Zürich
125-Jahr-Jubiläum der Grossstadt Zürich: Eine Historie über die ersten Seilbahnen und Imbissstände

Als Zürich mit elf Nachbargemeinden fusionierte, bahnte sich etwas an.

Lina Giusto
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Die Polybahn ist erst als Holzgerüst erkennbar. (Baugeschichtliches Archiv Stadt Zürich)
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Nach der ersten Eingemeindung 1893 kamen die Seilbahnen
Im 101. Jahr nach Inbetriebnahme verzeichnete die Seilbahn jährlich zwei Millionen Passagiere. (Baugeschichtliches Archiv Stadt Zürich)
Sechs Jahre später folgte der Bau der Dolderbahn für den Hotel- und Restaurantbetrieb auf dem Adlisberg. (Baugeschichtliches Archiv Stadt Zürich)
Mit der Bahn wollte man auch den Zugang zum Naherholungsgebiet fördern. So schreiben die VBZ in der Chronik: «Die Dolderbahn soll der Zürcher Bevölkerung ein Erholungsgebiet fern der lebhaften Stadt erschliessen.» (Baugeschichtliches Archiv Stadt Zürich)
Ebenfalls zur Förderung des Naherholungsgebietes im Kreis 6 wurde die Seilbahn Rigiblick 1901 erbaut. (Baugeschichtliches Archiv Stadt Zürich)
Heute nutzen bis zu 600'000 Fahrgäste jährlich die Seilbahn. Zwei Drittel davon fahren aber lediglich bergaufwärts. (Baugeschichtliches Archiv Stadt Zürich)
Bereits 20 Jahre vor der ersten Eingemeindung im Jahr 1893 nahm die Üetlibergbahn ihren Betrieb auf. (Baugeschichtliches Archiv Stadt Zürich)

Die Polybahn ist erst als Holzgerüst erkennbar. (Baugeschichtliches Archiv Stadt Zürich)

Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich

Zürich ist die grösste Schweizer Ferien- und Geschäftsreisendestination. Im Jahr 2017 verbuchte die Stadt laut Statistik Stadt Zürich über drei Millionen Logiernächte in über 15 000 Gastbetten. Weil Touristen nicht nur in der Limmatstadt übernachten, sollen zum 125-Jahr-Jubiläum der Grossstadt Zürich die Anschlüsse an Naherholungsgebiete und die Geschichte der Gastronomie beleuchtet werden.

Eine Rundfahrt auf dem Zürichsee gehört für die meisten Besucher laut Bevölkerungsumfragen zum festen Bestandteil eines Aufenthaltes in Zürich. So auch ein Besuch auf dem Üetliberg. Die Bahn auf den Zürcher Hausberg nahm bereits 1875, also knapp 20 Jahre vor der ersten Eingemeindung von 1893, ihren Betrieb auf. Im Zeitraum, in dem Zürich mit elf Nachbargemeinden zur ersten Grossstadt der Schweiz heranwuchs, entstanden im Zentrum von Zürich die Polybahn (1889), gefolgt von der Dolderbahn (1895) und der Seilbahn Rigiblick (1901). Wie unterschiedliche Chroniken zeigen, weisen die Bahnen eine bewegte Geschichte auf.

Auf dem Weg zur Naherholung

Der Weg zur Polybahn kann wortwörtlich als hölzern bezeichnet werden. Tatsächlich wurde 1886 zuerst ein vollständiges 1:1-Modell der Bahn aus Holz errichtet, bevor der Stadtrat dem Bau des Viaduktes nahe des Centrals zustimmte. Eröffnet wurde die anfängliche Zürichbergbahn drei Jahre später. Wie der Chronik der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) zu entnehmen ist, reagierten Publikum und Presse euphorisch: «Die Bahn debütiert mit Glanz», werden die Reaktionen zusammengefasst. In den 1950er-Jahren rutschte die Bahn dann erstmals in die roten Zahlen, was die Zürichbergbahn-Gesellschaft zehn Jahre später beinahe die Konzessionsverlängerung kostete. 1976 rettete die heutige UBS die Polybahn in letzter Minute und sanierte die Anlage sowie beide Bahnwagen in rund zwölf Wochen. Die Verkehrsbetriebe Zürich übernahmen den Bahnbetrieb. Das kleinste Mitglied im Zürcher Verkehrsverbund, das für seinen sienaroten Anstrich bekannt ist, zählte 1998 schliesslich zwei Millionen Passagiere. Alle zweieinhalb Minuten kann die Bahn 50 Personen ins Hochschulgebiet transportieren.

