Öffentlicher Verkehr
20 Prozent mehr Passagiere: In der S-Bahn wird es künftig noch enger

Der Zürcher Verkehrsverbund rechnet bis 2023 mit 20 Prozent mehr Nachfrage nach seinen Leistungen. In der S-Bahn ist Zusammenrücken angesagt. Denn: Einen grösseren Angebotsausbau wird es nicht geben.

Philipp Lenherr
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Pendler am Bahnhof Effretikon: Die Menschenmassen werden gemäss ZVV noch weiterwachsen.

Pendler am Bahnhof Effretikon: Die Menschenmassen werden gemäss ZVV noch weiterwachsen.

Keystone

Gemäss dem am Freitag veröffentlichten Strategiebericht des Zürcher Verkehrsverbundes (ZVV) ist in den kommenden Jahren mit einer steigenden Nachfrage zu rechnen. Für den Zeitraum bis 2023 sehen die Prognosen des ZVV einen Zuwachs von rund 20 Prozent vor. Auf der Angebotsseite hingegen wird vor allem im Bereich der S-Bahnen voraussichtlich nicht mehr so viel geschehen wie in den vergangenen Jahren. Mit der dritten und letzten Etappe der 4. Teilergänzungen der Zürcher S-Bahn im Jahr 2019 folgt voraussichtlich der letzte grosse Ausbauschritt für einige Zeit. Davon profitieren werden vor allem die Region Winterthur, das Limmattal und das Unterland. Ebenfalls im Jahr 2019 soll die erste Etappe der Limmattalbahn eröffnet werden.

Zwei Varianten für Zürich

«Im Moment gibt es für uns keine Gewissheit, ob und wann die nächsten wichtigen Ausbauschritte nach dem Abschluss der 4. Teilergänzungen der S-Bahn möglich sind», sagte Regierungsrätin Carmen Walker Späh (FDP) im Rahmen eines Mediengesprächs zum ZVV-Strategiebericht. Der Grund dafür: Die beiden für die Zürcher S-Bahn wichtigsten Ausbauprojekte Bahnhof Stadelhofen (viertes Gleis) und der Bau des Brüttener-Tunnels auf der Linie Zürich-Winterthur sind grundsätzlich Bestandteil des Bahnausbaus 2030-35, für den der Bund verantwortlich ist. Anfang Jahr präsentierte der Bundesrat zwei mögliche Varianten: eine kleinere mit einem Kredit von rund 7 Milliarden Franken, sowie eine grössere für rund 12 Milliarden Franken. In der kleineren Variante wäre lediglich der Brüttener-Tunnel enthalten. Und auch in der grösseren Variante wäre nicht sicher, dass der Bahnhof Stadelhofen dabei wäre. «Wir bedauern das natürlich, weil es zwischen den beiden Projekten Synergien gibt», sagte Walker Späh. Man setze alles daran, die Verwirklichung beider Projekte voranzutreiben. «Eine Realisierung bis etwa 2030 scheint nach wie vor realistisch – aber bis dahin ist es eine lange Zeit. Mit Blick auf die rasante Entwicklung der vergangenen Jahre wird mir schon etwas mulmig.»

Mit dem Ja zur Vorlage zu Finanzierung und Ausbau der Bahninfrastruktur (FABI) im Februar 2014 haben die Kantone in diesem Bereich Kompetenzen an den Bund abgetreten. Im Gegenzug werden sie bei Ausbauten der Bahninfrastruktur finanziell entlastet. Bis feststeht, was das für die beiden Zürcher Grossprojekte konkret bedeutet, wird es noch einige Zeit dauern: Ende 2018 will der Bundesrat die Vorlage zum Bahnausbau 2030-35 zuhanden des Parlaments verabschieden. Die Beratungen im Parlament sollen dann 2019 beginnen.

Keine Traiferhöhung

Wenn das S-Bahn-Angebot nach 2019 nicht mehr gross ausgebaut werden kann, dürften einzelne Kapazitätsengpässe nicht zu vermeiden sein. Die steigende Auslastung des ÖV-Angebots im Kanton Zürich hat aber auch eine positive Seite: Schon heute ist der Kostendeckungsdeckungsgrad mit rund 65 Prozent sehr hoch und soll weiter steigen. Das verbleibende Defizit von rund 340 Millionen Franken jährlich tragen der Kanton und die Gemeinden je zur Hälfte. Für die Jahre 2018/19 beantragt der Regierungsrat dem Kantonsrat dafür einen Rahmenkredit von 709,1 Millionen Franken. Das sind 2,5 Millionen oder 0,4 Prozent weniger als der Rahmenkredit 2016/17.

Für die ZVV-Kundinnen und Kunden wird es mit dem nächsten Fahrplanwechsel keine Tariferhöhung geben. Laut Walker Späh wolle man die Ticketpreise auch zukünftig «zurückhaltender» anpassen. In der Vergangenheit wurde die Tarife in der Regel alle zwei Jahre erhöht. Zukünftig sollen Tariferhöhungen mit einem Angebotsausbau einhergehen. Im Strategiebericht wird darauf hingewiesen, dass die Kundenzufriedenheit bezüglich Preis/Leistungsverhältnis gesunken ist. Grund dafür sei die klar über der Teuerung liegende Preisentwicklung. Gleichzeitig sind die Kosten fürs Autofahren infolge tieferer Benzinpreise und günstigerer Fahrzeuge durchschnittlich gesunken.