Der Weg zur 2000-Watt-Gesellschaft stellt die Stadt Zürich vor grosse Herausforderungen: Bereits die Zwischenziele 2020 können nur teilweise erreicht werden, wie aktuelle Zahlen der Energiestatistik des Umwelt- und Gesundheitsschutzes Zürich zeigen.

Die Zwischenbilanz zeige ein «durchmischtes Bild», hält die Stadt Zürich in einer Mitteilung fest. Die 2000-Watt-Gesellschaft sei aber langfristig möglich, «wenn wir und andere unsere Anstrengungen intensivieren», wird Stadträtin Claudia Nielsen (SP) darin zitiert.
Im Bereich der Klimapolitik fällt die Bilanz negativ aus: «Die Erreichung des Zwischenziels 2020 von 4 Tonnen Treibhausgasemissionen pro Person und Jahr ist infrage gestellt», heisst es auf der aktualisierten städtischen Internetseite. Und auch das langfristige Ziel von 1 Tonne bis 2050 sei eine grosse Herausforderung.

Die Stadt Zürich spricht dennoch von «Teilerfolgen»: So hätten die Treibhausgasemissionen seit 1990 deutlich abgenommen. Im Mittel der letzten fünf Jahre setzte ein Stadtzürcher jährlich rund 4,7 Tonnen Treibhausgase frei – rund 1,5 Tonnen weniger als vor 25 Jahren.

Liberalisierung dämpft Erfolge

Beim Energieverbrauch sieht es gemäss den aktuellen Zahlen hingegen positiv aus: Der Masterplan Energie definiert als Zwischenziel für 2020 einen Energieverbrauch von 4000 Watt pro Person. Dieses Zwischenziel wurde bereits unterschritten und scheint – trotz ungewisser zukünftiger Entwicklungen – aktuell erreichbar: Im Mittel der letzten fünf Jahre beanspruchten die Zürcherinnen und Zürcher rund 3900 Watt pro Person. Das sind 1300 Watt weniger als Anfang der 1990er Jahre.

Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass das städtische Elektrizitätswerk EWZ seit 2015 alle Haushalte und privaten Kunden mit Strom aus 100 Prozent erneuerbaren Energien beliefert. Dadurch reduzierte sich gemäss Stadt der Primärenergieverbrauch beim Strom zwischen 2014 und 2016 um rund 320 Watt. «Der positive Effekt dieser Ökologisierung der Stromprodukte für Private wird jedoch durch die Strommarktliberalisierung gedämpft», heisst es auf der städtischen Internetseite. Denn seit einigen Jahren können Grosskunden frei entscheiden, bei welchem Anbieter sie Strom beziehen – und der durchschnittliche Strommix im europäischen Mark enthält einen erheblichen Anteil an fossil erzeugtem Strom aus Kohle- und Gaskraftwerken.

Potenzial bei Sanierungen

Die langfristigen Ziele – etwa das Etappenziel eines Energieverbrauchs von 2500 Watt pro Person im Jahr 2050 – bleiben eine Herausforderung. «Es braucht daher weitere Massnahmen in sämtlichen energierelevanten Sektoren.» Grosses Potenzial sieht die Stadt Zürich insbesondere bei der energetischen Sanierung von Gebäuden und beim Wechsel von fossilen auf erneuerbare Energiequellen. «Damit liessen sich in den kommenden Jahren kontinuierlich Energie und Treibhausgase einsparen». Seit Juli 2016 fördere die Stadt deshalb den Umstieg von Öl- und Gasheizungen auf klimafreundliche Energieverbunde mit finanziellen Beiträgen.

Im Jahr 2008 hatten die Stimmberechtigten der Stadt Zürich mit deutlichem Mehr dafür votiert, dass in der Gemeindeordnung als Ziel die 2000-Watt-Gesellschaft verankert wird.
Die Grünen der Stadt Zürich sprachen in einer Mitteilung von gestern von einer «mehr als nur durchmischten Bilanz». Sie kritisieren insbesondere, dass – «von der Öffentlichkeit völlig unbemerkt» – ein radikaler Wandel im Verkehrsbereich stattgefunden habe: Während die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt Zürich immer weniger Auto fahren, habe der Flugverkehr massiv zugenommen und weise in den letzten fünf Jahren einen Zuwachs an Flugkilometern von 71 Prozent aus. «Dies schlägt sich auch in den Treibstoffen nieder», schreiben die Grünen: «Pro Person verbrauchen wir schon mehr Kerosin als Benzin oder Diesel.»Auch die Bilanz bei den Emissionszielen sei «blamabel». (SDA/az)