Abstimmen

10,5 Millionen fürs urbane Gärtnern im «Dunkelhölzli»

Auf dem Zürcher Dunkelhölzli-Gartenareal an der Grenze zu Schlieren sollen Gemeinschafts- und Familiengärten sowie ein Park entstehen. (Visualisierung)

Auf dem Zürcher Dunkelhölzli-Gartenareal an der Grenze zu Schlieren sollen Gemeinschafts- und Familiengärten sowie ein Park entstehen. (Visualisierung)

Mit dem Gartenareal «Dunkelhölzli» plant der Zürcher Stadtrat Ersatz für verdrängte Familiengärten

Das Damoklesschwert schwebte schon lange über den Familiengärten auf dem Vulkanareal in Zürich Altstetten. Anfang der Nullerjahre plante die Stadt hier noch neue Fussballplätze, liess das Vorhaben aber wieder fallen. Dann kamen die Eishockeyaner an die Reihe: Im Herbst 2016 stimmte das Stimmvolk dem Projekt eines Eisstadions für die ZSC Lions anstelle von 122 Familiengärten zu. 2022 soll es eröffnet werden. Die Stadt versprach den Gärtnern Ersatz auf dem Gartenareal Dunkelhölzli.

Nun kommt es in diesem Zusammenhang zu einer weiteren Abstimmung: Am 10. Juni entscheidet das Stadtzürcher Stimmvolk über den Bau des Gartenareals Dunkelhölzli. Es liegt genau an der Grenze zwischen Stadt und Land, genauer: zwischen Zürich Altstetten und Schlieren.

Und es soll alle Arten des heutigen urbanen Gärtnerns in sich vereinen: Zum einen sind auf einer Fläche von 3,8 Hektaren Familiengärten und Gemeinschaftsgärten geplant. Zum anderen soll ein 2,8 Hektaren grosser Park entstehen – und zudem das jetzt unterirdisch verlaufende Salzwegbächli freigelegt und zusammen mit dem Thalbächli renaturiert werden. Auch Hochwasserschutzmassnahmen sind eingeplant. Kostenpunkt für das Gesamtprojekt: 10,5 Millionen Franken.

Stadtrat wollte mehr

Der Gemeinderat hat das ursprünglich vom Stadtrat vorgelegte Projekt bereits um 2,3 Millionen abgespeckt. Der Stadtrat hatte noch einen zentralen Gemeinschaftsgebäude-Neubau vorgesehen. Jetzt soll stattdessen das bestehende Wirtschaftsgebäude von 1928 instand gesetzt werden.

Doch die nun vorgesehenen Kosten von 10,5 Millionen Franken sind der FDP und der SVP noch immer zu hoch. Sie ergriffen das Behördenreferendum, weshalb es nun zur Volksabstimmung kommt. «Neben zu hohen Kosten drohen mit dem vorliegenden Projekt Nutzungskonflikte, und es werden Optionen für eine bessere, breiter abgestützte Entwicklung des gesamten Gebietes verbaut», hält das Referendumskomitee fest.

Der «Tages-Anzeiger» witterte einen Konflikt zwischen Hippies und Bünzlis, zwischen Allmendgedanken und Privateigentum – und zitierte FDP-Gemeinderat und Hauseigentümerverbands-Chef Albert Leiser mit den Worten: «Wahre Heimat finden die Menschen auf einer eigenen Parzelle. Nur so kann Verbundenheit und Verantwortung entstehen.»

Tatsächlich unterscheidet sich das Gärtnern in Familiengärten mit Gartenhäuschen, Sitzplatz und Gartenzaun markant vom Gemeinschaftsgarten, in dem mehrere Pächter gemeinsam ein grösseres Stück Land bewirtschaften. Der Stadtrat führt ein durchaus bodenständiges Argument für die Gemeinschaftsgärten ins Feld: «Teile des Areals liegen auf vom Kanton Zürich festgelegten Fruchtfolgeflächen», hält er fest. Und weiter: «Fruchtfolgeflächen bedingen eine bodenschonende Bewirtschaftung mit nur wenig Infrastruktur und sind deshalb insbesondere für Gemeinschaftsgärten und Gemüsefelder geeignet.»

Adolf Gloor, Präsident des Familiengartenvereins Altstetten-Albisrieden, teilt diese Haltung. Ohnehin hält er wenig bis nichts vom vermeintlichen Gegensatz zwischen Gemeinschafts- und Familiengärten: «Unser Zielpublikum sind in beiden Fällen junge Leute, die gärtnern wollen.»

FDP und SVP wollen das Dunkelhölzli-Projekt verkleinern und auf Ersatz für die wegfallenden Familiengärten im Vulkanareal beschränken. Dafür ist gemäss Stadtrat allerdings ohnehin gesorgt. Gloor bestätigt, es sei geplant, dass unabhängig vom Abstimmungsausgang beim Dunkelhölzli-Areal auf 3000 Quadratmetern rund 20 neue Familiengärten entstehen.
Ein Stück weit geklärt ist inzwischen auch die unlängst aufgeworfene Frage, wer den Rückbau der Familiengärten auf dem Vulkanareal grossteils bezahlen wird: «Wir werden uns mit mindestens 250'000 Franken daran beteiligten», sagt Peter Zahner, CEO der ZSC-Lions auf Anfrage.

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