Die Ämterverteilung im Zürcher Regierungsrat war mit Spannung erwartet worden: Würde das noch immer mehrheitlich bürgerliche Gremium dem neugewählten Grünen Martin Neukom dessen Wunschdepartement, die Baudirektion, überlassen? Nachdem die Grünen und die Grünliberalen die Wahlen am 24. März gewannen und die FDP einen Regierungsratssitz verlor, lag diese Lösung für viele zwar auf der Hand. Dennoch wurde gemunkelt, die bisherige Carmen Walker Späh (FDP) könnte das umweltpolitische Schlüsseldepartement übernehmen. Und Neukom müsste als Neugewählter und mit 32 Jahren derzeit jüngster Zürcher Regierungsrat nehmen, was übrig bliebe.

Doch es kam anders. Um 10.45 Uhr zog sich die Regierung gestern in ihr Sitzungszimmer im Zürcher Rathaus zurück. Nur zehn Minuten später war die konstituierende Sitzung des Regierungsrats schon vorbei. Resultat: Martin Neukom (Grüne) wird Baudirektor. Die ebenfalls neu gewählte Natalie Rickli (SVP) übernimmt die Gesundheitsdirektion. Alle Bisherigen behalten ihre Ämter: Die Direktion der Justiz und des Innern bleibt bei Jacqueline Fehr (SP), die Sicherheitsdirektion bei Mario Fehr (SP). Ernst Stocker (SVP) ist weiterhin Finanzdirektor, Carmen Walker Späh (FDP) bleibt Volkswirtschaftsdirektorin, Silvia Steiner (CVP) Bildungsdirektorin.

Neukom sieht Nachholbedarf

Neukom zeigte sich erfreut über die Ämterverteilung. «Meine erste Priorität sind nun Massnahmen im Bereich Klima- und Naturschutz», sagte der neue Baudirektor gegenüber den Medien im Rathaus-Foyer. «Die Baudirektion ist die Direktion, in der ich mich von meinem Hintergrund her am meisten einbringen kann.» Der 32-jährige ist Ingenieur mit Spezialgebiet Solartechnologie. Sein erklärtes Ziel ist es, primär durch Massnahmen an Gebäuden den Klimaschutz im Kanton voranzubringen. Darin liege auch wirtschaftliches Potenzial, betonte er. Der Kanton Zürich habe punkto Klimaschutz einiges aufzuholen. Um dereinst eine Pionierrolle zu übernehmen, brauche es wohl mehr als eine Legislatur. Auch beim Naturschutz bestehe Nachholbedarf.

Die neue SVP-Regierungsrätin Rickli (42) erklärte, sie sei glücklich mit der Gesundheitsdirektion. Sie habe diese selber wählen dürfen. Ihr Programm umriss sie wie folgt: «Den Kranken helfen, die Gesunden zur Eigenverantwortung anhalten und die Kosten im Griff haben.» Kurz nach der Bekanntgabe der Ämterverteilung verliessen die Regierungsmitglieder das Rathaus und gingen in ihre Direktionen.

Rickli tritt als Gesundheitsdirektorin die Nachfolge von Thomas Heiniger (FDP) an, Neukom als Baudirektor jene von Markus Kägi (SVP). Kägi und Heiniger gehörten dem Regierungsrat seit 2007 an, ohne je die Direktion zu wechseln. Beide traten bei den Wahlen im März nicht mehr an.

Neukom sagte, die Ämtervergabe sei schon vor dem gestrigen Tag der offiziellen Neukonstituierung des Regierungsrats geklärt worden. Auf das Klima in der neuen Zürcher Kantonsregierung angesprochen, meinte er: «Bis jetzt gibt es ein sehr gutes persönliches Einvernehmen.»

SVP droht mit Referenden

Der 32-jährige Winterthurer hatte bei den Wahlen am 24. März überraschend den FDP-Regierungsratskandidaten Thomas Vogel besiegt. Die neue FDP-Kantonsratsfraktionschefin Beatrix Frey zeigte sich von der Ämtervergabe im Regierungsrat nicht überrascht. «Ich kann Carmen Walker Spähs Entscheid, die Direktion nicht zu wechseln, nachvollziehen», sagte sie. Schliesslich sei Walker Späh erst seit vier Jahren Volkswirtschaftsdirektorin. «Jetzt ist die Regierung gefordert, dass sie den Neuen begleitend zur Seite steht», so Frey.

SVP-Fraktionschef Martin Hübscher sagte, es sei gut, wenn der Wahlsieger nun in die Verantwortung genommen werde. Sollte Neukom zusammen mit dem Kantonsrat, in dem die ökologischen Kräfte neu die Mehrheit haben, eine zu einseitige Politik betreiben, behalte sich die SVP vor, vermehrt das Referendum zu ergreifen.

FDP-Fraktionschefin Frey hingegen will mehr auf Kompromisse denn auf Referenden setzen, wie sie sagte.