Ein gesunder Baum sieht anders aus. Leicht versteckt hinter seinem prächtig grünen Nachbarn schaut die berühmte Schlieremer Buche von der ehemaligen Ringstrasse hervor. Blätter hat sie nur wenige und ihr Stamm ist weiss bemalt, um Sonnenbrand zu verhindern. Was schon viele Baumfreunde vermuteten, bestätigt sich am Donnerstagvormittag. Der Stadtrat veröffentlicht eine Medienmitteilung, wonach der wohl berühmteste Baum der Schweiz seinen Platz räumen wird. «Aus Sicherheitsgründen muss die Buche in den nächsten Wochen gefällt werden», heisst es. Und weiter: «Der Stadtrat bedauert den Verlust des Baumes sehr.»

Anhand von «visuellen Kontrollen» wurde der Baum gepflegt

Die Gründe für den desolaten Zustand des Baums sind vielfältig. «Er konnte am neuen Standort weniger Wasser aufnehmen als bisher, da der Wurzelballen für den Transport reduziert werden musste», scheibt der Stadtrat. Dem 70- bis 80-jährigen Baum habe aber auch der aussergewöhnlich lange, heisse und trockene Sommer zugesetzt.

Für die Pflege war die Stadt Schlieren verantwortlich. «Die Pflege und Wässerung des Baums fand auf Basis visueller Kontrollen statt. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass dies nicht genügte», heisst es weiter. Bereits im vergangenen Sommer habe man die Pflege des Baums mit der Konsultation von Experten intensiviert.

4600 Unterschriften für den Verbleib des Baums

Im Februar vergangenen Jahres wurde der Baum in einer spektakulären Aktion um rund 170 Meter versetzt. An seinem angestammten Platz konnte die Buche nicht bleiben, da sie dem neuen Stadtplatz und der Haltestelle der Limmattalbahn im Weg stand. Anfänglich waren die Verantwortlichen bestrebt, die Buche zu fällen. Aus der Bevölkerung kam jedoch ein Sturm der Entrüstung ob dieses Vorhabens. Weit über die Stadtgrenzen hinaus sorgte die Buche für Schlagzeilen.

Drohnenvideo Baumversetzung Rotbuche Schlieren

Unter grossem Interesse der Öffentlichkeit wurde der Baum im Februar 2018 versetzt.

Die Schwestern Susanne Porchet und Liliane Hagen sammelten gemeinsam mit zahlreichen Helfern rund 4600 Unterschriften. Mit diesen wollte man den Stadtrat dazu auffordern, den Baum stehenzulassen. Dank des Baumverpflanzungsspezialisten BMB Group kam die Verpflanzung trotzdem zustande.

Lilian Hagen und Susanne Porchet kämpften für die Buche in Schlieren

An den Kosten von geschätzten 160'000 Franken beteiligten sich die Stadt und die Limmattalbahn AG mit je 40'000 Franken. Den Rest teilten sich der Baumverpflanzer und namhafte Sponsoren wie etwa die Genossenschaft Migros Zürich auf.

Mögliche Verwendung des Holzes wird abgeklärt

Rund um die Schlieremer Buche entsteht in den kommenden Jahren eine Erweiterung des Stadtparks. Heute dominiert mit der stillgelegten Badener- und Ringstrasse der Beton. Was nun? Der Stadtrat wolle die Chance nutzen, beim neuen, vergrösserten Stadtpark für geeigneten Ersatz zu sorgen. «Wie das Holz der Buche verwendet werden soll, wird derzeit noch abgeklärt», heisst es zudem in der Mitteilung weiter.