Kronenwiese
10 von 99 Wohnungen sind für Asylsuchende reserviert

Die städtische Wohnsiedlung Kronenwiese in der Nähe des Zürcher Limmatplatzes ist bald bezugsbereit. Am 3., 4. und 8. Juni können Interessierte eine Musterwohnung besichtigen und sich bewerben. Die Liegenschaftenverwaltung rechnet mit einem Grossaufmarsch.

Katrin Oller
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Luftaufnahme der Kronenwiese-Überbauung
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Kronenwiese-Überbauung in Zürich

Luftaufnahme der Kronenwiese-Überbauung

Amsler Hallau

Am 9. Juni 2013 haben die Stadtzürcher dem Baukredit von 65 Millionen Franken für eine neue städtische Siedlung auf der Kronenwiese in Zürich-Unterstrass zugestimmt. Bereits am Tag danach sind erste Anfragen von willigen Mietern eingegangen. Bis heute haben sich 600 erkundigt. Ab dem kommenden Wochenende kann man sich nun für die 99 Wohnungen bewerben. Zehn davon stehen den Bewerbern jedoch nicht zur Verfügung. Diese überlässt die Stadt der Asylorganisation AOZ als Unterkunft für Flüchtlingsfamilien.

Auf der Kronenwiese oberhalb des Limmatplatzes sieht es zurzeit noch nicht danach aus, als könnte man bald einziehen. Die drei- bis fünfstöckigen Gebäude, die sich im Dreieck um einen Innenhof gruppieren, sind von Baugerüsten umhüllt, überall stehen Maschinen und Baumaterial. Im zukünftigen Doppelkindergarten wurden aber bereits Farbmuster auf den Sichtbeton gestrichen und im zweiten Obergeschoss eine 5,5-Zimmer-Musterwohnung eingerichtet. Der gipsbasierte Bodenbelag und die Sichtbeton-Decke lassen die Räume eher kalt wirken. Darin und in der Raumaufteilung mit offener Wohnküche spiegle sich die heutige Art zu Wohnen, sagte Architekt Armon Semadeni gestern bei einer Baustellenbesichtigung.

Attraktiv für Zürcher Mieter ist neben der zentralen Lage vor allem der Mietzins: Für eine 4,5-Zimmer-Wohnung bezahlt man zwischen 1640 und 1730 Franken (inklusive Nebenkosten) pro Monat. Ein Drittel der Wohnungen wird subventioniert, wodurch eine 4,5-Zimmer-Wohnung noch 1340 bis 1430 Franken kostet.

Blätter im Beton

Die Kronenwiese sei als erste einer langen Reihe Neubausiedlungen ein Symbol für den kommunalen Wohnungsbau, sagte Stadtrat André Odermatt (SP). Damit komme die Stadt der grossen Nachfrage nach Wohnraum sowie nach Grünraum nach. Die neuen Wohnungen liegen zwar mit Nord- und Kornhausstrasse an Verkehrsachsen, seien aber mit dem begrünten Innenhof und dem benachbarten Schindlergut von viel Grün umgeben.

Die Natur brachte auch der Sarner Künstler Christian Kathriner in die Siedlung: Er gestaltete 44 Wände in 9 Treppenhäusern mit Abdrücken von überdimensionalen Blättern im Beton.

Um den Grünraum hatten sich im Jahr 2008 die Grünen gesorgt, als sie versucht hatten, jeglichen Wohnungsbau auf der Baulandreserve zu verhindern. Sie scheiterten am Stimmvolk. Genauso wie fünf Jahre später die Bürgerlichen, die sich gegen den Baukredit aussprachen, weil im Gemeinderat eine Tiefgarage gestrichen worden war.

21 Erdsonden

Bezogen wird die Ökosiedlung Kronenwiese – nun mit Veloabstell- statt Parkplätzen – ab Dezember. Als schweizweit erste Wohnsiedlung mit Minergie-A-Eco-Standard betrage die Energiebilanz mindestens null, sagte Odermatt. Vielleicht produzieren die 21 Erdsonden und die Photovoltaikanlage sogar mehr Energie als verbraucht wird. Zudem wurden beim Bau keine Lösungsmittel verwendet.

Neben den Wohnungen, dem Kindergarten und einer Kindertagesstätte entstehen auch sechs Gewerberäume, von denen bereits fünf vermietet sind, etwa an ein Inneneinrichtungsgeschäft, einen Laden für Theaterschminke und die Geschäftsstelle von Pro Velo. Die Musterwohnung kann am 3., 4. und 8. Juni besichtigt werden. Die Stadt rechnet mit einem Grossandrang.