Der Mann habe sich wiederholt geweigert, seinen Ausweis zu zeigen. "Er bezeichnete unsere Kontrolle als ungerechtfertigt und rassistisch", sagte einer der Polizisten vor Gericht. "Er sagte uns zwar, wir sollten ihn nicht anfassen. Von einem Herzproblem sagte er aber nichts." Dann sei es zu einem Gerangel gekommen.

Die Polizisten gaben zu, Pfefferspray, Schlagstock und "rohe Körperkraft" eingesetzt zu haben, um den Mann schliesslich verhaften zu können. Von einer "Gewaltorgie", wie der Anwalt des Klägers den Vorfall bezeichnet, wollen sie aber nichts wissen.

Sie hätten sich selber schützen müssen, da der Mann sehr aggressiv und ausfällig gewesen sei. "Er drückte mich an eine Wand", sagte einer der Polizisten. Es sei bedrohlich gewesen.

Prozess gegen Stadtpolizisten unterbrochen

Prozess gegen Stadtpolizisten unterbrochen

Den drei Polizisten wird vorgeworfen, einen dunkelhäutigen Mann verletzt zu haben. Der Anwalt des Opfers fordert eine härtere Anklage.

Anwalt will schärfere Anklage

Die Liste der Verletzungen, die der Dunkelhäutige bei der Kontrolle davontrug, ist lang: Der Mann erlitt unter anderem einen gebrochenen Lendenwirbel, Prellungen im Gesicht und am Hals, eine Zerrung am Oberschenkel und eine ernsthafte Knieverletzung, die er operieren lassen musste. Sein implantierter Defibrillator blieb unversehrt.

Die Staatsanwältin fordert für die drei Polizisten eine Verurteilung wegen Körperverletzung und Amtsmissbrauchs. Bestraft werden sollen sie mit bedingten Geldstrafen, bei einer Probezeit von zwei Jahren.

Körperverletzung wäre bereits verjährt

Für den Anwalt des kontrollierten Mannes sind diese Anträge ein Hohn. "Mein Mandant wurde bei diesem Übergriff beinahe umgebracht", sagte er. Er forderte deshalb eine Erweiterung der Anklage um "Gefährdung des Lebens".

Allerdings nicht nur wegen der Schwere der Verletzungen, sondern auch wegen der langen Dauer des gesamten Verfahrens: Der Vorwurf der Körperverletzung wäre nämlich bereits verjährt. Im Oktober, also erst vor kurzem, jährte sich der Vorfall zum siebten Mal.

Würde das Gericht über die vorliegende Anklage entscheiden, würde die Körperverletzung wegfallen und es bliebe nur Amtsmissbrauch. "Gefährdung des Lebens" hingegen könnte noch geahndet werden.

Für den Anwalt ist klar, dass die Zürcher Justiz den Fall absichtlich so lange verschleppt hat, um diese Verjährung zu erreichen. Der Anwalt bezeichnete das Vorgehen der Justiz als "totale Entrechtung der meist ausländischen Opfer von Polizeigewalt".

Bis vor Bundesgericht

Der Kläger kämpft seit 2009 darum, dass die drei Polizisten vor Gericht gestellt werden. Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren allerdings ein, worauf sein Anwalt mehrmals ans Ober- und auch ans Bundesgericht gelangte.

2014 mit Erfolg: Die Staatsanwältin, die das Verfahren nicht wollte, musste doch noch Anklage erheben. Der Prozess dürfte am Montagabend beendet sein. Das Urteil wird aber an einem späteren Tag eröffnet.