Wohnung samt Partner gesucht

Neue Wege zur Wohnungsvermietung: Bei einem Wohngemeinschaft-Matching-Event in der Dietiker Überbauung «Trio» lernten potenzielle Mieter sich und die Wohnungen kennen.

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Wohnung samt Partner gesucht

Wohnung samt Partner gesucht

Limmattaler Zeitung

David Hunziker

Noch stehen sie etwas unsicher und verloren im Raum – das Kennenlernen hat erst gerade begonnen. Knapp 30 Leute, die meisten Singles, haben sich in der hellen Wohnung in der Trio-Überbauung in Dietikon versammelt und sie alle haben das gleiche Ziel: einen Platz in einer WG zu finden.

Für einen WG-Matching-Event hat sich die Immobilienfirma «Colliers», die für die Vergabe einiger der Wohnungen im entstandenen Neubau zuständig ist, mit den Leuten von «Speedflirting.ch» zusammengetan.

Die 30Jahre junge Melina D’Onofrio hat genug von ihrem Mitbewohner und schaut sich daher etwas um auf dem Zürcher Wohnungsmarkt. Der Event kommt ihr sehr gelegen. «Es kann gut sein, dass ich mit Leuten, die ich zuvor noch nicht gekannt habe, besser zusammenleben kann», meint sie.

Auf dem kurzen Rundgang durch die Wohnungen in kleinen Gruppen entstehen erste Gespräche, man ist sich sympathisch. Kontakte zu knüpfen, fällt der Süditalienerin sichtlich leicht.

Kontakte für alles Mögliche

Auf dem riesigen Balkon ist genug Platz, um eine Zigarette zu rauchen und die begonnenen Gespräche fortzuführen. «Das Eis ist hier schnell gebrochen, da alle ein gemeinsames Thema haben», sagt Nick Ganz, Geschäftsführer von «Speedflirting». Er ist Experte darin, Leute zusammenzubringen, egal für was.

«Es kann sein, dass hier Kontakte für allesmögliche entstehen. Wichtig ist nur, dass sich die Leute kennenlernen.» Auf dem Balkon seien vorhin auch schon Nummern ausgetauscht worden.

Dort stehen im Moment zwei Männer am Geländer und blicken auf die Gleise und die Limmat hinunter. Einer von ihnen ist der 30-jährige Simon Haas, ein eher ruhiger Typ. Er kommt aus dem Schwarzwald und hofft noch auf die definitive Zusage für einen Job.

In diesem Falle brauchte er einen Ort zum Wohnen und von dem gibt es hier noch jede Menge. «Wenn man alleine auf der Suche nach einem Zimmer ist, kennt man die potenziellen Mitbewohner ja jeweils auch nicht. Daher ist das hier gar nicht so aussergewöhnlich», meint er zum WG-
Matching-Event. Das Konzept überzeuge ihn.

Wegen der Arbeit ins Limmattal

Melina ist mittlerweile mit einem Mann ins Gespräch gekommen. Die beiden stellen gerade vergnügt fest, dass sie beide für Versicherungen arbeiten. Der 26-jährige David Tavani stammt aus Basel. Auch ihn bringt die Arbeit nach Zürich. Da kam die zufällige Entdeckung dieses Events im Internet gerade richtig.

Er würde sich als unkomplizierten Mitbewohner bezeichnen, meint er, etwas Sauberkeit verlange er von seinen zukünftigen Mitbewohnern jedoch schon. «Mein erster Eindruck von den Leuten hier ist sehr gut. Mit den einen könnte ich mir ein Zusammenleben schon vorstellen.»

Es stellt sich die Frage, ob sich die Leute hier nun über einen ersten Eindruck hinaus kennen lernen werden. An der Wand hängen Steckbriefe, auf denen auch Nachrichten hinterlassen werden können. Von dieser Option hat noch niemand Gebrauch gemacht, die Kontakte werden eher im Verborgenen geknüpft.

Auch Muriel Schlatter, die die Wohnungen in Dietikon für «Colliers» an Mieter weitergibt, hat beobachtet, dass sich etwas getan hat. «Bei zwei Gruppen hat es so ausgesehen, als könnten sie sich vorstellen zusammenzuleben», erzählt sie.

Wer zieht ein?

«Die Klischees, die es über WGs gibt, sind meist nicht angebracht, wenn man sich hier so umschaut», meint Schlatter. Daher sei es auch nicht erstaunlich, dass für die neuen Wohnungen gezielt nach Leuten gesucht würde, die auf diese Weise zusammenleben. «Viele Leute, die auf diese Weise leben, haben interessante kreative Berufe», sagt Schlatter weiter. Man ist gespannt, wer hier alles einziehen wird.