Ohne Spritze Zähne bohren? Stress- und beschwerdefrei leben auch im hohen Alter? Prostatabeschwerden und Bluthochdruck adieu? Beim Männer-Apéro der Kirche Weiningen informierte Stressregulationsexperte Kilian Schmid am Samstag gut drei Dutzend Männer im fortgeschrittenen Alter über das Wundermittel Hypnose und Trance.

Kaum ein Zuhörer war auszumachen, der nicht bereits das Pensionsalter erreicht hätte. «Schöner Gigolo, armer Gigolo» schluchzte die Violine zum Auftakt des Anlasses, und hier und dort huschte ein entrücktes Lächeln über ein Gesicht.

War das schon die Trance, von der Schmid sich Heil und Rettung für alle Widrigkeiten des Lebens verspricht? Der Stressregulationsexperte führte seine Zuschauer ein in die Welt der Hypnose und Trance und versprach: «Durch eine Bewusstseinsveränderung können wir alle 130 Jahre und älter werden.» Die Antwort auf die Frage, ob dies überhaupt erstrebenswert sei, blieb Schmid allerdings schuldig.

«Strahlende Augen sammeln»

Hypnose sei eigentlich der falsche Begriff, erklärte Schmid. Trance umschreibe das Phänomen besser, mit welchem man sich in einen Zustand versetze, welcher im Hirn die «Theta-Wellen» stärke. Sein Tipp als Einstieg in dieses neue Lebensgefühl: «Sammeln Sie jeden Tag zwei paar strahlende Augen!» Und weiter: «Wenn wir jeden Morgen beim Aufwachen dafür danken, dass wir aufwachen durften, dann sind wir auf dem Weg, glückliche Menschen zu werden – auch wenn wir uns dabei selber anlügen. Das macht nichts!»

Hypnose und Trance, führte der Referent weiter aus, sei mit Vorurteilen belastet. Märchen und Mythen rankten sich um diese Begriffe. Dabei sei Trance einfach ein Zustand der Bewusstseinsveränderung, der ein angstfreies Leben ermögliche. Kurz vor dem Einschlafen etwa falle der Körper in Trance. Musik, und Tanz hätten dieselbe Wirkung. Und Schmid ist überzeugt: «Auch Momente der Stille – etwa während eines Tischgebets – helfen, sich selber in Trance zu versetzen und so wieder zur eigenen Mitte zu finden.»

Schwer verständlich waren dann Schmids Ausführungen über einen mysteriösen Mutter-Kind-Kanal, der es den Vätern unmöglich machen soll, in den ersten Monaten mit ihren Kindern zu kommunizieren.

Nicht ganz einig mit den Ausführungen Schmids war der reformierte Weininger Pfarrer Christoph Frei: «Ich teile Schmids Weltbild nicht.» Auch in der Religion kenne man Trancezustände. Aber das Ziel sei ein anderes, führte Frei aus und präzisierte: «Für mich ist es nicht ein Bleiben bei sich selber, sondern eine Beziehung zu Gott, welche ich damit erreichen will.»

Männer (fast) unter sich

In ökumenischer Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche findet dreimal pro Winterhalbjahr in Weiningen ein Männer-Apéro statt. Frei sagte, er sei überzeugt, dass es Anlässe brauche, wo Männer einmal unter sich seien. «Die Kirche organisiert ja viele Frauenanlässe. Wir fanden es wichtig, dass es auch einmal Forum gibt, wo Männer über ihre Probleme und Sorgen sprechen können», so Frei.

Am Samstag war jedoch auch eine Frau im Publikum auszumachen. «Ich bin froh, dass mich mein Mann motiviert hat, mitzukommen», strahlte Vroni Taverner aus Geroldswil. «Ich habe heute Morgen sehr viel gelernt! Mal Pause zu machen und das Leben etwas ruhiger zu nehmen ist wichtig.» Auch aus dem männlichen Publikum waren nach dem Anlass positive Voten zu hören. Kurt Stähli aus Bülach etwa war vom Vortrag begeistert: «Ich möchte mich in die Materie vertiefen. Vielleicht ist das ein Weg, sich selber etwas umzupolen, und auch im Alter anderen Leuten nicht zur Last zu fallen.»