Mein Ding: Zauberei
Zauberer Pascal: «Der Witz ist das Salz in der Suppe»

Zauberer Pascal überlistet die Sinne. Mit einer Mischung aus Gags und optischen Illusionen begeistert er sein Publikum. Dabei läuft nicht immer alles glatt.

Christian Tschümperlin
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Zauberer Pascal schiebt eine brennende Zigarette durch einen Fünflieber.

Zauberer Pascal schiebt eine brennende Zigarette durch einen Fünflieber.

Christian Tschümperlin

Zauberer Pascal war noch nie auf den Philippinen. Laut Mythen soll es im südostasiatischen Inselreich Geistheiler geben, die mit blossen Händen in den Körper eines Patienten eindringen und ohne Spuren Eingriffe vornehmen.

Pascal bittet um Münze und Zigarette. «Damit der Beobachter auch sicher sein kann, dass die Utensilien nicht präpariert sind», sagt der Dietiker. Mit einer bedeutungsvollen Bewegung entzündet er die Zigarette und stellt diese auf den Fünfliber, wo sie wie von Zauberhand stehen bleibt. Die Münze sei nun quasi sein Patient. Zauberer Pascal schiebt die Zigarette durch die Münze. Was echt erscheint, ist in Wirklichkeit nur eine optische Illusion, so Pascal, der seinen Familiennamen nicht genannt haben will. An Übersinnliches glaube er nicht.

Auf der Strasse wird der 69-Jährige oft mit «Zauberer Pascal» begrüsst. «Das ist für mich ein Kompliment», sagt er. Das heisse, er habe seine Rolle gut gespielt. Denn ein Zauberer sei auch ein Schauspieler. Seit 35 Jahren steht er als hauptberuflicher Zauberer auf der Bühne. Sein Publikum bringt er mit Tisch- und Bühnenzauber zum Staunen, aufgelockert von Gags. «Der Witz ist das Salz in der Suppe», so Pascal.

Gags und Zauberei eng verknüpft

Damit seine Shows nicht zu einer losen Folge von Zaubertricks verkommt, folgt alles den Regeln der Dramaturgie. «Das Publikum soll vom ersten Moment an in den Bann gezogen werden», sagt er. Deshalb startet er üblicherweise mit einer eindrücklichen Einlage. Es folgen gemütliche Nummern, die sich fortlaufend steigern. Auf dem Höhepunkt kommt Pascals Lieblingstrick: Er lässt einen Zuschauer scheinbar frei im Raum schweben. «Was sich als Höhepunkt eignet, hängt vom persönlichen Stil des Zauberers ab», sagt er. Dann kommt der Ausklang. Eine Show besteht aus etwa 10 Kunststücken.

Gags und Zauberei sind bei Pascal eng miteinander verknüpft. Ein Beispiel: Er gibt im Laufe einer Vorstellung vor, durstig geworden zu sein, und schenkt sich ein Glas Wasser ein. «Haben Sie auch Durst?», fragt er dann ins Publikum, während er den Krug hält und das Glas frei in der Luft schwebt.

Einen Mentor hatte Pascal nie. «Ich sehe es, wenn ein Zauberer einen anderen Zauberer imitiert», sagt er. Es sei wichtig, seinen persönlichen Stil zu entwickeln. Vieles habe er sich selbst überlegt, daneben pflege er einen ungezwungenen Austausch mit Kollegen im «Magischen Ring», der Schweizer Zauberervereinigung.

Missgeschick überspielt

Doch nicht immer lief alles glatt. In den Neunzigerjahren gab Pascal eine Show im aargauischen Suhr. Vor einem Vorhang entzündete er ein Blatt Papier. Mit einem Griff sollte sich die Feuerkugel in eine Blume verwandeln. Doch die Blume fing Feuer und schwebte hoch zum Vorhang, der zu lodern begann. Pascal löschte die Flamme mit der flachen Hand und entging so einem Fiasko. Doch dann geschah, womit er nicht gerechnet hatte: Das Publikum applaudierte. «Ich hatte ein Fragezeichen im Kopf», so Pascal. In der Pause seien die Leute zu ihm gekommen und gratulierten ihm zum starken Effekt mit dem Vorhang.

Pascals Spezialgebiet ist die Tischzauberei. Dabei schiebt er etwa in nächster Nähe der Zuschauer eine Münze von unten in ein Glas oder durch einen steinharten Tisch. «Bei dieser Kunst ist Fingerfertigkeit gefragt», so Pascal.

Seine Tricks verrät er selbstverständlich nicht. Zauberei lebt davon, dass sich ein Geheimnis zeigt, aber nicht offenbart. «Wenn ich die Show eines Kollegen besuche, versuche ich nicht unbedingt herauszufinden, wie die Tricks funktionieren», so Pascal. Er lässt sich selber gerne verzaubern und achtet eher darauf, was die Performance bei ihm auslöst. «Wenn sie gut ist, dann klatsche ich am lautesten und ziehe meinen Zauberhut», sagt er.

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