Hundeausbildung

Zürcher Kantonsrat: Die Hundekurs-Pflicht soll fallen

Der Regierungsrat wollte die Hundekurs-Pflicht auf alle Hunderassen ausdehnen. Der Kantonsrat will sie nun ganz abschaffen. (Themenbild)

Der Regierungsrat wollte die Hundekurs-Pflicht auf alle Hunderassen ausdehnen. Der Kantonsrat will sie nun ganz abschaffen. (Themenbild)

Halter von grossen Hunden sollen künftig im Kanton Zürich mit ihren Vierbeinern keinen obligatorischen Kurs mehr absolvieren müssen. Eine knappe Mehrheit im Kantonsrat sprach sich am Montag für die Abschaffung dieser Pflicht aus. Es seien wegen der Kurse nicht weniger Leute gebissen worden, argumentierten CVP, FDP und SVP.

Hundehalter sollen künftig im Kanton Zürich nicht mehr verpflichtet sein, Kurse zu besuchen, um eine tiergerechte und sichere Hundehaltung zu erlernen. Der Kantonsrat hat gestern einer entsprechenden Gesetzesänderung mit 88:84 Stimmen knapp zugestimmt. Definitiv beschlossen ist die Abschaffung der Hundekurs-Pflicht allerdings noch nicht: Die Schlussabstimmung im Kantonsparlament findet in vier Wochen statt.

Zur knappen Mehrheit gegen die Kurspflicht kam es, da die CVP den entsprechenden Antrag der FDP und der SVP unterstützte. «Die FDP und die SVP nehmen die CVP an der Leine, tätscheln sie – und schon wedelt die CVP mit dem Schwanz», kommentierte Rico Brazerol (BDP, Horgen).

Umstritten war die Abschaffung der Kurspflicht vor allem aus zwei Gründen: Erstens, weil das Obligatorium erst 2010 eingeführt worden war. Zweitens, weil unklar ist, ob es die Zahl der Bissverletzungen beeinflusst.

Volkswille ignoriert

«Trotz des Obligatoriums gab es nicht weniger Beissunfälle», sagte Tumasch Mischol (SVP, Hombrechtikon). Ohnehin würden die Kurse gerade bei verantwortungslosen Hundehaltern nicht viel bringen: «Die Sürmel und Glünggi unter den Hundehaltern erledigen nur eine lästige Pflicht», so Mischol. Dafür verursache das Obligatorium unnötigen administrativen Aufwand. Daher sei es abzuschaffen. Zumal auch der Bund auf eine Motion des Zürcher FDP-Ständerats Ruedi Noser hin sich gegen ein Hundekurs-Obligatorium ausgesprochen hat, wie Martin Farner (FDP, Oberstammheim) anfügte.

Isabel Bartal (SP, Zürich) hielt dagegen: Sie erinnerte daran, dass sich 2008 in einer Volksabstimmung 80 Prozent des kantonalzürcher Stimmvolks für eine Verschärfung des Hundegesetzes aussprachen. Die SP-Kantonsrätin verwies auch auf eine Studie des kantonalen Veterinäramts, wonach 80 bis 90 Prozent der Kursbesucherinnen und -besucher die so erworbenen Kenntnisse für nützlich halten.

«Im Kanton Zürich gibt es rund 60'000 registrierte Hunde», so Bartal weiter. «Das sind zu viele, als dass sich der Staat aus der Verantwortung nehmen kann.» Ausserdem sei laut der Studie die Zahl der Bissverletzungen von 587 im Jahr 2007 auf 535 im Jahr 2014 gesunken – während gleichzeitig die Zahl der Hunde im Kanton Zürich um rund 2300 stieg. Die Abnahme der Bissverletzungen sei zwar statistisch nicht signifikant. Es lasse sich daraus aber nicht ableiten, dass die Kurse nichts bringen. Bartals Fazit: «Die FDP und die SVP ignorieren den Volkswillen. Und dürften Hunde abstimmen, würden sie sich sicher für eine artgerechte Haltung und Hundekurse aussprechen.»

Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger (FDP) warb vergeblich für den Gegenvorschlag, den der Regierungsrat als Antwort auf die Forderung nach einer Abschaffung der Hundekurs-Pflicht erarbeitet hatte. Die Regierung wollte den Umfang der Hundekurse verringern, dafür aber die heute nur für grosse, massige Hunde geltende Kurspflicht auf alle Hunde ausdehnen. Die Kurse sollten laut dem regierungsrätlichen Gegenvorschlag eine zweistündige Theorielektion und sechs Lektionen mit Hund umfassen. «Jeder Hund verdient es, dass sich der Hundehalter mit ihm auseinandersetzt», so Heiniger.

Sechsjähriger Bub zu Tode gebissen

Die Mehrheit sah es anders, wobei, wie erwähnt, die CVP den Ausschlag gab. Josef Widler (CVP, Zürich) begründete die Haltung seiner Partei damit, dass die Zahl der Hundebissverletzungen auch nach Einführung der Kurspflicht praktisch unvermindert blieb. Ausserdem sehe er als Hausarzt viel mehr gefährliche Katzen- als Hundebissverletzungen.

Er erinnerte an die Vorgeschichte des Kursobligatoriums: Drei Pitbulls hatten in Oberglatt 2005 einen sechsjährigen Buben zu Tode gebissen. Widlers Fazit: «Ein Kind wurde totgebissen, und man verfiel dem Irrglauben, mit Kursen Einhalt zu gebieten.» Bruno Amacker (SVP, Zürich) doppelte nach: «Gesetzgebung darf sich nicht an extremen Einzelfällen, sondern muss sich am Durchschnittsfall ausrichten.» Daniel Heierli (Grüne, Zürich) konterte: «Das Gesetz soll erreichen, dass der normale, durchschnittliche Hund gut erzogen ist.»

Welche Haltung sich durchsetzt, wird die Schlussabstimmung in vier Wochen zeigen.

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