Der Countdown läuft: Nächsten Samstag findet in Zürich die 24. Street Parade statt. Hunderttausende Technofans werden wieder mit den 30 «Love Mobiles» genannten Disco-Sattelschleppern ums Seebecken ziehen, sich von stampfenden Rhythmen und sphärischen Klängen der DJs mehr oder weniger mitreissen lassen, Schaulustige anlocken, die auf zuckende Körper in mehr oder weniger originellen Hüllen aus sind. Jedes Jahr das Gleiche? Ja und nein. Dazu zwölf Fragen – und Antworten.

Street Parade 2015 - der offizielle Trailer

Street Parade 2015 - der offizielle Trailer

1. Was gibts Neues?

Der Musik-Mix ist immer wieder anders. Der Verein Street Parade hat den Anspruch, Trends der elektronischen Musik in ihrer ganzen Breite abzubilden. So sind mit Robin Schulz, Wankelmut, The Avener, Felix Kröcher und Alle Farben – um nur wenige Namen zu nennen – einige der bekanntesten DJs an den Mischpulten. Die DJs sind längst auch Hitparadenstürmer. In den Sozialen Netzwerken haben sie Heerscharen von Fans. Fedde Le Grand, der an der Parade ebenfalls auflegt, hat etwa 2,3 Millionen Facebook-Fans.

2. Was ist dieses Jahr speziell?

Die Bauarbeiten im Bereich Bellevue-Quaibrücke, dem Nadelöhr der Parade an der See-Limmat-Mündung, sind zwar weit vorangeschritten. Doch noch immer sind Baucontainer und Baustellenwände aufgestellt. So gibts diesmal von der Quaibrücke aus keine Seesicht. Die Veranstalter gehen davon aus, dass deshalb das Gedränge auf der Brücke weniger gross sein wird als sonst.

3. Ist die Sicherheit durch die Bauinstallationen beeinträchtigt?

Sicherheitshalber überwacht die Stadtpolizei Zürich die Quaibrücke mit Videokameras. Fluchtwege sind nach Angaben des Vereins Street Parade durch die Bauinstallationen aber nicht verstellt. Die Fussgänger-Passerellen, die für die Zeit der Bauarbeiten aufgebaut wurden, sind noch da, aber während der Parade abgesperrt. Sicherheitspersonal passt auf, dass niemand auf die Passerellen klettert.

4. Wie lautet das Motto der 24. Street Parade?

Magic Moments. Für Leute ohne Frühenglisch-Kenntnisse: Magische Momente. «Es sind diese unbeschreiblichen ‹Magic Moments›, die Hundertausenden als wundervolle Momente in Erinnerung bleiben und die wir immer wieder gemeinsam mit Euch erleben möchten», erklärt Street-Parade-Präsident Joel Meier. «Magic Moments» ist auch der Titel der diesjährigen offiziellen Street-Parade-Hymne von DJ Axel Price.

5. Wie lauteten nochmal die früheren Street-Parade-Mottos?

In den Anfangsjahren von 1992 bis 1997 gab es noch keine Street-Parade-Mottos. 1994 verbot die Stadt Zürich die Street Parade. Ab 1998 setzten die poetischen Höhenflüge ein: «It’s all in your hands» (1998); «More than words» (1999); «Believe in love» (2000); «Love, freedom, tolerance» (2001); «Peace» (2002); «Let the sun shine» (2003); «Elements of culture» (2004); «Today is tomorrow» (2005); «Move your mind» (2006); «Respect» (2007); «Friendship» (2008); «Still have a dream» (2009); «Celebrate the spirit of Street Parade» (2010); «20 Years of love, freedom, tolerance & respect» (2011); «Follow your heart» (2012); «Dance for freedom» (2013); «Enjoy the dancefloor – and save it!» (2014).

6. Was ist das übergeordnete Motto aller Street Parades?

Der Verein Street Parade definiert die Riesenparty seit der Anfangszeit als politische Demonstration für Liebe, Frieden, Freiheit und Toleranz. Anfangs steckten dahinter auch bewilligungstechnische Überlegungen.

7. Was kostet die Street Parade?

Das Budget beläuft sich nach Angaben des Vereins Street Parade auf 1,7 Millionen Franken. Ein Viertel davon geht für Information und Werbung drauf, drei Viertel für Sicherheit, Sanität, Organisation, Reinigung und Abgaben an die Stadt Zürich. Der Verein Street Parade arbeitet nicht gewinnorientiert. Einnahmequellen sind Sponsoren und die Verpflegungsstände. Die DJs treten an der Street Parade ohne Gage auf.

8. Wie kommen die DJs auf ihre Rechnung, wenn sie an der Street Parade ohne Gage auftreten?

Teilweise sind sie auf der Durchreise und haben nachts andernorts noch einen bezahlten Auftritt. Einige legen auch an einer der Afterpartys im Anschluss an die Street Parade in Zürich noch auf – dann aber für gutes Geld. Für wieder andere ist die Street Parade einfach gute Werbung und ein unterstützenswerter Anlass.

9. Wie viele Leute kommen an die Street Parade?

Die Veranstalter rechnen bei gutem Wetter mit 700 000 bis 950 000 Teilnehmern, verteilt über den ganzen Tag bis in die Nacht.

10. Von wo bis wo führt die Street Parade und wie lange dauert sie?

Die Parade der Love Mobiles startet am Samstag, 29. August, um 14 Uhr beim Utoquai im Zürcher Seefeld. Dann rollen die 30 Disco-Sattelschlepper im Schrittempo um das Zürcher Seebecken via Bellevue, Quaibrücke und Bürkliplatz zum Hafen Enge. Der Umzug endet um zirka 22 Uhr. Entlang der Route gibts zudem sechs Bühnen mit Musik bis 24 Uhr.

11. Was machen all die Leute, wenn die Street Parade vorbei ist?

Danach starten verteilt über die ganze Stadt Afterpartys. Legendär ist die «Lethargy» in der Roten Fabrik, die schon am Freitagabend beginnt, am Samstag ab 22 Uhr und am Sonntag ab 13 Uhr weitergeht. Die ebenfalls legendäre «Energy» im Hallenstadion fällt diesmal aus: Ihr Veranstalter Arnold Meyer fürchtete wegen des gleichzeitig in Rümlang stattfindenden Zürich Openairs Besucherschwund. Dort spielen am Samstag Stars der elektronischen Musik wie Paul Kalkbrenner, Skrillex, Tale of Us und Sascha Braemer.

12. Wie viel Abfall hinterlässt die Street Parade?

Letztes Jahr waren es 60 Tonnen. Die Kosten für die Entsorgung muss der Verein Street Parade selbst bezahlen – eine seit Jahren umstrittene Auflage der Stadt.