Firmenbestattungen sind für die Täter ein einträgliches Business. Volkswirtschaftlich gesehen, entstehen dadurch allein im Kanton Zürich jährlich Schäden in dreistelliger Millionenhöhe. National geht man von einer Milliarde aus.

Im Oktober steht nun ein 67-jähriger Treuhänder vor dem Zürcher Bezirksgericht, der sich mit dem System eine schöne Stange Geld verdient hat. Von spätestens Juni 2010 bis zu seiner Verhaftung Mitte Oktober 2015 hat er 126 Gesellschaften – 65 davon allein im Kanton Zürich – zu Misswirtschaft angestiftet. So heisst das auf Juristendeutsch. Vereinfacht gesagt, braucht es drei Akteure für eine Firmenbestattung.

Kleinunternehmer: Sie haben ihre AG oder GmbH – beispielsweise aus den Branchen Reinigung und Unterhalt, Gastronomie oder Bau – in eine finanzielle Krise geführt. Teils ist dies mit Vorsatz geschehen, teils ist es einfach schlecht gelaufen.

Die Unternehmer wollen nun möglichst verhindern, dass sie zivil- oder strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden. Wenn immer möglich soll auch ihre persönliche Kreditwürdigkeit keinen Schaden nehmen. Sie sind also bereit, Geld zu zahlen, wenn jemand ihre AG oder GmbH übernimmt und – im üblichsten Fall – in den Konkurs führt. Diese Rolle übernimmt der Firmenbestatter.

Firmenbestatter: Er übernimmt die überschuldete Gesellschaft, hat aber nicht die Absicht, die Firma zu sanieren. Vielmehr will er den Konkurs hinauszögern. Er missbraucht die konkursreife Gesellschaft für Bestellungsbetrüge. Er ordert etwa einen Firmenwagen, Handys, Elektronik und anderes mehr. Bezahlt wird selbstverständlich nicht.

Vermittler: Er bringt den Kleinunternehmer und den Firmenbestatter zusammen. Er erledigt diverse Formalitäten. Lässt zum Beispiel den neuen Firmenbesitzer eintragen und ändert teilweise Namen, Zweck und Sitz der Firma. Massnahmen, die dazu beitragen, dass der ursprüngliche Besitzer verschleiert wird und seine Kreditwürdigkeit bewahrt.

Im vorliegenden Prozess hat der Treuhänder die Rolle des Vermittlers inne. Von den 126 Kleinunternehmern hat der Beschuldigte laut Anklageschrift jeweils zwischen 3000 und 6000 Franken abkassiert. Zwischen 500 und 1500 Franken hat er dem Firmenbestatter weitergereicht.

Neun Monate Gefängnis

Über 65 der vermittelten Gesellschaften wurde der Konkurs eröffnet. In den meisten Fällen musste er eingestellt werden, weil keine Aktiven vorhanden waren. Geblieben sind Betreibungen in der Höhe von gut 10,5 Millionen Franken. Diese Forderungen waren grösstenteils unbestritten, wie es in der Anklageschrift heisst. Beim Beschuldigten wurden Hausdurchsuchungen durchgeführt und sein Telefon wurde über längere Zeit angezapft.

Es handelt sich um ein abgekürztes Verfahren. Das ist möglich, wenn verschiedene Voraussetzungen erfüllt sind. So muss die Freiheitsstrafe, welche die Staatsanwaltschaft fordert, unter fünf Jahren liegen. Die Staatsanwaltschaft und der Beschuldigte müssen sich über die Vorwürfe und das Strafmass einig werden. Und das Ergebnis muss vom zuständigen Gericht bestätigt werden.

Der Deal zwischen der Staatsanwaltschaft und dem Treuhänder sieht wie folgt aus: Der Beschuldigte wird zu einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten verurteilt, wobei er 9 Monate absitzen muss. Es wird ein Tätigkeitsverbot ausgesprochen. Konkret ist es dem Treuhänder während fünf Jahren untersagt, überschuldete oder sanierungsbedürftige Gesellschaften zu vermitteln, zu kaufen oder zu verkaufen. Er muss dem Staat 189'000 Franken bezahlen. Das entspricht dem mutmasslichen Betrag, den er für die Vermittlung der 126 Firmen für sich behalten hat. Ausserdem muss er Gerichtsgebühren in unbekannter Höhe und weitere 165'000 Franken für Vorverfahren, Telefonkontrolle und anderes mehr bezahlen.

Soweit der Vermittler. Aber auch die anderen Akteure kommen nicht ungeschoren davon. Gegen acht Firmenbestatter, die teilweise Dutzende der Firmen übernommen haben, laufen separate Verfahren. Und auch die ursprünglichen Besitzer der Gesellschaften werden unter die Lupe genommen und je nach Ergebnis belangt.