Zürich
275'000 Europäer müssen zum Amt: neue Ausländerausweise

Das Migrationsamt des Kantons Zürich führt neue Ausländerausweise ein. Sie sollen praktischer und fälschungssicherer sein.

Matthias Scharrer
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Eine Mitarbeiterin am Schalter des Migrationsamts zeigt den neuen Ausländerausweis für Bürger von EU- und Efta-Staaten

Eine Mitarbeiterin am Schalter des Migrationsamts zeigt den neuen Ausländerausweis für Bürger von EU- und Efta-Staaten

Keystone

Die Zeit der papiernen Ausländerausweise ist bald vorbei. Seit Monatsbeginn stellt das Migrationsamt des Kantons Zürich Ausländern, die hier leben, nur noch Ausländerausweise im Kreditkartenformat aus. Neu betrifft dies auch Ausländerinnen und Ausländer aus EU- und Efta-Ländern – nebst den Bürgern der Europäischen Union also auch jene von Norwegen, Island und Liechtenstein.

Insgesamt leben im Kanton Zürich rund 275000 Menschen aus EU- und Efta-Ländern. Sie alle müssen zum Migrationsamt an der Berninastrasse 45 in Zürich-Oerlikon, um dort den neuen Ausweis zu beantragen und ihre Unterschrift zu leisten, wie Migrationsamtschef Urs Betschard gestern vor den Medien sagte. In Fotokabinen am Schalter werden auch gleich geeignete Fotos geknipst.

Die alten, papiernen Ausländerausweise bleiben allerdings noch bis zum Ablaufdatum in maximal fünf Jahren gültig. Dennoch erwartet Betschard einen Ansturm aufs Migrationsamt. Um diesen zu bewältigen, habe das Amt vorsorglich Aushilfspersonal angestellt. Gemäss Vorgaben des Bundes muss die Umstellung der Ausländerausweis-Produktion aufs Kreditkartenformat schweizweit bis Mitte 2021 erfolgen.

Daten werden während fünf Jahren gespeichert

In Pilotprojekten wurde der neue Ausländerausweis für Bürger von EU- und Efta-Staaten seit letztem November in den Kantonen Thurgau und Schwyz, teils auch in St. Gallen sowie in der Stadt Bern eingeführt.

Dabei zeigte sich laut Betschard, dass vor allem Deutsche viele Fragen wegen des Datenschutzes stellten. «Die Daten werden während fünf Jahren zentral in Bern gespeichert», so Betschard. Dabei handle es sich um die Unterschrift und das Foto. Die Wohnadresse ist auf den neuen Ausländerausweisen nicht mehr vermerkt.

Dreimal so viele Deutsche wie im Jahr 2000

Bevölkerung Gut 400000 Ausländerinnen und Ausländer wohnen im Kanton Zürich. Im Jahr 2000 waren es noch 260000. Am stärksten war in diesem Zeitraum die Zuwanderung aus Deutschland, dem nächsten Nachbarland: Die Zahl der Deutschen im Kanton Zürich wuchs von rund 30000 auf fast 90000, wie aus Daten des Statistischen Amts hervorgeht. Zu dieser Verdreifachung dürfte die 2002 eingeführte Personenfreizügigkeit zwischen der Schweiz und der Europäischen Union entscheidend beigetragen haben. Allerdings gibt es Unterschiede bei der Migrationsbilanz: So sank die Zahl der Italienerinnen und Italiener im Kanton Zürich von 58000 auf 56000. Rasant rückläufig war die Zahl der Spanierinnen und Spanier im Kanton: Sie schrumpfte von gut 40000 auf 15000. Stark gewachsen ist hingegen die portugiesische Zürcher Bevölkerung, nämlich von gut 12000 auf knapp 30000 Menschen. Unterschiedlich entwickelten sich auch die Zürcher Bevölkerungsanteile aus Ex-Jugoslawien: So sank Zahl der Serben von rund 16000 auf gut 12000, während jene der seit 2008 über eine eigene Staatsangehörigkeit verfügenden Kosovaren im letzten Jahrzehnt von 11000 auf 19000 stieg. (mts)

Bei Ausländern, die nicht aus Ländern der EU oder Efta stammen, kommen zusätzlich noch Fingerabdrücke hinzu. Für sie wurde der biometrische Pass im Kreditkartenformat bereits 2008 eingeführt. Bürger aus Brexit-Grossbritannien werden laut Betschard bis Ende Jahr noch als EU-Bürger behandelt.

Für den neuen Ausländerausweis ist eine Gebühr von 65 Franken zu bezahlen. Sie deckt die mit der Umstellung verbundenen Kosten, wie Sicherheitsdirektor Mario Fehr am Rande der Medienkonferenz sagte. Die Gebühr sei vom Bund festgelegt. Laut Betschard ist es eine Vorgabe der EU, dass der Ausländerausweis nicht teurer als eine Schweizer Identitätskarte sein darf. Mit Schweizer Identitätskarten mache der Kanton Zürich aufgrund der vom Bund festgelegten Gebühren hohe Gewinne, sagte Fehr. Der Grund dafür sei die Massenproduktion. Diese läuft nun auch für die neuen Kärtchen für Bürger aus EU- und Efta-Staaten an.

Fälschungen mit eingeklebten Fotos

Neben dem handlichen Format sei bei den neuen Ausweisen auch die Fälschungssicherheit ein Vorteil, betonte Migrationsamtschef Betschard. In den letzten Jahren seien Ausländerausweise oft gefälscht worden, zum Beispiel, indem ein anderes Foto eingeklebt wurde.

Genaue Angaben, wie oft Fälschungen vorkamen, konnte das Migrationsamt gestern auf Anfrage nicht machen. Eine Mitarbeiterin des Amts sprach von 25 Fälschungen, die im letzten Jahr am Schalter an der Berninastrasse aufflogen.