1901: Das Restaurant Helvetia im Zürcher Kreis 4. (Baugeschichtliches Archiv Stadt Zürich)
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Das Restaurant Barfüsser im Jahr 1902. (Baugeschichtliches Archiv Stadt Zürich)
Der Blick in die Küche: 1922 im Restaurant Hubertus. (Baugeschichtliches Archiv Stadt Zürich)
Das Restaurant zum Kindli in der Zürcher Altstadt um 1930. (Baugeschichtliches Archiv Stadt Zürich)
Durch Zimmerpflanzen abgetrennte Nischen: Der Kaffeesaal des Metropols an der Fraumünsterstrasse in Zürich im Jahr 1937. (Baugeschichtliches Archiv Stadt Zürich)
1910 sah das Metropol an der Fraumünsterstrasse noch so aus. (Baugeschichtliches Archiv Stadt Zürich)
Das Restaurant Heimplatz ein Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. (Baugeschichtliches Archiv Stadt Zürich)
1953: Das Restaurant Bierfalken im Zürcher Niederdorf. (Baugeschichtliches Archiv Stadt Zürich)
1975: Das Restaurant Waldhaus Dolder. (Baugeschichtliches Archiv Stadt Zürich)
1990 an der Langstrasse im Gambrinus. (Baugeschichtliches Archiv Stadt Zürich)

1901: Das Restaurant Helvetia im Zürcher Kreis 4. (Baugeschichtliches Archiv Stadt Zürich)

Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich

Die Geschichte der Dolderbahn dagegen ist weitaus ruhiger als jene der Polybahn. Zwei Jahre nach der ersten Eingemeindung wurde die Bahn im Kreis 8 ins Leben gerufen. Gebaut wurde sie für den Hotel- und Restaurantbetrieb im Waldhaus Dolder auf dem Adlisberg. Die VBZ schreiben dazu in der Chronik: «Die Dolderbahn soll der Zürcher Bevölkerung ein Erholungsgebiet fern der lebhaften Stadt erschliessen.» In den 1970er-Jahren erfolgte der Umbau zur Zahnradbahn, die sich auch für den Ausbau zum automatischen Betrieb eignete. Bei der Fertigstellung 1973 wurde die Dolderbahn-Betriebs-AG gegründet, an der auch die Stadt Zürich zur Hälfte beteiligt ist.

Ebenfalls zur Förderung der Naherholung im Kreis 6 tauchten Ideen für den Bau einer Tramlinie auf. Diese soll von der Bergstation der Polybahn via Rigiplatz bis zum Germaniahügel führen. Stattdessen wird 1901 die Seilbahn Rigiviertel in Betrieb genommen. Die Bahn ist die steilste und nach 1919 auch die erste automatische Seilbahn auf Stadtzürcher Boden. Bereits im ersten Betriebsjahr fuhr sie über 18 000 Mal den Berg hoch und transportierte laut VBZ-Chronik dabei über 95 000 Gäste. Heute sollen es bis zu 600 000 Fahrgäste pro Jahr sein, wobei über zwei Drittel davon die Bahn bergaufwärts nutzen.

Einfach mal Pause machen

In der Nähe fast aller Bergstationen der Zürcher Bahnen befinden sich Restaurants. Einzige Ausnahme ist hier die Polybahn, die lediglich den Anschluss zum Hochschulgebiet in wenigen Minuten ermöglicht. Auf dem Üetliberg hielt die Gastronomie und Hotellerie bereits ab dem Jahr 1839 Einzug. Das «Waldhaus Dolder» nahm zwei Jahre nach der ersten Eingemeindung seinen Betrieb auf. Zwar existierte zu dieser Zeit bereits der Frauenverein für Mässigkeit und Volkswohl beim Rigiblick. Das heutige Hotel und Restaurant zusammen mit dem Theatersaal entstand jedoch erst 1901, also im gleichen Jahr, in dem auch die Seilbahn gebaut wurde.

Als Tea-Rooms Trend waren

Obschon es bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts Einkehr- und Verpflegungsmöglichkeiten gab, kam erst nach dem Zweiten Weltkrieg frischer Wind in die Zürcher Gastronomie, wie die Stadt in der Jubiläumsschrift schreibt. Nachdem 1948 im Claridenhof das erste Mövenpick-Restaurant seine Türen öffnete, folgte der erste Migros-Imbissstand am Limmatplatz. In den 1940er-Jahren florierten in Zürich die alkoholfreien Wirtschaften, sogenannte Tea-Rooms. Sie boten Frauen, die alleine in der Stadt unterwegs waren, eine ruhige Einkehrmöglichkeit. Charakteristisch für solche Tea-Rooms sind laut Bildquellen des Baugeschichtlichen Archives der Stadt Zürich an den Wänden entlanggezogene Polsterbänke aus dunkelrotem oder grünem Kunstleder mit Messingknöpfen oder Vierernischen, die mit Gittern oder Zimmerpflanzen die Nachbartische abschirmten.

Während in dieser Zeit Tea-Rooms als Trend-Lokale galten, wurde die Gastronomie in den 1950er-Jahren zunehmend exotischer. Mit dem Restaurant Napoli eröffnete 1955 die erste Pizzeria und 1958 folgte mit dem «Hongkong» das erste Chinarestaurant in Zürich. Knappe zehn Jahre später folgte das erste Pub, und 1973 zog der erste Kebab-Stand mit dem Namen «1001» in die Stadt. Es dauerte dann nochmals gut zehn Jahre, bis der Burger in Form einer McDonald’s-Filiale und einem «Burgerland» in Zürich Einzug hielt.

Die Zahl der Gastronomiebetriebe blieb bis in die 1990er-Jahre konstant. Mit der Liberalisierung des Gastgewerbegesetzes nahm die Zahl sogenannter Nachtcafés zu. Bis heute gibt es in Zürich mehr als 2000 Restaurants und über 600 Bars.