Stolz der Schweiz
15 Jahre danach: Das wurde aus den Akteuren des Swissair-Groundings

Auf das Grounding der stolzen Swissair folgte der grössten Wirtschaftsprozess der Schweizer Geschichte. Am 7. Juni 2007 sprach das Bezirksgericht Bülach alle 19 Angeklagten frei. Die Prominenten von damals sind heute von der Bildfläche verschwunden. Wir haben sie gesucht.

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Grounding der Swissair (2. Oktober 2001)
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Am 2. Oktober 2001 lagen die Hoffnungen des Schweizer Luftverkehrs buchstäblich am Boden. Das Grounding: Die stolze Swissair war pleite. Die expansive Hunterstrategie war zu riskant gewesen, die Anschläge vom 11. September hatten ihr den Rest gegeben.
Der damalige Bundespräsident Moritz Leuenberger versuchte mit einer Staatsintervention die Swissair zu retten. Es half nichts. Heute ist Leuenberger ein gefragter Redner.
Verwaltungsratpräsident und Zürcher Regierungsrat Eric Honegger war für viele einer der Sündenböcke. Führt heute ein Hotel in Österreich. Eric Honegger
Chef von 1997 bis zum Januar 2001 mitverantwortlich für die unglückliche Hunter-Strategie. Heutige Tätigkeit unbekannt.
Mario Corti war der letzte Chef der Swiss, musste als Feuerwehrmann von Bruggisser übernehmen. Das Ruder konnte er nicht mehr herumreissen. Er wohnt heute in den USA.
Beatrice Tschanz überzeugte stets als Swissairsprecherin. Vor allem beim Flugzeugabsturz von Halifax. Beim Grounding fehlte sie dem Unternehmen, sie hatte es zuvor verlassen.
Moritz Suter Crossair Verwaltungsratspraesident Moritz Suter beim Verlassen der Bernerhofes am Sonntag, 30. September 2001, in Bern nach der Krisensitzung des Bundesrates zur Zukunft der Swissair.
Sämtliche Swissair-Maschinen blieben am 2. Oktober 2001 am Boden. (Archiv)
Ein Flugzeug der Swissair. Die Fluggesellschaft muss ihre Maschinen am Boden halten.
 Die Swissair am Boden.
Ein niedergeschlagener Mitarbeiter der Swissair.
Piloten und andere Flughafenangestellte demonstrieren am 4. Oktober 2001 in Bern gegen die Schliessung von Swissair und die Reaktion der Schweizer Banken
Swissair-Maschinen müssen am Boden bleiben, während Crossair seine Flugzeuge weiter fliegen lassen darf
Swissair-Mitarbeiter blockieren am 12. November 2001 ein Crossair-Flugzeug.
Grounding in Zürich am 2. Oktober 2001

Grounding der Swissair (2. Oktober 2001)

Keystone

Im teuren Mammutprozess blieben viele Fragen offen. Das Verfahren ermöglichte aber der Öffentlichkeit, die Angelegenheit zu verdauen. Den Schwarzen Peter zog der letzte Verwaltungsratsdelegierte und Konzernchef, Mario Corti.

Der ehemalige Botschafter und Nestlé-Finanzchef betonte immer, die Swissair wäre zu retten gewesen, hätte man ihn nicht im Stich gelassen. Corti wanderte in die USA aus, wo er seit 2003 als Freischaffender tätig ist, wie die Nachrichtenagentur sda seinem Profil auf der Plattform Linkedin entnahm.

Philippe Bruggisser, als Chef von 1997 bis zum Januar 2001 mitverantwortlich für die unglückliche Hunter-Strategie, sass ebenfalls auf der Anklagebank. Auch er lebt in den USA, genauer in Florida. Er arbeitet als Berater für die Flugbranche.

Erich Honegger, der ehemalige Zürcher Regierungsrat und Swissair-Verwaltungsratspräsident, führt zusammen mit seiner Gattin ein exklusives Gästehaus in Österreich.

Unter den anderen prominenten Figuren der Swissair-Tragödie findet sich Moritz Suter, der Gründer der Crossair. Er sass nicht auf der Anklagebank. Er gründete 2004 die Fluggesellschaft Hello, die im Oktober 2012 Pleite ging. Kurzfristig war er Besitzer der "Basler Zeitung", gab seine Aktien später aber an Rahel Blocher, Tocher des früheren Bundesrats Christoph Blocher, weiter.

Sutters Ziehsohn André Dosé trat als erster Chef der Swiss 2004 zurück. Nach einer Zeit als Leiter der bahrainischen Fluggesellschaft Gulf Air liess er sich als Berater nieder. Er hat etliche Mandate. Unter anderem war er Präsident des Zürcher Fussballclubs Grasshopper. Seit 2010 ist er Verwaltungsratspräsident von Baselland Transport (BLT).