Das Sogar Theater in Zürich gibt dem im April 2014 verstorbenen Urs Widmer seine Stimme. An fünf Abenden ab dem 18. Januar liest Klaus Henner Russius die Poetikvorlesungen, die der Zürcher Schriftsteller im Winter 2007/2008 an der Frankfurter Goethe-Universität gehalten hat.

Die Vorlesungen wurden durchwegs von mehr als 1000 Hörerinnen und Hörern besucht. Kenntnisreich referierte Urs Widmer "die Schöpfungen anderer". Nicht weniger als 137 Autorinnen und Autoren finden sich im Autorenregister - von Herbert Achternbusch über Johann Wolfgang von Goethe, Elfriede Jelinek, Gottfried Keller, Sarah Kirsch und Thomas Mann bis Arthur Schnitzler und Gero von Wilpert.

Zum Magnet wurde Widmer aber auch wegen seines Humors und seiner selbstironischen Noten. So eröffnete er die erste Vorlesung mit dem Hinweis, dass er sich selber und sein Werk zwar wenn immer möglich draussen halte; er könne aber nicht umhin, zuerst seine enge Beziehung zu Frankfurt zu erläutern.

Das klang so: "Als ich, vor weit mehr als vierzig Jahren, zum ersten Mal nach Frankfurt kam, war ich nominell zwar volljährig und hatte sogar einen Führerschein, sah aber sonst eher wie ein etwas zu gross geratener Bub aus, den ein ungutes Schicksal gezwungen hatte, lange Hosen und einen Sakko zu tragen. (...) Als ich, nicht allzu viele Jahre später, hierher übersiedelte, war ich eine Spur erwachsener geworden. Ich fuhr nun einen R4, und ich hatte eine Frau."

Klaus Henner Russius liest die Vorlesungen eins zu eins. Er beginnt am 18. Januar mit dem ersten Teil "Vom Abweichen von der Norm", liest weiter am 20., 24., 25. des Monats und endet am 27. Januar mit dem Abschnitt "Von König Ödipus und Sophokles". Am 24. setzt Russius um 17 Uhr an, ansonsten um 20 Uhr 30.