche boomen sonst noch?

Nebst Kreuzfahrten und Flussfahrten werden Wander- und Trekkingreisen stark nachgefragt, gerade in abgelegene Gebiete wie Georgien oder Armenien. Und unser diesjähriges Gastland ist Ras Al Khaimah, das nördlichste der sieben Vereinigten Arabischen Emirate. Erstmals bei uns sind zudem Destinationen wie Slowenien und Japan.

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