Bezirksgericht Zürich
23-jähriger Schweizer: Tagsüber Maler – nachtsüber Sprayer

Die Serie des heute 23-jährigen Limmattalers ist eindrücklich. So hatte er laut Anklage zwischen Dezember 2009 und Januar 2011 rund ein Dutzend Mal als Sprayer zugeschlagen.

Attila Szenogrady
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Graffiti (Symbolbild)

Graffiti (Symbolbild)

Erstmals schlug der Sprayer in einem Zug zwischen Schlieren und Altstetten, wobei er auf der Toilette mit einem schwarzen Marker die Innenwand und das Fenster verunstaltete, zu. Erheblich grösseren Schaden richtete der Beschuldigte in Zürich an Gebäuden und Fassaden an. Er besprühte sie grossflächig mit seinen Spraydosen und brachte dabei seine persönlichen Schriftzeichen, die sogenannten «Tags» an.

Der Schweizer Staatsangehörige schlug jeweils in der Nacht oder in den frühen Morgenstunden zu. Die Ironie der Geschichte: Tagsüber arbeitet der Mann aus Schlieren als Berufsmaler, der Wände und Liegenschaften bepinselt.

17000 Franken Schaden

Der Angeschuldigte beschädigte auch Rollläden eines Kioskes und die Wand einer Unterführung. Der zuständige Staatsanwalt bezifferte den gesamten Schaden auf mindestens 17000 Franken. Der Angeschuldigte wurde bereits im August 2010 von der Polizei festgenommen und verbrachte mehrere Stunden in Haft. Die Fahnder stellten dabei diverse Spraydosen sicher. Trotzdem delinquierte der Mann nach seiner Haftentlassung weiter.

Zudem hatte er bereits zwei einschlägige Vorstrafen auf dem Kerbholz. So kassierte er in den Jahren 2008 und 2009 wegen Sachbeschädigung bedingte Geldstrafen von 90 Tagessätzen zu 60 Franken sowie 30 Tagessätzen zu 30 Franken.

Im letzten Herbst hätte sich der Beschuldigte vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten sollen. Obwohl der Staatsanwalt eine teilbedingte Freiheitsstrafe von zehn Monaten verlangte, sechs Monate davon unbedingt, ignorierte der Limmattaler beide angesetzten Strafprozesse. Nun hat der zuständige Einzelrichter aufgrund der Akten entschieden.

Fronarbeit statt Geldstrafe

Laut Urteil wurde der Schlieremer in unentschuldigter Abwesenheit wegen mehrfacher Sachbeschädigung zu 600 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Ohne Bewährungschance. Der Richter rechnete vor, dass der vorbelastete Beschuldigte eigentlich eine unbedingte Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu 80 Franken, also insgesamt 12000 Franken, kassiert hätte. Da seine Zahlungsmoral bisher zu wünschen übrig liess, stufte das Gericht tätigen Dienst an der Gesellschaft als wesentlich angebrachter ein.

Mangels Beweisen oder fehlenden Strafanträgen wurde der Angeklagte teilweise freigesprochen. Trotzdem wird es für ihn teuer. So soll er für einen Teil der Schäden aufkommen. Darüber soll ein Zivilgericht entscheiden. Zu den Geschädigten zählen unter anderem die SBB, die ERZ (Entsorgung + Recycling Zürich) und das Reformierte Studentenhaus Zürich. Der Beschuldigte muss zudem die Gerichtskosten von rund 6500 Franken zahlen. Ob er die Fronarbeit als Maler verbüssen kann, geht aus dem Urteil nicht hervor.