Zürich

203-Millionen-Projekt für Trams und Menschen kommt vors Volk — AL und SVP sind dagegen

Unten Trams, oben Wohnungen: Über dieses Projekt entscheidet das Stimmvolk am 9. Februar.

Unten Trams, oben Wohnungen: Über dieses Projekt entscheidet das Stimmvolk am 9. Februar.

Einmal mehr wälzt die Stadt grosse Pläne fürs Tramdepot Hard, doch AL und SVP sind dagegen. Wird nun gebaut?

Ringsum im Boomquartier Zürich-West entstanden prestigeträchtige Hochhäuser und grosse Neubausiedlungen. Derweil bemühte sich die Stadt Zürich an bester Lage direkt an der Limmat jahrzehntelang um ein passendes Bauprojekt – bislang ohne Erfolg. Die Rede ist vom Tramdepot Hard beim Escher-Wyss-Platz.

Nun soll das baufällige Tramdepot erneuert und darüber Wohnraum für 550 Menschen gebaut werden. Kostenpunkt: 203 Millionen Franken. Der Grossteil der Wohnungen ist in zwei 68 und 65 Meter hohen Hochhäusern geplant; ein Teil auch im flacheren Sockelbau über dem Depot für 25 Trams. Am 9. Februar entscheidet das Stadtzürcher Stimmvolk über das Projekt.

AL kritisiert hohe Kosten, SVP vermisst Parkplätze

Bekämpft wird das Vorhaben von der AL und der SVP. Die AL stört sich an den vergleichsweise hohen Kosten für die Wohnungen: Die Mieten sind pro Monat um 300 bis 500 Franken teurer als sonst bei Wohnungen, die die Stadt vermietet. Eine 4,5-Zimmer-Wohnung kostet beispielsweise monatlich 2090 Franken, eine 1,5-Zimmer-Wohnung 1420 Franken.

Der Stadtrat begründet dies damit, dass das Bauen über einem Tramdepot teurer sei als andernorts. Gleichwohl biete sich die Chance, auf städtischem Land 193 Wohnungen zu bauen und zur Kostenmiete, also nicht gewinnorientiert anzubieten. So entstehe in Zürich-West, wo die Mieten in den letzten 20 Jahren rapide anstiegen, «dringend benötigter zahlbarer Wohnraum», hält der Stadtrat fest. Geplant sind zudem auch Ateliers und Gewerberäume.

Die SVP kritisiert die «extrem dichte Bauweise», zumal der Stadtrat im Architekturwettbewerb ursprünglich Hochhäuser ausgeschlossen habe. Ausserdem stört sie, dass für die Bewohner der Siedlung keine eigenen Auto-Parkplätze, dafür aber 670 Veloabstellplätze vorgesehen sind. Dies sei für Leute, die aufs Auto angewiesen sind, diskriminierend.

Ein FDP-Gemeinderat meinte dazu in der Parlamentsdebatte: «Parkplätze für oberhalb eines Tramdepots wohnende Mieterschaft zu fordern, ist beinahe amüsant.»

Das Projekt ist nicht nur durch seine Parkplatzarmut umweltfreundlich ausgerichtet: Eine Solaranlage auf dem Dach versorgt es mit hauseigenem Strom. Geheizt wird mit Fernwärme. Für Besucher und Behinderte sind einige wenige Parkplätze vorgesehen, ebenso für Mobility-Autos.

Die Kosten des Gesamtprojekts verteilen sich so: 73 Millionen Franken entfallen auf das Tramdepot, 127 Millionen auf die Wohnsiedlung. Zudem sind 3 Millionen für einen Rad- und Fussweg entlang der Limmat, die Solaranlage und Anpassungen der Verkehrssignale eingeplant. Die Siedlung umfasst auf dem Dach des Tramdepots einen begrünten Innenhof, ähnlich wie bei der 2014 bezogenen, inzwischen mehrfach preisgekrönten Genossenschaftssiedlung auf dem Tramdepot Kalkbreite. Letztere diente mit als Inspiration für das nun zur Abstimmung kommende Tramdepot- und Wohnprojekt.

97-Millionen-Projekt war dem Stadtrat einst zu teuer

Zuvor hatte der Zürcher Stadtrat 2009 ein Ende der 1980er-Jahre vom Architekten Theo Hotz fürs Tramdepot Hard ersonnenes Hochhausprojekt mit kleeblattförmigem Grundriss beerdigt. Es wäre zu teuer, lautete damals die Begründung – bei seinerzeit veranschlagten Kosten von 97 Millionen Franken für 148 Wohnungen im Kleeblatt-Hochhaus.

Danach erhielt der gemeinnützige Wohnungsbau allerdings Auftrieb durch eine Volksabstimmung im Jahr 2011: Damals legte das städtische Stimmvolk fest, dass der Anteil gemeinnütziger Wohnungen in Zürich bis 2050 auf von 26,3 auf 33 Prozent steigen müsse. Ein Ziel, dem die Stadt seither trotz einiger genossenschaftlicher und kommunaler Bauprojekte nur wenig näher kam; denn auch der gewinnorientierte Wohnungsbau boomt in der seit zwei Jahrzehnten stetig wachsenden Stadt.

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