Gewalt

Bundesgericht muss sich mit «Kinderquäler von Wila» befassen

«Kinderquäler von Wila» (Symbolbild)

«Kinderquäler von Wila» (Symbolbild)

Das Bezirksgericht Pfäffikon muss vorerst den «Fall Wila» nicht neu beurteilen. Zunächst wird sich das Bundesgericht mit dem heute 46-jährigen Briten befassen, der seine beiden Töchter derart misshandelte, dass schliesslich eines der Kinder starb.

Er habe eine Strafrechtsbeschwerde gegen den Entscheid des Kassationsgerichts eingereicht, sagte der Leitende Staatsanwalt Ulrich Weder am Mittwoch auf Anfrage. Er betätigte damit eine Meldung des «Zürcher Oberländer».

Damit entscheidet das höchste Gericht, wie es weiter gehen soll. Wird die Beschwerde der Staatsanwaltschaft gutgeheissen, wird das Urteil des Geschworenengerichts rechtskräftig. Tritt das Bundesgericht auf die Strafrechtsbeschwerde nicht ein oder weist sie materiell ab, muss das Bezirksgericht Pfäffikon den «Fall Wila» neu beurteilen.

Verletzung des Anklageprinzips

Das Geschworenengericht hatte in einem seiner letzten grossen Prozesse im Dezember 2010 den Haupttäter, einen heute 46-jährigen Briten, wegen mehrfacher schwerer Körperverletzung zu neuneinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

Dieser legte jedoch wegen Verletzung des Anklageprinzips Nichtigkeitsbeschwerde ein. Das Kassationsgericht hiess im Mai dieses Jahres die Beschwerde gut und hob das Urteil der ersten Instanz auf. Weil das Geschworenengericht mittlerweile abgeschafft ist, hätte das Bezirksgericht Pfäffikon den Fall nochmals beurteilen müssen.

Das Kassationsgericht warf der Anklage konkret vor, sie habe in der Anklageschrift die «folterähnlichen Erziehungsmethoden» zu wenig detailliert aufgeführt. Für Weder ist diese Kritik «überspitzt und abwägig». Er hofft, dass das Bundesgericht allein schon aus «prozessökonomischen Gründen» seine Beschwerde gutheissen wird.

Jahrelange Quälereien

Der verurteilte Vater hatte seine beiden Töchter jahrelang mit brutalen Erziehungsmethoden misshandelt. Der Mann lebte zusammen mit seiner Lebenspartnerin und einer weiteren Frau in einer sektenähnlichen Wohngemeinschaft im Zürcher Oberland.

2006 starb das jüngere der beiden Kinder im Alter von knapp fünf Jahren an einem Schütteltrauma. Das Mädchen war völlig unterernährt und geschwächt.

Die Lebenspartnerin, die zur Tatzeit noch nicht 25 Jahre alt war, wurde im September 2011 der mehrfachen schweren Körperverletzung schuldig gesprochen und zu 10 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

Die WG-Bewohnerin und Helferin kassierte 7 Jahre Freiheitsstrafe. Beide Urteile sind in der Zwischenzeit rechtskräftig.

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