130 Schüsse hatte er Richtung Gleise abgegeben. Nicht gezielt, aber doch so, dass Menschen hätten zu Schaden kommen können. Die Nachbarschaft hat er am Vormittag des 6. August 2016 in Angst und Schrecken versetzt. Der 34-Jährige aus Feldmeilen hat psychische Probleme, er leidet an paranoider Schizophrenie. Der Schweizer mit chinesischen Wurzeln gilt als schuldunfähig und kann weder zu einer Freiheits- noch zu einer Geldstrafe verurteilt werden. Staatsanwaltschaft und Verteidiger waren sich einig, dass eine ambulante Massnahme angemessen ist. Für die Behandlung seiner Krankheit muss der Mann nicht in eine geschlossene Anstalt.

Dennoch dauerte es eine Weile, bis die Einzelrichterin über den Fall entschieden hat. Denn an der Verhandlung äusserte der Beschuldigte Zweifel daran, dass die Diagnose Schizophrenie stimmt. Er habe mit Wissen seines Psychiaters die antipsychotischen Medikamente abgesetzt. Die Richterin verschob den Urteilsspruch darum, um vom behandelnden Psychiater selbst zu erfahren, welche Medikamente sein Patient nimmt und wie er therapiert werden soll. Nun hat das Bezirksgericht Meilen das Urteil gefällt. Die Richterin kommt zum Schluss, dass die ambulante Massnahme genügt. Die Stellungnahme des Psychiaters, die dem Urteil nicht beiliegt, hat offenbar überzeugt.

Psychotischer Schub als Grund

Die Diagnose einer psychischen Störung würde nicht nur die wilde Schiessübung im Garten erklären, sondern auch das weitere Verhalten des 34-Jährigen. Der schüchterne Eigenbrötler zeigte sich in den Tagen vor der Tat plötzlich sehr offen und schenkte wildfremden Personen das Vertrauen.

Dabei kam es auch zu einer weiteren Übertretung. An der Langstrasse überliess er einer 17-Jährigen das Steuer seines Wagens, obwohl diese keinen Fahrausweis besass. Die junge Frau hatte er erst gerade kennen gelernt, verhielt sich ihr gegenüber aber, wie wenn sie eine gute Freundin wäre. Gemäss der Gutachterin ist das Verhalten auf einen psychotischen Schub zurückzuführen.

Nichts mit der Krankheit des Beschuldigten hat sein Interesse an Waffen zu tun. Vielmehr war er schon als kleiner Bub von Waffen fasziniert. Schuldig ist er auch wegen Vergehen und Übertretungen des Waffengesetzes. Während er die im Garten benutzte Waffe legal erworben hatte, verstossen mehrere Softairpistolen und ein im Auto mitgeführter Dolch gegen das Waffengesetz.

Die Kosten von über 38 000 Franken werden dem Beschuldigten auferlegt. Allerdings werden die rund 16 000 Franken für den amtlichen Verteidiger vorerst von der Gerichtskasse übernommen.