Spreitenbach
Zu Fuss durchs 12-stöckige Treppenhaus

Im Spreitenbacher Hochhaus, wo ein Mann wegen eines Lift-Defekts starb, fällt auch der zweite Lift aus. Denn der zweite Lift weist Sicherheitsmängel auf. Nun müssen alle Bewohner zu Fuss durchs Treppenhaus - auch die Bewohner aus dem 12. Stock.

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Nach dem tödlichen Sturz im Liftschacht wurde der betroffene Lift ausser Betrieb genommen. Nun wurde auch der Zweitlift gesperrt.

Nach dem tödlichen Sturz im Liftschacht wurde der betroffene Lift ausser Betrieb genommen. Nun wurde auch der Zweitlift gesperrt.

Es war ein tragischer Unfall: Ein 27-jähriger Mieter des Hochhauses an der Langäckerstrasse 28 in Spreitenbach öffnete am 16. Juni im 11. Stock die Tür des Lifts, um die Kabine zu betreten. Doch diese fehlte – der Mann stürzte elf Stockwerke tief in den Tod. Die Bewohner der Liegenschaft mussten sich seitdem mit dem zweiten, kleineren Lift begnügen. Bis vor kurzem – nun wurde auch dieser stillgelegt.

Ein Gutachten hat gravierende Sicherheitsmängel offengelegt, wie der «Blick» berichtet. Seit dem Umbau im Jahr 2007 fehlt ein Geländer. Eine Schachttürverriegelung soll angefeilt und zwei Türschlösser sollen verkehrt herum eingebaut sein.

Untragbare Situation für die Bewohner

Die Situation belastet gerade die älteren Bewohner des Hochhauses stark. Gegenüber «Blick» fürchtet ein Italiener, seine 89-jährige Mutter könnte auf dem Weg in die Waschküche stürzen. Sie lebt im achten Stock, sei fast blind und könne kaum Treppen steigen.

Auf Anfrage bei der Stockag Immobilien und Treuhand AG, der Verwaltung der Liegenschaft, heisst es: «Wir bedauern sowohl den tödlichen Unfall im Juni wie auch die aktuelle Situation ausserordentlich. Doch wir mussten nach Vorliegen des Gutachtens auch den zweiten Lift ausser Betrieb nehmen – alles andere wäre verantwortungslos.» Man könne nicht verantworten, dass sich eine solche Tragödie wiederholt.

Zudem sei ein eingeschriebener Brief der Gemeinde Spreitenbach bei der Verwaltung eingetroffen. Die Bauverwaltung untersage die Nutzung aller Liftanlagen im Wohnhaus ab sofort. Man arbeite aber «mit Hochdruck» mit den Aufzugsunternehmen an einer Lösung, beteuert ein Sprecher der Verwaltung. Bis die Reparatur abgeschlossen sei, dauere es allerdings mehrere Wochen. (luk)