Urdorf
20 Jahre Street Parade – ein Blick ins Fotoalbum einer Tanzgruppe

Die Showgruppe «Suisse & Sexy Dancegroup» öffnet vor der Geburtstagsausgabe der Street Parade ihr Fotoalbum und gibt einen Einblick in die erotische Party-Mode der letzten Jahre.

Katja Landolt
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2005 «Ein freundliches, fröhliches Outfit, unser Motto war pink! Hier waren wir nicht an der Parade, sondern hatten einen Auftritt in einem Club . . . an diesem Abend hatten wir vier Outfitwechsel, dies ist eines davon.»
7 Bilder
2006 «Wie lustig, wenn ich dieses Bild sehe; es war sehr in, dass man solche Hosen anhatte, die ein wenig einer Schlaghose ähnlich sehen. Diese Kleidung haben wir gezeichnet und von einer Kollegin schneidern lassen. Dazu haben wir uns schwarz/rot geschminkt.»
2007 «Die Kleidung haben wir selber entworfen und extra machen lassen. Wor wollten mit 'weniger ist mehr' auffallen, nicht mit vielen Farben, sondern mit dem Schnitt der Kleidung und der Farbwahl. Die Kleider glänzten sehr stark»
2008 «Das Motto der Street Parade 2008 war 'Friedship'. Freundschaft steht für fröhlich...wir hatten uns sehr farbig geschminkt und in ein etwas verändertes Bikinioutfit geschmissen.»
2009 «Wir haben uns passend zum Motto ‹still have a dream› als erotische Engel kostümiert, weil das zum «Träumehaben» passt. Wir haben weisse Satinkleider getragen, die mit vielen Swarovski-Steinen bestickt waren.»
2010 «Letztes Jahr waren wir den ganzen Abend mit dem DJ Mr. Pink unterwegs»
Showgruppe Suisse & Sexy Dancegroup Fotoalbum

2005 «Ein freundliches, fröhliches Outfit, unser Motto war pink! Hier waren wir nicht an der Parade, sondern hatten einen Auftritt in einem Club . . . an diesem Abend hatten wir vier Outfitwechsel, dies ist eines davon.»

Limmattaler Zeitung

20 Jahre Street Parade, 20 Jahre schrille, sexy oder schräge Mode. Was gab es da nicht alles zu sehen: Nuggi, Sonnenblumen, Tierfelle, Teesieb-Brillen. Rückblickend sorgt so manches Outfit für Kopfschütteln. Auch bei Sarah-Selyna Heldner-Angelsberger, Gründerin der Showtanzgruppe Suisse & Sexy Dancers der Tanz-Fabrik Urdorf.

Mobile Reporter Schicken Sie uns ihre schönsten Fotos der Street Parade per Mail an redaktion@limmattalerzeitung.ch

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AZ

Schlaghosen im 2006

2005 trat die Gruppe erstmals in dieser Formation an der Street Parade auf. Zum Jubiläum der Parade hat Heldner das Fotoalbum geöffnet – und musste teilweise selber herzhaft lachen. So beispielsweise beim Anblick der Bilder aus dem Jahr 2006: «Damals fanden wir Schlaghosen super, heute sind sie eine absolute Todsünde.» Man müsse zwar seinen eigenen Stil entwickeln, aber auch mit der Zeit mitgehen.

«Augen zu und durch»

Am besten gefällt Heldner daher das Outfit aus dem letzten Jahr: «Es trifft am ehesten unseren Stil: erotisch-schlicht, ohne grossen Firlefanz.» Dazu gehören auch Schuhe, die bereits dem Betrachter Schmerzen bereiten. Heldner lacht. «Wer schön sein will, muss eben leiden.» In solchen Schuhen aufzutreten, sei zwar Gewöhnungssache, aber beim stundenlangen Tanzen der Street Parade gerate auch sie an ihre Schmerzgrenze. Da gelte nur eines: Blasenpflaster zur Vorbeugung – und «Augen zu und durch».

Für dieses Jahr sieht Heldner «Glitzer und Glamour» als grossen Trend: «Zum Jubiläum sollte man sich etwas festlich kleiden.» Doch just dieses Jahr setzt die «Suisse & Sexy Dancegroup» aus: «Wir werden das allererste Mal seit sechs Jahren keinen Auftritt haben, wir möchten die Street Parade für einmal ganz privat geniessen.» Ohne Stress, ohne vollen Terminkalender. Und das Outfit für den privaten Ausflug? Heldner lacht. «Jeanshose und T-Shirt.»

Die Street Parade im Zeitraffer

1992: Inspiriert von der Berliner Loveparade ruft Mathematik-Student Marek Krynski die Street Parade ins Leben. Sie führt noch durch die Bahnhofstrasse. Sieben Love Mobiles sind zur Beschallung dabei, nur eines funktioniert wirklich. Rund 1000 Teilnehmer tanzen auf der Strasse.

1993: Star-DJ Sven Väth und Dr. Motte, der Gründer der Loveparade, kommen nach Zürich. Die Street Parade lockt auf der neuen Route über 10000 Teilnehmer an. Erstmals findet anschliessend im Hallenstadion die «Energy»-Party statt.

1994: Polizeivorsteher Robert Neukomm (SP) will die Parade verbieten. Begründung: «Zu gross, zu laut, verschmutzt die Strassen.» Es hagelt Proteste, und der Stadtrat bewilligt die Street Parade doch noch.

1995: 120000 Besucher. Die Polizei spricht von der «grössten und friedlichsten Demonstration, die Zürich je gesehen hat.»

1999: Erstmals sendet Radio Street Parade, und zwar während der ganzen Woche vor und während der Street Parade. Eine halbe Million Menschen sind an der Parade rund ums Seebecken.

2000: Die Fernsehstationen SF1, 3SAT und Tele 24 übertragen die Street Parade in diesem Jahr zum ersten Mal live.

2001: Die zehnte Street Parade verzeichnet den noch heute gültigen Besucherrekord: Eine Million Menschen tanzen um 31 Love Mobile.

2002: Erstmals wird die Street Parade verregnet. 650000 Teilnehmer.

2003: Im Jahrhundertsommer kommen bei 37 Grad Celsius 900000 Menschen zur bis heute heissesten Street Parade.

2006: Die Hochkultur wendet sich der Street Parade zu: Heinz Spoerlis Zürcher Ballett verlässt für einmal das Opernhaus und tanzt auf einem Love Mobile.

2007: Bei einer Messerstecherei am Rande der Street Parade stirbt ein 18-Jähriger aus Baden. Er wollte seine Freundin beschützen, die «begrapscht» worden war. Der Täter, ein 16-jähriger Thailänder, wird innert Wochenfrist festgenommen.

2008: Der Zürcher Stadtrat, der die Street Parade dereinst verbieten wollte, spricht sich an einer Medienkonferenz für deren Fortbestand aus. Laut Polizeivorsteherin Esther Maurer handelt es sich um ein Kulturgut, das für Zürich ebenso wichtig ist wie der Dadaismus.

2010: Zum ersten Mal besuchen zwei Zürcher Stadträte die Street Parade: Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) und Polizeivorsteher Daniel Leupi (Grüne). Zum Gedenken an die Opfer der Duisburger Loveparade verstummt die Musik auf den Bühnen und den 30 Love Mobiles der Street Parade für eine Minute. (mts)