Kunsthaus Zürich
190 Werke der Bührle-Sammlung als Leihgabe ans Kunsthaus Zürich

Die rund 190 Gemälde und Skulpturen der Sammlung E.G.Bührle kommen als Dauerleihgabe ans Kunsthaus Zürich. Sie sollen ab 2017 im Kunsthaus-Erweiterungsbau präsentiert werden.

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Blick aufs Kunsthaus Zürich

Blick aufs Kunsthaus Zürich

Keystone

Es entstehe der bedeutendste Schwerpunkt von Malerei des französischen Impressionismus in Europa ausserhalb von Paris, heisst es in der Mitteilung des Kunsthauses vom Mittwoch. Ausgestellt würden auch die bei einem Kunstraub 2008 gestohlenen und mittlerweile wieder sichergestellten Werke wie «Der Knabe mit der roten Weste» von Paul Cézanne.

Die insgesamt 166 Gemälde und 25 Skulpturen haben einen Wert in Milliardenhöhe, wie Lukas Gloor, Direktor der Bührle-Sammlung, auf Anfrage sagte. Dies sei jedoch ein theoretischer Wert, da die Sammlung unverkäuflich sei.

Die Leihgabe war bereits 2006 in einer Grundsatzvereinbarung zwischen der Stiftung Sammlung E.G.Bührle und der Zürcher Kunstgesellschaft als Absicht festgehalten worden. Am Pfingstmontag sei nun die vertragliche Besiegelung erfolgt. Eine Kündigung des Vertrages sei nur mit langjährigen Vorlaufzeiten möglich, erstmals per Ende 2034.

Als Einheit dauerhaft ausstellen

Voraussetzung für die langfristige Leihgabe ans Kunsthaus ist die Zustimmung der Zürcherinnen und Zürcher bei der Volksabstimmung von Ende November zum Kunsthaus-Erweiterungsbau. Im von David Chipperfield konzipierten Gebäude werden die Werke auf rund 1000 Quadratmetern in einem auf sie zugeschnittenen Raumgefüge dauerhaft präsentiert, wie das Kunsthaus in seiner Mitteilung schreibt.

Das Kunsthaus habe sich verpflichtet, die Sammlung Bührle als Einheit permanent zu zeigen und für deren Sicherheit zu sorgen. Vorgesehen seien Oberlichtsäle im zweiten Stock mit besten Lichtverhältnissen, vor allem für die impressionistischen Meisterwerke.

Das künstlerische Konzept der Erweiterung sieht vor, die Gemälde der Sammlung Bührle an diejenigen der Klassischen Moderne des Kunsthauses anzugliedern und dem Publikum «ein Kontinuum der Epochen» anzubieten.

Heute ist die vom Industriellen Emil Georg Bührle (1890-1956) nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaute Sammlung in einer Villa am Stadtrand untergebracht. Diese Lage sei namentlich für durchreisende Touristen nicht ideal, heisst es in der Kunsthaus-Mitteilung. Das Privatmuseum sei derzeit auch nur eingeschränkt zugänglich.

Das im Zentrum der Stadt gelegene Kunsthaus empfange dagegen durchschnittlich 300'000 Besucherinnen und Besucher pro Jahr. Dank dem Erweiterungsbau wird es künftig 20 statt wie bisher 10 Prozent der eigenen Sammlung zeigen können. Vordringliches Ziel sei eine höhere Gewichtung der Kunst ab 1960 und regelmässig ändernde Präsentationen der Sammlung.

Im April vereinbarte die Kunstgesellschaft als Betreiberin des Kunsthauses auch eine langfristige Kooperation mit der Fondation Hubert Looser. Vorgesehen sei eine markante Stärkung des abstrakten Expressionismus, der Minmal Art und der Arte Povera im Dialog mit der Kunsthaus-Sammlung.

Sammlung entstand in den 1950er Jahren

Emil Bührle erwarb den grössten Teil seiner Bilder und Skulpturen zwischen 1951 und 1956. Die Familie des Sammlers brachte 1960 eine repräsentative Auswahl von Werken in eine Stiftung ein und machte sie öffentlich zugänglich.

Bührle engagierte sich auch für das Kunsthaus: Er finanzierte einen Ausstellungstrakt und schenkte dem Museum grossformatige Seerosenbilder von Claude Monet und das «Höllentor» von Auguste Rodin. Die Stifterfamilie leistet nun auch einen namhaften Beitrag an die Erstellungkosten des Erweiterungsbaus.