Energie

100 Millionen für «Coolcity» — Zürich will die Stadt mit Seewasser kühlen

Wegen der hohen Kosten wird eine Volksabstimmung nötig sein.

Wegen der hohen Kosten wird eine Volksabstimmung nötig sein.

Das Wasser im Zürichsee soll die Gebäude in der Innenstadt im Sommer kühlen und im Winter heizen. Zürich plant ein 100-Millionen-Projekt. Wegen der hohen Kosten wird eine Volksabstimmung nötig sein.

Täglich strömen tausende Menschen in das Areal zwischen Bahnhofstrasse und Schanzengraben. Ein Drittel der Zürcher Firmen mit über 500 Mitarbeitern hat hier ihren Sitz. Im Sommer staut sich die Hitze. Die Sonne wärmt die asphaltierten Strassen, der Verkehr stockt und die Klimaanlagen von Geschäften, Büros und Wohnungen blasen warme Abluft nach draussen. Mit der Klimaerwärmung wird die Hitze in der Stadt mehr und mehr zum Problem.

Zürichsee soll im Sommer kühlen und im Winter wärmen

Mit «Coolcity» — ein 100-Millionen-Franken-Projekt — plant die Stadt nun Abhilfe: Ein Team von Energiespezialisten untersucht seit rund 18 Monaten Büros des Departements der Industriellen Betriebe. Es überprüft, wie sich die Gebäude der Innenstadt mit Wasser aus den Tiefen des Zürichsees im Sommer kühlen und im Winter heizen liessen, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet.  Das Tiefenwasser im Zürcher See bleibt über das ganze Jahr konstant bei fünf Grad. Im Sommer ist das Wasser zum Kühlen geeignet und im Winter kann mit einem Wärmetauscher immer noch genug Wärme entzogen werden, um damit Gebäude zu heizen. Im März sollen die Resultate vorliegen.

80 Prozent der in Frage kommenden Eigentümer haben in einer Umfrage im Sommer 2018 Interesse gezeigt, sich dem Verbund anzuschliessen. Projektleiter Reto Burkhart vom EWZ konnte sich in den Gebäuden ein Bild von der Situation machen. Auf den Dächern türmen sich die Ventilatoren der Kühlaggregate und im Keller ist oft nicht genügend Platz für eine klimafreundliche Wärme- und Kälteschutzanlage.

Die vielen Klimaanlagen auf den Dächern und Fassaden seien nicht nur optisch, sondern auch energiepolitisch unschön.

Die vielen Klimaanlagen auf den Dächern und Fassaden seien nicht nur optisch, sondern auch energiepolitisch unschön.

Umstieg auf umweltfreundliche Energie

Ein Umstieg auf umweltfreundliche Energie aus dem Zürichsee sei für die meisten Eigentümer eine attraktive Option, wie der «Tages-Anzeiger» weiter schreibt. Für Michael Baumer (FDP), Vorsteher der Industriellen Betriebe, ist es ein wichtiger Schritt in der Transformation zu einer nachhaltigen Energieversorgung. Die vielen Klimaanlagen auf den Dächern und Fassaden seien nicht nur optisch, sondern auch energiepolitisch unschön.

Mit Seewasser ganze Quartiere kühlen und heizen, das machen schon andere Städte, etwa Baar. Auch der Dorfkern von Uetikon am See wird mit Wärme aus dem Zürichsee versorgt, geplant ist das auch in Thalwil. In der Zürcher Innenstadt werden bereits das Stadthaus und nahe Bürogebäude so beheizt und gekühlt, ebenso der ZKB-Hauptsitz.

Die Finanzierung von «Coolcity» gibt zu reden

Bei SP und Grünen hätte man den Seewasserverbund lieber heute schon als erst morgen. Der Fraktionspräsident der Grünen im Zürcher Gemeinderat, Markus Kunz, wünscht, dass die Stadt den Leitungsbau unbürokratisch vorfinanziert. Auch von der rechten Ratsseite gibt es Unterstützung. Albert Leiser (FDP) stellt aber in Frage, ob die Stadt den Wärme- und Kälte-Verbund selber betreiben soll. Zudem soll der Bau der Leitungen möglichst zusammen mit Belags- oder Leitungssanierungen stattfinden, um Verkehr und Anwohner nicht übermässig mit Bauarbeiten zu belasten. Projektleiter Burkhart rechnet deshalb erst ab 2030 mit der schrittweisen Inbetriebnahme des Verbunds.

Wegen der hohen Kosten wird eine Volksabstimmung nötig sein. Der Vorsteher der Industriellen Betriebe dürfte der Abstimmung aber entspannt entgegensehen. Die Zürcher schrecken von Investitionen in die Energieinfrastruktur erfahrungsgemäss nicht zurück, auch wenn diese hoch sind. Im Sommer zum Beispiel haben 88 Prozent der Abstimmenden die 129 Millionen für den Energieverbund Altstetten-Höngg genehmigt.

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Autor

Larissa Cathomen

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