Das Zurich Film Festival kommt zurück ins Langstrassenquartier – zumindest teilweise. Nach dem das erste Filmfestival 2005 im Kino Plaza am Ende der Langstrasse durchgeführt wurde, werden in diesem Jahr wieder gewisse Filme des Festivals im Kino Riff Raff im Kreis 5 gezeigt. Die Gründe dafür sind unterschiedlich, wie Pressesprecher Beat Glur sagt: «Das Zurich Film Festival braucht mehr Leinwände. Mit dem Riff Raff ist ein neuer Partner zu uns gestossen, der gut zu uns passt. Zudem wollen wir mit dem Festival auch in anderen Stadtquartieren präsent sein.»

Dass sich die Festivalmacher neben diversen Arthouse-Kinos im Zürcher Niederdorf den trendigen Stadtkreis 5 ausgesucht haben, ist kein Zufall. Die Festivalmacher erhoffen sich laut Glur, auch eine neue Besuchergruppe am Festival begrüssen zu können: «Der Kreis 5 ist auch ein Wohngebiet. Kinobesucher wollen in der Regel keine langen Anfahrtswege auf sich nehmen.»

Frank Braun, Geschäftsführer des Kino Riff Raff, bestätigt, dass eine Partnerschaft mit dem Zurich Film Festival in einer Zeit, in der schweizweit die Zahl der Kinobesucher im vergangenen Jahr um sieben Prozent eingebrochen ist, gelegen kommt: «Das wir als Kino des Zurich Film Festival in einem anderen Zusammenhang wahrgenommen werden, ist uns willkommen. Aber dies ist für diese Partnerschaft nicht der ausschlaggebende Grund.» Die Kooperation reize, weil das Kino damit vom täglichen Angebot abweichen könne. «Wir präsentieren mit Vorliebe Filme, die herausfordern und überraschen. Viele davon werden im Rahmen des Filmfestivals erstmals gezeigt, sind aber für die kommende Saison schon bei uns gesetzt», so Braun weiter. Neben dem Independent-Film-Kino wurde auch das Anfang September eröffnete Kulturzentrum Kosmos als möglicher Austragungsort für das Filmfestival gehandelt. «Weil Kosmos aber erst diesen Monat eröffnet hat, haben wir entschieden, dieses Jahr nicht Austragungsort des Festivals zu sein», sagt Sarah Bleuler, Sprecherin von Kosmos.

Auch wenn der neue Austragungsort im Riff Raff auf eine Vergrösserung des Filmfestivals schliessen lässt, relativiert das Glur: «Wir zeigen insgesamt etwas weniger Filme als im vergangenen Jahr, rechnen aber mit leicht steigenden Besucherzahlen.» Stehen mehr Leinwände zur Verfügung, sei es einfacher das Festival zu organisieren. Dass der Kreis 5 mit der Kosmos-Eröffnung auf einen Schlag um sechs Kinosäle gewachsen ist, kommt den Festivalmachern entsprechend gelegen.

Kinos positionieren sich neu

In Zürich kommen auf 17 Kinos nun neu 70 Säle – so viele wie in keiner anderen Schweizer Stadt. Dies zeigen jährliche Erhebungen des Schweizerischen Verbandes für Kino und Filmverleih Procinema. Mehr noch wächst der Kinomarkt in der Schweiz in diesem Jahr um 30 Kinosäle. Eine Entwicklung, die angesichts schwindender Besucherzahlen überrascht. Riff Raff-Geschäftsführer Braun erklärt diesen Trend folgendermassen: «Der Kinomarkt ist nicht auf Expansionskurs. Der Bau neuer Kinosäle ist Ausdruck eines Strukturwandels. Traditionskinos mit Einzelsälen, die nicht früh genug umgebaut wurden, sind Auslaufmodelle.» Wer dem Kino eine Zukunft geben möchte, müsse flexibel sein: «Mehrere kleine Kinosäle erzielen eine bessere Auslastung als ein grosser Saal. Und mehrere Säle unter einem Dach konzentrieren das Angebot nicht nur; sie machen es auch vielfältiger. Davon fühlt sich wiederum ein breiteres Publikum angesprochen.»

Dies zeigt auch das Programm des Zurich Film Festival im Riff Raff. Neben geschlossenen Vorstellungen für Experten der Filmbranche sollen Streifen gezeigt werden, die das urbane, junge Publikum ansprechen.