Täterbetreuung

29000 Franken pro Monat für 17-jährigen Kriminellen

Der 17-jährige Carlos beim Thai-Boxen: «Nein, schaffen kann ich nicht, sonst kann ich nicht mehr trainieren.»

Der 17-jährige Carlos beim Thai-Boxen: «Nein, schaffen kann ich nicht, sonst kann ich nicht mehr trainieren.»

Ein 17-jähriger Krimineller erhält in Zürich Thaibox-Stunden, eine 4,5-Zimmerwohung und eine Privatbetreuerin. Das Ganze kostet pro Monat 29000 Franken. Der Oberjugendanwalt rechtfertigt das Vorgehen. Es gäbe noch teurere Lösungen, sagt er.

Der 17-jährige Carlos hat eine «Bilderbuch-Karriere» als Krimineller hinter sich. Die erste Straftat begeht er mit 9 Jahren, es kamen weitere dazu. Mittlerweile füllen die Missetaten ganze Ordner.

Verurteilt wurde der Sohn eines Schweizers und einer Brasilianerin unter anderem wegen Raubs, Gewaltdelikten, Drohung, Waffenbesitzes und Drogenkonsums. Das schwerste Delikt war 2011 eine Messerattacke auf einen jungen Türken. Das Opfer überlebte nur mit Glück.

Die TV-Sendung «Reporter», die am Sonntag ein Porträt des Zürcher Jugendanwalts Hansueli Gürber zeigte, machte den Fall Carlos publik. Bekannt wurde auch, dass die Betreuung des jugendlichen Kriminellen pro Monat 22000 Franken kostet. Und dass es auch schon doppelt so viel war.  Die Aufregung über den Fall und die enormen Summen ist in Zürich seither gross.

«Neue Wege suchen»

Marcel Riesen-Kupper, Oberjugendanwalt, hat die Angelegenheit inzwischen zur Chefsache erklärt und rechtfertigt die Ausgaben.  «Bei diesem Jugendlichen wurden seit seinem 11. Altersjahr die verschiedensten Massnahmen angeordnet: Er wurde mehrmals über Monate in geschlossenen Institutionen, vom Jugendgefängnis bis zur geschlossenen psychiatrischen Klinik, untergebracht, ohne dass sich damit etwas gebessert hätte. Die Jugendanwaltschaft und die involvierten Stellen waren mit ihrem Latein am Ende, es herrschte eine gewisse Ohnmacht. In solchen Fällen ist es manchmal notwendig, nach neuen Wegen zu suchen», erklärt er gegenüber «20 Minuten online».

Noch ein zweiter Fall

Riesen-Kupper sagt auch, dass das Setting zur Zeit nicht 22000 Franken koste, sondern 29000 Franken. «Das ist tatsächlich viel Geld», so der Oberjugendanwalt. Er weist darauf hin, dass es auch teurere Lösungen gäbe, nämlich die Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Anstalt. Das würde pro Monat gar 40000 Franken kosten.

Der Oberjugendanwalt erklärt, dass ein solches «Sondersetting» einen Einzelfall darstelle. Ein Einzelfall, der in Zürich zur Zeit noch ein weiteren Fall zur Anwendung kommt, wie Riesen-Kupper ausführt. Pro Jahr werden in Zürich rund 3300 Jugendliche verurteilt.

Das Programm läuft seit einem Jahr und zeigt laut Riesen-Kupper Wirkung. Bis heute hat der Fall Carlos den Staat 960000 Franken gekostet. Eine Ende ist nicht absehbar.

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