Oberengstringen

Zu schizophren für das Leben: Gericht ordnet stationäre therapeutische Massnahme an

In Oberengstringen mehrfach tätlich geworden. Jetzt ordnet das Bezirksgericht Dietikon stationäre Massnahme an.

In Oberengstringen mehrfach tätlich geworden. Jetzt ordnet das Bezirksgericht Dietikon stationäre Massnahme an.

Eine ganze Reihe von Straftaten verübte der Bosnier vor rund einem Jahr innert weniger Wochen in Oberengstringen. Über diese und die daraus resultierenden Strafen hatte das Bezirksgericht Dietikon unter Leitung von Gerichtspräsident Stephan Aeschbach zu entscheiden.

Der Fall zeigte viele Aspekte von persönlicher und familiärer Tragik. Momentan ist der 38-jährige, ­ledige und arbeitslose IV-Rentner ohne festen Wohnsitz in einer Klinik, ansonst sitzt er seit rund einem Jahr in Untersuchungshaft. Zur Verhandlung waren auch Mutter und Schwester des Angeklagten erschienen; sie sahen mitgenommen aus.

Vor einem Jahr war ihr Sohn und Bruder vor dem Mehrfamilienhaus in Oberengstringen aufgetaucht, in dem er früher gewohnt hatte. Ein Bewohner machte ihn auf das für ihn geltende Rayon- und Hausverbot aufmerksam. Seine Reaktion: Er stiess den Mann an den Boden und trat gegen dessen linkes Bein. So stark, dass das Wadenbein brach. Die Anklage betonte, dass der Täter wusste, dass dies zu Verletzungen führen kann, «was er auch wollte». Dann ergriff er eine Flasche aus einem Karton, den der Geschädigte bei sich hatte und drohte ihm mit erhobener Flasche. Der Beschuldigte bestätigte den Vorfall grundsätzlich, sagte aber, der Mann habe ihn angegriffen, er habe sich nur gewehrt. Im Laufe der Verhandlungen verzichtete der Mann auf die früher gestellte Forderung auf Genugtuung. Er befürchtet jedoch, dass der Täter sich an ihm rächt, wenn er dereinst wieder auf freiem Fuss ist.

Einige Tage später, und wieder in Oberengstringen, klopfte eine Frau an die Türe des Wohnwagens ihrer Eltern. Die Türe öffnete sich und heraus trat der Bosnier, einen Besenstiel in der Hand. Er schlug mehrmals auf sie ein, was zu Prellungen führte. Dann nutzte er den Besenstiel als Lanze und stiess der überraschten Frau in den Bauch. Auch hier sieht sich der Täter als Opfer, die Frau habe ihn angegriffen. Den Einbruch in den Wohnwagen gab er zu, und er entschuldigte sich dafür. Dies galt auch für einen weiteren Einbruch in einen Wohnwagen. Bereits früher hatte er in Wohnwagen gelebt, denn er war schon obdachlos. Er sagte vor Gericht, dass es falsch gewesen sei, in den Wohnwagen zu ­gehen, aber er habe eine Stimme gehört, die ihm dazu geraten habe.

Im selben Zeitraum wollte der Beschuldigte an den Briefkasten seiner Mutter. Damit verstiess er gegen das Hausverbot, das ihm zuvor für die Liegenschaften verhängt worden war. Er behauptete, ein Polizist habe ihm die Erlaubnis gegeben, zum Briefkasten zu ­gehen.

«Nicht selbstverschuldete Schuldunfähigkeit»

In seinem Plädoyer wies der Verteidiger mehrmals auf das schizophrene Verhalten des Angeklagten hin. Seit Jahren immer wieder Cannabiskonsument, muss der Mann regelmässig Medikamente einnehmen. Seine zeitweise starke psychische Erkrankung liess sich bislang nicht heilen. Mehrmals war am Prozess vom schizophrenen Verhalten die Rede. Während solcher Phasen realisiert der Täter Situationen und Ereignisse anders als die Umgebung. Diese Sicht stützte das Gericht in seinem Urteil. Der Mann wurde der Sachbeschädigungen schuldig gesprochen, nicht aber der Taten gegen die Personen. Das Gericht sah hier eine «nicht selbstverschuldete Schuldunfähigkeit». Die Haftstrafe und eine frühere Geldstrafe wurden mit der laufenden Sicherheits- und Untersuchungshaft verrechnet. Der Mann musste nach dem Prozess zurück in die Haft, bis er die vom Gericht angeordnete stationäre therapeutische Massnahme antreten kann. Diese könnte später einmal gemildert und allenfalls in eine ambulante Behandlung umgewandelt werden, stellte Richter Aeschbacher in Aussicht.

Meistgesehen

Artboard 1