Zürich

1855 Franken für 5½ Zimmer – eine der begehrtesten Siedlungen der Stadt ist bezugsbereit

Ein Teil der Balkone hat Aussicht auf den See, dafür bezahlt man aber mit Strassenlärm.

Ein Teil der Balkone hat Aussicht auf den See, dafür bezahlt man aber mit Strassenlärm.

Ab heute vermietet die Stadt Zürich 105 Wohnungen an bester Lage im Seefeld-Quartier zu günstigen Mietpreisen.

Es gibt in der Stadt Zürich wohl kaum Orte, wo man beim Wäscheaufhängen eine schönere Aussicht hat. Im fünften und obersten Geschoss der neuen städtischen Wohnsiedlung Hornbach befinden sich Waschküchen und ein Aussenbereich zum Trocknen. Dabei blickt man über das Zürihorn und den See. Doch ebenfalls wahrzunehmen ist der Lärm. Vor allem auf den Balkonen des südlichen Blocks ist die viel befahrene ­Bellerivestrasse deutlich zu ­hören. Dagegen helfen ver­schiedene bauliche Elemente als Lärmschutz. Die Balkone sind etwa zur Hälfte verglast, was die dahinterliegenden ­Zimmer schützt.

Die Bereiche der Siedlung direkt an der Bellerivestrasse sind zu laut fürs Wohnen und werden vom Gewerbe genutzt. «Uns freut, dass auch Kleingewerbe aus dem Seefeld Platz gefunden hat wie etwa eine Polsterei», sagte Stadtrat Daniel Leupi (Grüne) am Dienstag vor den Medien. Andere Räume werden von einem Verein zur Integration beeinträchtigter Menschen oder von einer Kampfsportschule gemietet. Manche sind noch zu haben. Im nördlichen Teil der Siedlung, der ein U formt, werden eine Kindertagesstätte und ein Hort einziehen. Unter dem Innenhof liegen der Werkhof und die Tiefgarage. Hier ist der Lärm kein Problem, allerdings sieht man den See nicht mehr.

Clusterwohnung als Alters-WG

Die Vermietung von 105 der 125 Wohnungen startet heute Mittwoch. Die übrigen Wohnungen werden direkt vermietet, zwölf als Ersatzwohnungen für bisherige städtische Mieter, fünf gehen an Asylbewerberinnen und drei an Menschen mit Behinderungen. Zwei Clusterwohnungen – eine wird als Alters-WG genutzt – sind bereits ausgeschrieben. Es können sich nur Vereine bewerben. Laut Astrid Heymann, Direktorin der Liegenschaftenverwaltung, haben dies bereits 30 Bewerber getan.

Wer ab Februar in den südlichen Teil und ab April und Mai in den nördlichen Teil zieht, kann sich glücklich schätzen. Denn so günstig wohnt sonst kaum jemand in unmittelbarer Nähe des Zürichsees. Der Ansturm dürfte entsprechend gross sein. Seit der Abstimmung von 2015, an der der Kredit von 100 Millionen Franken bewilligt wurde, haben sich bereits 1500 Interessenten bei der Liegenschaftenverwaltung gemeldet.

Die Hornbach-Siedlung ist erst die zweite kommunale Siedlung im Seefeld, und die Mietkosten sind halb so hoch wie im Rest des Quartiers, wie Leupi sagte. Eine 1½-Zimmer-Wohnung wird für 860 Franken pro Monat vermietet, die grösste 5½-Zimmer-Wohnung für 1855 Franken. Ein Drittel der Wohnungen wird subventioniert und kostet noch weniger. Da der Fokus auf Familien liegt, sind über die Hälfte 4½-Zimmer-­Wohnungen. 180 Kinder und 230 Erwachsene werden ab dem nächsten Frühling das Seefeld beleben.

Kein Vortritt für Seefeld-Bewohner

«Uns ist die soziale Durchmischung des Seefelds besonders wichtig», sagte Leupi. Im Vor­feld waren Begehrlichkeiten des Quartiervereins Riesbach laut geworden. Die Seefeld-Bewohner hatten Vorrang bei der Wohnungsvergabe gefordert. Dies habe die Stadt aber nicht gewähren können, weil keine rechtliche Handhabe zur Verfügung stehe, sagte Leupi. Der Bezug zum Quartier werde bei der Auswahl aber berücksichtigt.

Schnickschnack gibt es in den Wohnungen keinen. Auch grosszügig sind sie nicht. Eine 4½-­Zimmer-Wohnung ist zwischen 95 und 107 Quadratmeter gross, womit der Wohnflächenverbrauch pro Kopf unter dem städtischen Durchschnitt liegt. Stadtrat André Odermatt (SP) sprach von einer massvollen und baulich hochwertigen Verdichtung. Deshalb sei die Siedlung sozial, ökologisch und wirtschaftlich nachhaltig. Dazu gehört etwa die Fotovoltaikanlage auf dem Dach des nördlichen Teils. Zudem wird die Siedlung in zwei Jahren energetisch an den Seewasserverbund Klausstrasse angebunden.

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